Arbeitnehmerveranlagung

 

Das Wichtigste in Kürze
  • Jeder Arbeitnehmer, der einer nicht selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgeht, hat den Anspruch auf einen jährlichen Steuerausgleich. In dieser wird die Steuer auf das Einkommen, das man auf im laufenden Kalenderjahr bezahlt hat, neu berechnet.
  • Eine Steuererklärung kann in Form von Formularen oder per Internet eingereicht werden.
  • Hat man sich bisher noch nicht mit diesem Thema befasst, kann man seinen Steuerausgleich für die letzten fünf Jahre nachreichen.

Arbeitnehmerveranlagung ist der Fachbegriff für den umgangssprachlich bekannten Steuerausgleich oder Jahresausgleich. In dieser wird die Einkommensteuer, die man im laufenden Kalenderjahr bezahlt hat, neu berechnet. Seit Juli 2017 wird in Österreich die Antragslose Arbeitnehmerveranlagung unter bestimmten Voraussetzungen automatisch durchgeführt.

Die Veranlagung erfolgt entweder freiwillig (Antragsveranlagung) oder zwingend (Pflichtveranlagung).

Information am Rande: Die Republik Österreich nimmt 42,9 Milliarden Euro an Einkommensteuern ein, das sind rund 12,1% des BIP. Der Anteil der Lohnsteuer ist dabei mit 25,4 Milliarden Euro etwa ein Sechstel der Gesamteinnahmen des Staates aus Ausgaben.

Pflichtveranlagung

Beträgt das Gesamteinkommen pro Jahr mehr als 12.000 Euro, ist es unter bestimmten anderen Voraussetzungen verpflichtend eine Steuererklärung abzugeben.

Dies ist der Fall wenn z.B.:

  • andere Einkünfte die Pflichtveranlagungsgrenze von 730 Euro überschreiten
  • man im Kalenderjahr zumindest zwei oder mehr steuerpflichtige Einkünfte gleichzeitig begonnen hat
  • der Alleinverdienerabsetzbetrag zu Unrecht berücksichtigt wurde
  • man seiner Meldepflicht über Verhältnisänderungen der Pendlerpauschale oder des Kinderbetreuungszuschusses nicht nachgekommen ist
  • bei einem Zufluss von bestimmten Bezügen wie z.B. Rehabilitationsgeld, Dienstleistungsscheck, Insolvenz-Entgelt-Fonds
  • ein Freibetragsbescheid bei der Verrechnung des Lohns berücksichtigt worden ist

Antragsveranlagung

Ist ein Steuerausgleich nicht verpflichtend, kann sie jederzeit beantragt werden. Dafür ist kein besonderer Grund erforderlich, es gilt die Abgabe der Lohnsteuererklärung.

Diesen Antrag kann man bis zu 5 Jahre im Nachhinein stellen (man kann also 2021 einen Antrag für das Jahr 2016 stellen).
Werbekosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen können steuermindernd gelten.
Die Arbeitnehmerveranlagung sollte man entweder persönlich beim zuständigen Finanzamt abgeben, oder diese per per Post oder über “FinanzOnline” im Internet übermittelt werden.

Antragslose Arbeitnehmerveranlagung

Es handelt sich dabei um eine automatisch durchgeführte Steuerveranlagung, die ohne Abgabe einer Steuererklärung erledigt wird. Sie wird eingesetzt, wenn lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen wurden und die vorhandenen Daten (speziell die von Lohnzetteln) eine Steuergutschrift bilden.

Voraussetzungen für eine Antragslose Arbeitnehmerveranlagung

  • Es liegen keine “Pflichtveranlagungsgründe” vor
  • Es ist bis zum 30. Juni kein Antrag für eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt eingelangt
  • Es ergibt sich bei der Berechnung des Finanzamts eine Gutschrift
  • Die Aktenlage belegt, dass nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezogen wurden
  • In den letzten Jahren wurden keine Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen oder dergleichen geltend gemacht

Es besteht auch die Möglichkeit, eine virtuelle Papiererklärung abzugeben, welche mit dem normalen Papierformular übereinstimmt. Die Werte aus dem Vorjahr werden gleichzeitig in die aktuelle Erklärung eingefügt und dort angezeigt.

Mittlerweile ist es auch ein FinanzOnline– Einstieg mit dem Handy möglich. Dafür benötigt man eine Handysignatur, die man FinanzOnline oder der Bürgerkarte aktiviert. Das Service über das Handy wird ständig erweitert, darum ist es empfehlenswert die Mobiltelefonnummer im Profil zu ergänzen. Sollte man seine Zugangsdaten vergessen haben, erhält man diese direkt auf das Handy.

Wer kann eine Arbeitnehmerveranlagung durchführen?

