EURIBOR in der Corona Krise

Aktuell erhalten wir einige Fragen dazu, ob sich der EURIBOR Zinssatz durch die Corona Krise verändern wird. Das haben wir zum Anlass genommen ein kurzes Video und diesen Beitrag zu erstellen, um unsere Einschätzung dazu abzugeben.

 

Was ist der EURIBOR und wie wird er berechnet?

Details dazu findet man auch in unserem EURIBOR Beitrag. Kurz gesagt handelt es sich dabei um den Zinssatz, zu dem sich Banken in der EU gegenseitig Geld ausborgen. Dies geschieht täglich zu verschiedensten Kursen. Die 15% der höchsten und niedrigsten Zinssätze werden dann zum Durchschnitt herangezogen.

Der EURIBOR wird hauptsächlich für variabel verzinste Kredite und für variable Anleihen und Swaps verwendet.

Was beeinflusst den EURIBOR?

Der Zinssatz den die Banken zum Austausch wählen hängt sehr stark am Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB).

Diese soll die Geldpolitik zwischen Banken und der Wirtschaft regeln. Das größte Ziel ist eine Preisniveaustabilität herzustellen. Dabei wird eine Inflation von 2% Inflation angestrebt.

Die EZB hat verlautbart, dass ab einer Inflation (2019 hatten wir in der EU 1,8%) die Leitzinsen wieder erhöht werden.

Was hat die EZB in der Coronakrise getan um zu helfen?

In einer ersten Reaktion hat die EZB mit einer leichten Zinssenkung versucht, den Banken den Geldaustausch zu erleichtern. Leider wurde dies von den Anlegern und der Wirtschaft als Notsignal gedeutet und die Märkte haben noch sensibler reagiert.

Außerdem wurde der Kauf von zusätzlichen Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro kommuniziert.

Aktuell ist der EURIBOR daher weiterhin auf sehr niedrigem Niveau von -0,506% (Stand 23.03.2020).

Wie wird es jetzt weiter gehen?

So lange Ausgangssperren und Grenzsperrungen aktiv sind, kann die Wirtschaft nicht arbeiten und die Zinsen könnten so niedrig bleiben oder sogar noch weiter sinken. Tatsächlich könnten sie sogar noch drastisch sinken, da es grundsätzlich keinen Mechanismus gibt, der stark negative Zinsen verhindert. Zu erwarten ist das aus aktueller Sicht allerdings nicht.

Sobald diese Phase vorbei ist wird es mit dem Wirtschaftswachstum wieder stark vorangehen. Zu diesem Zeitpunkt sollten wir aus der aktuellen Rezzession wieder in die Inflation kommen und damit auch die Leitzinsen erhöht werden. Wie lange das dauert ist schwer abzuschätzen.

In den nächsten Jahren kann es dann zu einer Inflation von über 2% kommen was auch die EZB zu einem Anheben der Leitzinsen zwingt.

Für Kreditnehmer beruhigend: Gleichzeitig versucht die EZB aber auch die Zinsen nicht zu hoch steigen zu lassen, damit das Geld in der Wirtschaft bleibt und nicht gespart wird. Gespartes Geld hilft der Wirtschaft naturgemäß nur wenig.

Unsere Vermutung für die nächsten Monate sind also trotz Coronakrise gleichbleibend niedrige EURIBOR Zinsen.

Was passiert gerade mit den Bankkonditionen?

Aktuell mehren sich Hinweise auf steigende Konditionen bei den Banken. Aus Deutschland gibt es hier erste Korrekturen. Diese sind durch die aktuell schwierigere Geldbeschaffung zu erklären.

Banken müssen die ausgegebenen Kredite selbst refinanzieren. Diese Refinanzierung hängt von vielen Faktoren ab, einer davon ist stark an die Zukunftsaussicht der Wirtschaft geknüpft.

Eventuell muss man sich also auf höhere Margen auf Immobilienkredite einstellen.

Was bedeutet das für bestehende Kreditnehmer?

Hier muss man differenzieren zwischen variabel und fix verzinsten Krediten.

