Bauherrenhaftpflichtversicherung

Allmählichkeitsschäden, Senkungsschäden, Personenschäden und mehr. Um sich als Bauherr gegen Haftpflichtansprüche Dritter abzusichern, sollte eine dementsprechende Versicherung abgeschlossen werden. Erfahren Sie hier, welche Gefahren mit einer Bauherrenhaftpflichtversicherung finanziell abgesichert sind.

Die Verkehrssicherungspflicht

Überall dort, wo Gefahrenquellen geschaffen werden, kommt die Verkehrssicherungspflicht (§ 1295 ABGB1) zum Tragen. Bekannt – und nicht besonders beliebt – ist beispielsweise die Verkehrssicherungspflicht bei Schnee und Eis, die bestimmte Personen an bestimmten Standorten zur Schneeräumung oder Streuung verpflichtet.

Dasselbe gilt auch für die Baustelle: Sie muss zur Abwehr von vermeidbaren Gefahrenquellen gesichert werden.  Zu den Absicherungsmaßnahmen gehören vor allem:

  • Kennzeichnung
  • Absperrvorrichtungen aus festem Material
  • Künettenabsicherung mittels Latten
  • ausreichende Beschilderung
  • ausreichende Beleuchtung
  • Absicherung des Baugerüsts

Wie wichtig diese Maßnahmen sind, wird in einer alten, aber nach wie vor brandaktuellen Publikation des Vereins BIZEPS – Zentrum für ein selbstbestimmtes Leben klar. Gerade Menschen mit Behinderung sind auf die akkurate Absicherung von Künetten und Baugerüsten angewiesen. Barrierefreiheit ist glücklicherweise kein Fremdwort mehr. Mit der Umsetzung geht es jedoch langsam voran.

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Was wird von der Bauherrenhaftpflichtversicherung gedeckt?

Nachbar Eins klagt über den entstandenen Schmutz oder Staub. Nachbar Zwei zieht wegen Rissen in seiner Fassade, die durch gegrabene Vertiefungen auf Ihrem Grundstück entstanden sein sollen, vor Gericht. Noch dazu klagt ein Passant, der an Ihrem Grundstück vorbeigehen wollte, und dabei in eine ungesicherte Baugrube gefallen ist.

Die schlechte Nachricht: In allen drei Fällen wird den Klägern vermutlich Recht gegeben. Die gute Nachricht: Mit einer Bauherrenhaftpflichtversicherung sind genau diese Schäden an Dritten gedeckt.

Hat der Bauherr, wie gefordert, die Baustelle abgesichert, und kommen trotz Absperrvorrichtungen Dritte zu Schaden, können Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. In genau diesen Fällen springt die Bauherrenhaftpflichtversicherung ein und übernimmt die finanzielle Verantwortung im Falle von Personen-, Sach- und Vermögensschäden auf Basis der Bestimmungen der AHVB/EHVB (Allgemeine und ergänzende Bedingungen für die Haftpflichtversicherung2). Es geht jedoch nicht immer nur um die Zahlung von Forderungen. Die Versicherung hilft Ihnen auch dabei, ungerechtfertigte Forderungen von Dritten abzuwehren. Dafür zieht sie nicht selten vor Gericht.

Welche Schäden sind durch die Bauherrenhaftpflichtversicherung NICHT gedeckt?

Schäden am Rohbau, die beispielsweise durch Brand, Sturm oder Hagel entstehen können, sind mit der Rohbauversicherung abgedeckt.

Schäden an den Baustoffen und Bauteilen wie Türen und Fenster (Vandalismus, Diebstahl, Glasbruch), Einsturz durch falsche statische Berechnung, Überflutung durch Hochwasser und Schäden durch Erdbeben werden von der Bauwesenversicherung abgedeckt.

Brauchen Sie eine Bauherrenhaftpflichtversicherung?

Wer sich sein Haus vom Architekten / Bauleiter planen und aufstellen lässt, wiegt sich zu oft in Sicherheit, wenn es um die Bauherrenhaftpflichtversicherung geht.

