Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer

 

Das Wichtigste in Kürze
  • Man kann aufgrund der gesetzlichen Erbfolge oder durch eine letztwillige Verfügung zum Erben berufen werden.
  • In Österreich kann grundsätzlich jeder selbst bestimmen, was nach seinem Tod mit dem Vermögen geschehen soll.
  • 2008 wurde die Erbschaftssteuer abgeschafft, lediglich beim Erbe eines Grundstücks oder einer Immobilie ist eine Grunderwerbssteuer zu entrichten.

Erbrecht – Was versteht man darunter?

Als Erbrecht gelten alle Bestimmungen, die die Rechtsnachfolge des Vermögens eines Verstorbenen regeln. Dabei geht es auch um das subjektive Recht, Teile oder gar das gesamte Vermögen eines Verstorbenen für sich in Anspruch zu nehmen.
Durch Erwerb des Vermögens oder einen Teil davon wird der Erbe durch Einantwortung Gesamtrechtsnachfolger der verstorbenen Person. Man spricht von Alleinerbe oder Universalerbe, wenn nur eine Person als Erbe berufen wurde. Handelt es sich bei den Erben um mehrere berufene Personen, so spricht man von einer Erbengemeinschaft.

Unter Einantwortung versteht man die gerichtliche Übergabe der Verlassenschaft eines Verstorbenen an den rechtlichen Erben.

Vererblich sind:

  • Vermögenswerte wie z.B. Sparguthaben, Liegenschaften, Schmuck oder auch Forderungen gegen andere Personen
  • Schulden des Verstorbenen. Bei der Annahme des Erbes ist daher größte Vorsicht geboten!
  • Zugänge und Verfügungsrechte über Internetprofile, so wie Social Media- oder E-Mail-Konten

Nicht vererblich sind:

  • an die Person gebundene Rechte und Pflichten, zum Beispiel das Wohnrecht, Gewerbeberechtigungen oder Unterhaltsansprüche. Hier kann es jedoch Fortsetzungsrechte der Verlassenschaft bzw. naher Angehöriger gehen.

Unter Verlassenschaft versteht man alle Rechte und Verbindlichkeiten des Verstorbenen, die auf einen Erben übergehen.

Wie wird man zum Erben?

Man kann aufgrund der gesetzlichen Erbfolge oder durch eine letztwillige Verfügung zum Erben berufen werden. In Österreich kann grundsätzlich jeder selbst bestimmen, was nach seinem Tod mit dem Vermögen geschehen soll (Testierfreiheit).
Mögliche Formen um dies festzuhalten sind ein Erbvertrag oder Testament. Sollte der Verstorbene keine Regelungen bestimmt haben, tritt im Erbfall die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Diese weist das vererbbare Vermögen durch Orientierung am Willen eines durchschnittlich Verstorbenen dem Ehepartner und den nächsten Verwandten zu.

Um einen gewissen Ausgleich zwischen der Testierfreiheit und der gesetzlichen Erbfolge zu schaffen, wird das Pflichtteilsrecht eingesetzt.
Der Verstorbene konnte dadurch einerseits eine letztwillige Anordnung treffen, muss aber dennoch bestimmten nahen Angehörigen eine Quote seines Vermögens zukommen lassen. Unterlässt er dies, wird nahen Angehörigen als pflichtteilsberechtigte Personen durch die Pflichtteilsbestimmungen das Recht eingeräumt, vom Testamentserben eine Zahlung zu fordern.

Was, wenn es gar keine Erben gibt?

Ist ein Erbe gänzlich unbekannt, wird vom Gerichtskommissär ein Erbenedikt erlassen, in dem der Erbe aufgefordert wird seine Ansprüche innerhalb sechs Monaten geltend zu machen.
Gibt es keine gesetzlichen oder testamentarischen Erben, keinen erbberechtigten Lebensgefährten und Vermächtnisnehmer, so kann sich die Republik Österreich diesen Nachlass aneignen („Aneignung des Bundes“).

Erbschaftssteuer und Grunderwerbsteuer

Mit der Steuerreform 2008 wurde in Österreich die Erbschaftssteuer und die Schenkungssteuer abgeschafft. Die Steuer war von der Höhe des Erbes, dem Grad der Verwandtschaft und dem familienrechtlichen Nahverhältnis abhängig.
Je entfernter die verwandtschaftliche Beziehung war, desto höher fiel die Erbschaftssteuer aus.
 Auch wenn die Erbschaftssteuer abgeschafft wurde, gibt es heute andere Regelungen.
Wird ein Grundstück von einem Angehörigen vererbt, ist eine Grunderwerbsteuer zu entrichten. Auch wenn die Erbschaftssteuer in ihrer alten Form rein rechtlich nicht mehr existiert, wird aus diesem Grund noch immer von ihr gesprochen.

Grunderwerbsteuer ab September 2016

Bei der Grunderwerbsteuer handelt es sich um eine (Rechts-)-Verkehrsteuer. Diese besteuert den Erwerb von Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten. Dabei wird jedoch nicht das Grundstück an sich besteuert, sondern der Vorgang des Erwerbes durch den Erben.