  • variabel verzinste Kredite: können sich aktuell auf niedrigste Zinsen freuen, sollten den EURIBOR aber im Auge behalten um bei steigenden Zinsen nicht überrascht zu werden.
  • fix verzinste Kredite: profitieren von der Coronakrise nicht, müssen sich aber im Gegenzug nicht vor eventuell steigenden Zinsen fürchten

Was bedeutet das für angehende Kreditnehmer?

Aktuell gibt es noch sehr sehr günstige Konditionen. Je nachdem ob die Kreditrate ein großes oder kleines Loch ins Budget reißt, würden wir zu einem Fixzins raten (Manche Bausparkassen finanzieren 30 Jahre mit 2,3% fix).

Wer eher wenig finanziert hat, im Verhältnis zum Monatsbudget, sollte gerade jetzt in der Coronakrise zu einem variablen Kredit tendieren und sich die niedrigen Zinsen sichern.

Fazit:

Eine echte Prognose ist aktuell keinesfalls möglich, viel zu unklar ist, wie es am Weltmarkt mit dem Coronavirus weitergeht. Horrorbilder aus Italien und mittlerweile Spanien lassen nichts gutes hoffen. Für den EURIBOR bedeutet das vermutlich gleichbleibend niedrige Zinsen.

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5 thoughts on “EURIBOR in der Corona Krise”

  1. Hi,
    Gutes Video,
    Ich habe folgendes Bankangebot vorliegen und müsste mich entscheiden , zu was würdet ihr mir raten:
    Derzeit variabel mit 1.5 aufschlag auf denn 3m euribor , neues angebot 1% aufschlag weiter variabel oder 0.785 fix auf 10 jahre oder 1% fix auf 15 jahre noch offe. Ca 145K

    Lg greg

    1. Hallo Gregor,
      vielen Dank!

      Ratschläge sind immer mit Vorsicht zu genießen. Aber ich persönlich würde mich hier für eine der fixen Varianten entscheiden. Wie weit kann der Euribor realistisch noch sinken? Hingegen hat er bei einem deutlichen Anstieg noch viel Platz nach oben. Ich sehe es also derzeit so, dass man bei guten Fixzinsangeboten mehr Sicherheit als möglichen Gewinn bekommt. Je nachdem ob die Rate einen kleineren oder größeren Teil des Monatsbudgets aufbraucht, würde ich dann die 10 oder 15 Jahre nehmen.

      Und gratuliere zu dem tollen Angebot. Da kann man ohnehin nicht viel falsch machen!

      LG Mario

  2. Hallo, drei Monate später und die Situation schaut anders aus als in eurem Video prognostiziert. Der drei Monats Euribor ist massiv gestiegen. Was ist eure Meinung dazu und wie wird es wohl weitergehen? Danke

    1. Danke für den Kommentar! Es ist erst ein Monat vergangen und die Situation hat sich bis dato ähnlich entwickelt wie vermutet, weiterhin verhält sich der 3M Euribor auf niedrigem Niveau. Leichte Schwankungen gibt es natürlich. Der Anstieg ist zwar der höchste seit 4 Jahren aber immer noch sehr niedrig. Zustande kommt er, weil die Banken in der EURO Zone gegenseitig weniger Vertrauen haben und dadurch höhere Zinsen verlangen.

      Wie es weiter geht weiß ehrlicherweise niemand. Wir vermuten aber dass die EZB alles in ihrer Macht stehende tun wird, um steigende Zinsen zu verhindern. In Wirtschaftskrisen wird im allgemeinen immer versucht die Zinsen möglichst niedrig zu halten. Erst im Aufschwung ist mit leicht steigenden Zinsen zu rechnen. Wir befinden uns jedenfalls in einer Situation die es so noch nicht gegeben hat, insofern ist jede Prognose schwierig.

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Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Gründer der OPTIFIN und Geschäftsführer einer Agentur hat er tagtäglich mit den Themen Immobilienfinanzierung und Finanzen zu tun. Er betreut und erstellt daher die Inhalte zu diesen Themen.

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