Zwar ist es richtig, dass jeder Bauunternehmer eine Bauherrenhaftpflichtversicherung besitzen muss, weil er gesamtschuldnerisch haftet. Der Geschädigte kann jedoch seine Schadensersatzansprüche auch bei Ihnen als Bauherren geltend machen. Eine Regelung, bei wem der Geschädigte seine Ansprüche zuerst einklagt, gibt es nämlich nicht.

Das gilt jedoch auch umgekehrt: Auch, wenn Sie vom Bauunternehmer / Architekten einen Vertrag vorgelegt bekommen, der Sie zur Übernahme aller Schadensersatzansprüche zwingt, wird er dadurch nicht von seiner gesamtschuldnerischen Haftung befreit.

Bestenfalls sind also beide – Bauunternehmer und Bauherr – durch eine eigene Bauherrenhaftpflichtversicherung abgesichert.

Die Kosten

Bei dieser Art von Versicherung ist enormes Einsparungspotenzial gegeben. Wählen Sie daher nicht gleich den ersten Anbieter, sondern vergleichen Sie die Angebote. Die Prämie richtet sich immer nach der Bausumme. Die Kosten sind dabei sehr unterschiedlich und betragen bei Einmalzahlung zwischen rund 100,- und 350,- Euro bei einer Bausumme von 250.000,- Euro. Es gibt jedoch auch Versicherungen, die mit Abschluss einer Rohbauversicherung eine prämienfreie Bauherrenhaftpflichtversicherung anbieten. Achten Sie bei solchen Versicherungspaketen genauestens auf den Deckungsumfang.

Wie hoch soll die Deckungssumme sein?

Bei der Deckungssumme einer Bauherrenhaftpflichtversicherung sind sich Berater uneinig. Während die einen für private Bauvorhaben eine Deckungssumme von 3 Millionen Euro empfehlen, befürworten die anderen eine Abdeckung in der Höhe von 5 Millionen Euro auf Personen- und Sachschäden.

Geldbörse Tipp: Lassen Sie sich die Deckungssumme des Bauunternehmens zeigen und passen Sie Ihre Deckungssumme den individuellen Erfordernissen an. Private Bauherren, die ihr Haus in Eigenregie bauen, sichern sich mit der Deckungssumme von 5 Millionen Euro um ein Vielfaches besser ab.

In diesen Fällen brauchen Sie keine Bauherrenhaftpflichtversicherung

Sollten Sie lediglich ein geringes Bauvorhaben umsetzen wollen, wie etwa kleine Zubauten, Umbauten, Renovierung oder Reparaturarbeiten sind Sie in den meisten Fällen durch Ihre Eigenheimversicherung geschützt. Lesen Sie vor Baubeginn Ihre Eigenheimhaftpflicht-Police oder erkundigen Sie sich darüber bei Ihrer Versicherungsgesellschaft. Vergessen Sie nicht, zu fragen, bis zu welcher Bausumme die Versicherung deckt.

Andere Versicherungen für Bauherren

Neben der Rohbau- und der Bauherrenhaftpflichtversicherung sollten Sie sich auch über die Rohbauversicherung, Feuerrohbauversicherung und die Bauleistungsversicherung erkundigen. Nach Beendigung der Bauphase benötigen Sie eine Eigenheimversicherung.

Gut abgesichert fühlt man sich während der Bauphase gleich viel besser. Denn gerade in dieser Zeit liegen die Nerven ohnehin zu oft blank. Dank der Bauherrenhaftpflichtversicherung bleiben Sie auch bei Schadensersatzforderungen ruhig. Achten Sie, wie bei jeder Versicherung, immer auf den Deckungsumfang, und entscheiden Sie sich nicht gleich für die billigste Police. Im Normalfall bringt der Abschluss einer mittelpreisigen Versicherung die meisten Vorteile mit sich. Sie ist nicht zu teuer, bietet aber umfangreichen Versicherungsschutz.

 

Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.

Hinweis:

Der Artikel wurde sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte und weiterführenden Links übernommen werden.

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