Bauherrenversicherung

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Bauherrenversicherung schützt den Bauherren vor Schadensersatzansprüchen bei Unfällen auf der Baustelle.
  • Ein Bauherr kann für Schäden mit seinem gesamten Vermögen haftbar gemacht werden.
  • Die Bauherrenversicherung endet mit der Fertigstellung bzw. der Herstellung der Bezugsfertigkeit.

Dass eine Baustelle ein ziemlich unsicherer Ort sein kann, ist hinlänglich bekannt. Weniger bewusst ist vielen Bauherren, dass sie für Sach- und Personenschäden haftbar gemacht werden können – und zwar auch dann, wenn sie einen befugten Baumeister bzw. andere Professionisten mit den Arbeiten beauftragt haben.

Es gibt eine Reihe an unangenehmen Dingen, die auf einer Baustelle passieren können: Ein Nachbar, der beim Rohbau hilft, wird von einem herabfallenden Ziegel getroffen, ein spielendes Kind verletzt sich an einem ungesicherten Bewährungsgitter oder ein Gerüst fällt um und begräbt ein Auto unter sich. Für all diese und ähnliche Schäden kann ein Bauherr zur Verantwortung gezogen werden.

Das kann sogar so weit gehen, dass ein Bauherr ohne eigenes Verschulden zum Handkuss kommt. Stellen Sie sich vor, auf der Baustelle werden sachgerecht Grabungsarbeiten durchgeführt und im Nachbarhaus entstehen dadurch Senkungen und Risse.

Wer baut, braucht keine zusätzlichen Kosten

So ein Szenario kann eintreten und Absicherung dagegen ist daher notwendig. Während des Baus eines Hauses ist die finanzielle Lage häufig ohnedies angespannt. Was man jetzt keinesfalls brauchen kann, sind Schadensersatzzahlungen oder lange Rechtsstreitigkeiten. Ein Bauherr kann für Schäden mit seinem gesamten Vermögen haftbar gemacht werden. Die Bauherrenhaftpflicht schützt dagegen, sowie bei der Abwehr von zu Unrecht geforderten Zahlungen.

Im Vergleich zu ihrem Nutzen und möglichen Haftungen ist die Bauherrenversicherung eigentlich zu wenig bekannt. Grundsätzlich muss ein Bauherr für seine Baustelle drei Pflichten wahrnehmen:

  • jene zur Verkehrssicherung,
  • eine Auswahlpflicht, d.h. arbeiten auf der Baustelle tatsächlich nur befugte Professionisten,
  • und eine Überwachungspflicht.

Mit letztem Punkt ist gemeint, dass die Baustelle ordentlich abgesichert sein muss und dass sämtliche Arbeitsschutz- und Gefahrengutvorschriften eingehalten werden müssen. Hand aufs Herz: Kann das ein Laie – und der Bauherr ist in der Regel ein solcher – tatsächlich beurteilen?

Kosten der Absicherung sind vernachlässigbar

Wenn etwas passiert, ist häufig die Frage der Zuordnung nicht eindeutig zu klären, d.h. wer ist wirklich verantwortlich für den Schaden. Der Maurer, der den Ziegel ungesichert abgelegt hat oder der Zimmermann, der ihn unbeabsichtigt runtergestoßen hat? Das gilt vor allem dann, wenn verschiedene Gewerke gleichzeitig auf der Baustelle arbeiten. Ist kein eindeutiger Verursacher auszumachen, werden Schadensersatzansprüche gerne gegen den Bauherren geltend gemacht.

Es ist auf alle Fälle ratsam, eine Bauherrenversicherung oder Bauherrenhaftpflicht abzuschließen. Die Kosten sind im Vergleich zu den möglichen Schäden vernachlässigbar.

Die Prämie errechnet sich aus der Bauzeit und der gewünschten Deckungssumme. Das ist jener Betrag, der im Schadensfall von der Versicherung übernommen wird. Dieser darf keineswegs zu niedrig angesetzt werden. In der Regel bewegen sich die Prämien – für die Absicherung eines üblichen Einfamilienhauses – im niedrigen dreistelligen Bereich. Jedenfalls sollte man sich bei einem unabhängigen Berater informieren, weil Tarife und Bedingungen teilweise deutlich voneinander abweichen.

Die Bauherrenversicherung endet mit der Fertigstellung bzw. der Herstellung der Bezugsfertigkeit. Manchmal werden fixe Versicherungslaufzeiten vereinbart. Wenn das so ist, sollte man nicht vergessen, die Versicherung zu verlängern, falls sich das Bauvorhaben verzögert. Wichtig ist, dass der Versicherungsschutz die gesamte Bauzeit abdeckt.

Ergänzungen und Kombinationen

Bauherrenversicherung
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Bei vielen Versicherungen kann die Mitarbeit des Bauherren bzw. die Unterstützung durch Freunde, Verwandte oder Nachbarn explizit mitversichert werden. Dafür wird normalerweise ein geringer Prämienaufschlag verrechnet.

Ebenso kann man die Bauherrenhaftpflicht mit einer sogenannten Bauwesenversicherung kombinieren. Im Paket spricht man dann häufig von einer sogenannten „Rohbauversicherung“.

Eine Bauwesenversicherung deckt z.B. folgende Schäden ab:

  • wetterbedingte Schäden am Rohbau
  • Feuer, Explosionen, Blitzschlag
  • Diebstahl von Baugeräten, Inventar, Baumaterialien usw.
  • Vandalismus

Es kann auch sein, dass eine Bauherrenversicherung bereits Teil einer Eigenheimversicherung ist oder dass sie in einer bestehenden Privathaftpflicht enthalten ist. In diesen Fällen macht es natürlich keinen Sinn, eine Bauherrenhaftpflicht extra abzuschließen, aber jedenfalls sollte man auch in diesen Fällen die Versicherungssumme überprüfen.

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