Jeder Arbeitnehmer, der im laufenden Kalenderjahr Einkünfte aus einer unselbstständigen Tätigkeit erhalten hat, kann eine Arbeitnehmerveranlagung machen. Hat man zum Beispiel unter dem Jahr den Job gewechselt oder hat sich die Höhe des Einkommens geändert, ist es sehr wahrscheinlich, dass man ein Anrecht auf eine Steuergutschrift hat.

Wann kann ich die Arbeitnehmerveranlagung machen?

Arbeitgeber sind verpflichtet den Jahreslohnzettel bis Februar des aktuellen Jahres für das vorhergegangene Kalenderjahr beim Finanzamt einzureichen. Ab diesem Zeitpunkt ist es möglich eine Arbeitnehmerveranlagung durchzuführen. Arbeitnehmer können den Steuerausgleich für maximal fünf Jahre rückwirkend beim zuständigen Finanzamt oder online  einreichen.

Rechnungen und Belege für die angeführten Ausgaben müssen 7 Jahre lang aufbewahrt werden. In diesem Zeitraum kann das Finanzamt nachträglich eine Steuerprüfung veranlassen und eine Rückforderung der Gutschriften stellen sofern nicht alle Aufwendungen belegbar sind.

Sonderausgaben bei der Arbeitnehmerveranlagung

Bestimmte private Ausgaben sind durch das Einkommensteuergesetz steuerlich begünstigt. Sind diese Ausgaben auch Werbungskosten oder Ausgaben des Betriebs, sind sie als solche abzugsfähig. Sonderausgaben sind zum Teil in unbeschränkter Höhe, zum Teil in begrenztem Umfang abziehbar.

Wenn ein Vertrag vor dem 1. Jänner 2016 abgeschlossen wurde:

  • Versicherungsprämien von freiwilligen Personenversicherungen – im Bereich des gemeinsamen Höchstbetrages
  • Beiträge an Pflegeversicherungen, wenn sie ab Eintritt einer Pflegebedürftigkeit die Form einer Krankenversicherung oder einer Rentenversicherung haben – im Bereich des gemeinsamen Höchstbetrages
  • Zahlungen an Pensionskassen – innerhalb des gemeinsamen Höchstbetrages
  • Kosten für Schaffung und Sanierung des Wohnraums – im Bereich des gemeinsamen Höchstbetrages

Unabhängig vom Datum des Vertragsabschlusses:

  • Bestimmte Renten (vor allem Leibrenten) und dauerhafte Lasten – in unbeschränkter Höhe
  • Freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung
    Kirchenbeiträge bis zu 400 Euro
  • Kosten der Steuerberatung und Kosten für selbstständige Bilanzbuchhalter und Personalverrechner – in unbeschränkter Höhe
  • Spenden für Umwelt-, Natur- und Artenschutz
  • Spenden an behördlich genehmigte Tierheime
  • Spenden an Lehr- und Forschungsinstitutionen
  • Spenden an humanitäre Einrichtungen
  • Spenden an freiwillige Feuerwehren

Spenden sind nur dann abzugsfähig, wenn sie 10% des Gesamtbetrages der Einkünfte nicht überschreiten.



Seit 2017 ist es nicht mehr erforderlich, Sonderausgaben (wie z.B. Beiträge an die Kirchengemeinschaft) selbst in die Steuererklärung aufzunehmen, da sie durch die Einrichtung unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen direkt an das Finanzamt abgegeben werden.
Man muss der Organisation, die die Zuwendung empfängt darum dringend Informationen wie den korrekten Vor-und Zunamen bekannt geben.

Werbungskosten

Unter Werbungskosten werden beruflich veranlasste Aufwendungen und Ausgaben verstanden, die objektiv in Beziehung mit einer nichtselbständigen Tätigkeit stehen und zur Erwerbung und Sicherung des Erhalts der Einnahmen geleistet werden. Bestimmte Kosten, wie Pflichtversicherungsbeträge oder Wohnbauförderungsbeiträge werden automatisch beim Abzug der Lohnsteuer vom Arbeitgeber berücksichtigt.

So wird zum Beispiel das Serviceentgelt für die E-Card als Pflichtbetrag automatisch bei der Lohnverrechnung mit einbezogen. Die Einkommenssteuer wird von steuerwirksamen Werbungskosten in Höhe des jeweiligen Grenzsteuersatzes reduziert.

Was ist bei Werbungskosten grundsätzlich zu beachten?

Werbungskosten müssen grundsätzlich durch entsprechende Nachweise (wie z.B Rechnungen oder Fahrtenbücher) belegt werden. Wenn ein Nachweis dieser Art nicht möglich ist, entscheidet die Glaubhaftmachung.

Was sind Werbungskostenpauschale?

Jährlich steht jedem aktiven Arbeitnehmer eine Werbungskostenpauschale in der Höhe von 132 Euro zu. Diese sind schon in den Lohnsteuertabellen integriert und wird unabhängig von möglichen Werbungskosten, von der Lohnsteuerbemessungsgrundlage abgezogen.