Es handelt sich dabei um eine Abgabe, die sich Bund (4%) und Gemeinden (96%) teilen. Erhoben wird diese im Erbfall durch das Finanzamt für Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel in Wien.

Steuern bei Grundstücksschenkungen

Handelt es sich innerhalb eines Familienbandes um eine Übergabe von Vermögen oder einen unentgeltlichen Erwerb, so kommt die Grunderwerbsteuer zur Anwendung. Unentgeltliche Erwerbe können mit oder ohne Gegenleistung erfolgen. Dabei darf die Gegenleistung maximal 30% des Grundstückswertes ausmachen.

Im Familienband inkludiert sind:

  • Ehepartner oder eingetragene Partner
  • Lebensgefährten im gemeinsamen Haushalt
  • Nahe Verwandte
  • Geschwister
  • Stiefkinder, Pflegekinder

Berechnen der Grunderwerbsteuer

Ausschlaggebend für die Höhe der Schenkungssteuer ist der Wert des Grundstücks. Dieser kann auf folgende Arten ermittelt werden:

1. Durch das Pauschalwertmodell:

Es beinhaltet im Grunde fünf Faktoren, die zur Berechnung des Grundstückswertes beitragen:

  • Grundfläche
  • Bodenwert
  • Nutzfläche
  • Hochrechnungsfaktor
  • Baukostenfaktor
  • Alters-, Arten- und Nutzungsminderungen

Man bildet die Summe aus dem Grund- und Bodenwert, sowie dem Wert der Immobilie.

Grundfläche x (3 x Bodenwert pro m2) x Hochrechnungsfaktor
+ Nutzfläche x Baukostenfaktor x Nutzungs-/Artenminderung x Altersminderung =
Grundstückswert

2. Durch einen geeigneten Immobilienpreisspiegel:

Der geeignete Immobilienpreisspiegel wird durch die Verordnung  festgelegt. Danach ist die Auflistung der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria maßgebend. Der Wert eines Grundstückes muss nach dem jeweiligen Immobilienpreisspiegel ermittelt werden. Von diesem Wert werden 28,75% abgeschlagen. Der dadurch ermittelte Wert kann zur Grundstücksbewertung herangezogen werden.

Man muss darauf achten, dass die Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria nur dann verwendet werden dürfen, wenn deren Vorgaben mit den Eigenschaften des Grundstücks übereinstimmen, das bewertet werden soll.

3. Durch ein Schätzgutachten

Stellt ein allgemein beeideter, gerichtlich zertifizierter Immobililiensachverständiger ein Schätzgutachten aus, gilt für dieses die Vermutung der Richtigkeit.

Meldepflicht von Erbschaften und Schenkungen

Auch nachdem die Erbschaftssteuer abgeschafft wurde, muss man Erbschaften und Schenkungen beim Finanzamt melden. Bei einer Schenkung von nahen Verwandten oder Lebenspartnern über 50.000 Euro, ist man verpflichtet, dies bekannt zu geben. Bei Schenkungen von fremden Personen liegt die Meldegrenze bereits bei 15.000 Euro innerhalb von fünf Jahren.

Versäumt man die Meldung einer Schenkung, muss man mit Bußgeldern von 10% des Schenkungswertes rechnen.

Um Vermögensverschiebungen nachvollziehen zu können, müssen auch folgende Schenkungen gemeldet werden:

  • Sparbücher, Anleihen
  • Bargeld
  • Gesellschaftsanteile
  • Betriebe und Teilbetriebe mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft
  • Materielles und immaterielles Vermögen wie z.B. Schmuck, Wohnrechte, Fahrzeuge

Erben einer Immobilie

Wird ein Haus, das selbst bewohnt wurde, von dem Ehe- oder Lebenspartner geerbt, fällt für den Verbliebenden Grunderwerbsteuer an. Dieser Steuersatz ist abhängig vom Wert des Grundstücks:

Grundstückswert bis 250.000 — 0,5%
Grundstückswert zwischen 250.000 und 400.000—2%
Grundstückswert über 400.000— 3,5%

Es darf von jedem Verstorbenen nur ein Gebäude zum eigenen Bedarf geerbt werden.
Wird eine Wohnfläche von 200m2 nicht überschritten, besitzen Kinder das Anrecht auf ein steuerbefreites Erbe.
Ist das Gebäude größer, wird der Gesamtwert der Immobilie ermittelt und die Steuer entsprechend der überschüssigen Wohnfläche berechnet.
Steuerbefreit sind Immobilien jedoch nur, wenn sie nach dem Tod noch mindestens zehn Jahre vom Erben bewohnt werden.

Liegt kein zwingender Grund vor, wird im Falle eines Umzugs eine Steuernachzahlung gefordert.

Erbschaft/Schenkung eines Unternehmens

Handelt es sich bei einem Erbe um betriebliches Vermögen, muss auch dafür eine Erbschaftssteuer an das Finanzamt abgegeben werden. Diese Besteuerung kann leicht zu finanziellen Problemen für diesen Betrieb führen, da auf das betriebliche Vermögen zugegriffen werden kann. Im schlimmsten Fall ist der Verlust von Arbeitsplätzen oder sogar eine Insolvenz die Folge.

Bei Erben von Betriebsvermögen und Begleichung der Steuerschuld gelten aus diesen Gründen bestimmte Sonderregelungen, Voraussetzung ist, der Erbe führt den Betrieb fort. Wird der Betrieb nach dem Tod des Eigentümers verkauft, kommen die Regelungen für Privatvermögen zum Tragen.

Erbschaftssteuer bei Betriebsfortführung

Sinkt die ausbezahlte Summe an Löhnen und Gehältern nicht in übermäßigem Ausmaß, wird von einer Fortführung des Betriebes ausgegangen.

Hierzu wird der Durchschnitt aus den jährlichen Lohnzahlungen der letzten fünf Jahre vor dem Tod des Verstorbenen gebildet. In den folgenden fünf Jahren sollen die Lohnzahlungen in Summe mindestens 400% des vorhergegangenen Betrags betragen (vor dem Todesfall).
Anders ausgedrückt bedeutet das, dass die Löhne nur so weit sinken dürfen, dass die gezahlte Lohnsumme in den folgenden fünf Jahren noch immer das Vierfache des Jahresdurchschnittes vor dem Erbe ausmachen muss. Werden

Mitarbeiter entlassen, kann die verringerte Lohnsumme durch Lohnerhöhungen ausgeglichen werden.

Bei Einhaltung dieser Regelung sind 85% des betrieblichen Vermögens von der Erbschaftssteuer ausgenommen. Das steuerlich erfassbare Vermögen steigt anteilig an, sollte die 400%- Grenze unterschritten werden.
Ist eine langfristige Weiterführung des Betriebs gewünscht, kann eine 7-jährige Behaltefrist beantragt werden. In diesem Fall können 100% des Vermögens geschützt werden, wenn die Lohnsumme während des Zeitraums unverändert bleibt.

Steuerbefreier Abzugsbetrag von 150.000 Euro

Als kleineres Unternehmen ist man von den Steuern befreit. Neben einem Verschonungsabschlag gibt es den „gleitenden“ Abzugsbetrag von 150.000 Euro. Bei wertvollem Betriebsvermögen wird dieser abgetragen.
Ist der Nachlassempfänger einverstanden mit der fünfjährigen Behaltefrist, gilt für die steuerbaren Teile (15% des Vermögens) dieser Abzugsbetrag.

Beläuft sich der 15%-ige Teil des Vermögens auf weniger als 150.000 Euro, kann der Abzugsbetrag über 150.000 Euro geltend gemacht werden. Demnach bleibt das gesamte Erbe steuerfrei. Ist das Betriebsvermögen höher, sinkt auch der Freibetrag. Die Hälfte der Summe, die den Freibetrag überschreitet, muss von diesem abzogen werden.

Handelt es sich um ein Betriebsvermögen, von dem 15% einen Wert von 200.000 Euro sind, sinkt der Freibetrag also um den Pflichtteil von 25.000 Euro.
200.000-150.000=50.000
50.000:2= 25.000

75.000 Euro müssen versteuert werden.

Ab 450.000 Euro kann man keinen Freibetrag vom Betriebsvermögen abziehen, da sonst der Abzugsbetrag auf null sinkt. Folge dieser Regelung ist, dass das gesamte betriebliche Vermögen von der Steuer ausgenommen ist, wenn es einen Gesamtwert von einer Million Euro nicht überschreitet. Erreicht das Bruttobetriebsvermögen den Wert von drei Millionen Euro, kann kein Abzug mehr geltend gemacht werden. Abgesehen davon, ist es binnen 10 Jahren nur einmal möglich, den Abzugsbetrag in Anspruch zu nehmen.

Fünf Jahre Behaltefrist

Die genannten Regeln setzen voraus, dass der Erbe das Betriebsvermögen innerhalb der ersten 5 Jahre nach Erbantritt nicht veräußert.
Es dürfen während dieses Zeitraums keine Gewinnentnahmen ins private Vermögen einfließen- solange dabei 150.000 Euro nicht übertroffen werden.
Besonders interessant is das für Erben von Anteilen oder von der Gesamtheit von Kapitalgesellschaften.


Um im Erbfall nicht die Übersicht zu verlieren oder wenn es darum geht, wichtige Finanzen zu verwalten, ist es ratsam, sich für Informationen und rechtliche Unterstützung einen Erbrechtsanwalt heranzuziehen.

Christina Weiß

Christina Weiß

Als ausgebildete Marktkommunikatorin befasst sich Christina seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von optimalen Inhalten. Im Besonderen spezialisierte sie sich dabei auf das Texten von Finanz- und Rechtstexten, bei welchen ihr das wirtschaftliche Interesse, eine schnelle Auffassungsgabe und ihre klar strukturierte Arbeitsweise zugute kommen.

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Der Artikel wurde sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte und weiterführenden Links übernommen werden.

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