Häufig anfallende Werbungskosten wirken sich also nur steuermindernd aus, wenn sie mehr als 132 Euro im Jahr betragen:

  • Arbeitskleidung
  • Werkzeuge und Arbeitsmittel
  • Arbeitsraum
  • Aus- und Fortbildungen oder Umschulungen
  • Computer
  • Reisekosten
  • Telefon, Handy
  • Doppelte Haushaltsführung und Familienheimfahrten
  • Fachliteratur
  • Fahrrad
  • Fahrtkosten
  • Internet
  • Studienreisen
  • Fahrzeug
  • Sprachkurse

Man sollte seiner Erklärung keine Belege beilegen, aber auf jeden Fall sieben Jahre aufbewahren, da man sie dem Finanzamt bei Nachfrage vorlegen muss.

Außergewöhnliche Belastungen

Hier handelt es sich um Aufwendungen, die außergewöhnlich sind, und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen.

Außergewöhnlich und zwangsläufig

Bei diesen Aufwendungen ist die Belastung höher als bei der Mehrzahl aller Steuerpflichtigen mit den selben Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Kann sich der Steuerpflichtige aus rechtlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen, erwächst der Aufwand zwangsläufig.

Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit

Wird der individuelle Selbstbehalt überschritten, beeinträchtigt ein Aufwand die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Die Höhe des Selbstbehalts ist abhängig von der Einstufung der Einkommens- Familienverhältnissen abgestuft. Dabei wird ein bestimmter Prozentsatz grundsätzlich auf das Einkommen angewendet. Bei Behinderungen und anderen bestimmten außergewöhnlichen Belastungen muss man keinen Selbstbehalt berücksichtigen.

Tipps und Tricks für den nächsten Steuerausgleich

Einfach machen- auch wenn man keine Ahnung hat.

In den meisten Fällen lohnt sich eine Arbeitnehmerveranlagung. Sie kann bis zu fünf Jahre rückwirkend eingereicht werden. Selbst wenn man also nur 200 Euro pro Jahr bekommen sollte, das sind auch gleich mal tausend Euro!

Durch Hilfestellungen und benutzerfreundlicher Führung durch die Veranlagung wird einem vieles vereinfacht und auch erklärt. So kann wirklich jeder seine Arbeitnehmerveranlagung einreichen. Sollten trotzdem Fragen aufkommen oder man weitere Informationen brauchen, wird Ihnen persönlich im zuständigen Finanzamt oder per Kundenservice geholfen.

Papier- oder Onlineformular

Man benötigt für seine Arbeitnehmerveranlagung nur das Formular “L1”, das man auf der Website des BMF in Papierform bestellen kann.
Wenn man seine Erklärung lieber online erledigen möchte, muss man sich einen Zugang für FinanzOnline besorgen. Der Vorteil dabei ist, dass einem hier das Guthaben oder mögliche Nachzahlung direkt angezeigt werden.

Man erledigt es trotzdem nicht? Auch nicht so schlimm.

Seit 2018 führt das Finanzamt automatische Arbeitnehmerveranlagungen durch . Das bedeutet, man bekommt einen Brief zugeschickt, in dem einem seine Gutschrift mitgeteilt wird. Man kann sich darüber freuen- oder seinen Schweinehund überwinden und versuchen noch mehr für sich herauszuholen. Es kann sich für jeden lohnen.

Hatte man im Vorjahr nur ein Dienstverhältnis oder hat man auf das Jahr verteilt ungleiches Einkommen da man nur teilweise gearbeitet hat, profitiert man am meisten von einer Steuererklärung.
Im Grunde lohnt sich aber für jeden, da selbst Pensionisten, Ferialarbeiter oder Menschen, die teilweise arbeitssuchend waren, etwas herausholen können.

Unbedingt Belege sammeln.

Alles was man absetzen möchte, muss man auch glaubhaft machen- bzw. belegen können. Darum sind Rechnungen, Bankauszüge oder Fahrtenbücher unbedingt und immer sieben Jahre aufzubewahren, da das Finanzamt jederzeit danach fragen könnte.

Ein Kreuz an der richtigen Stelle.

Bei den meisten Arbeitnehmerveranlagungen bringt es schon etwas, wenn man nur die richtigen Kästchen ankreuzt. Es gibt z.B. den Kinderfreibetrag, Alleinverdienerabsetzbetrag oder den Pensionistenabsetzbetrag.

Jedem Alleinerzieher steht ein Absetzbetrag von 364 Euro jährlich zu. Dieser Betrag wird entweder Alleinerzieherabsetzbetrag oder Alleinverdienerabsetzbetrag genannt.

Beim Pendeln kann man Geld sparen.

Bei mehr als 20km Fahrtweg zur Arbeit und abhängig von der Zumutbarkeit einer Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, hat man Anspruch auf Pendlerpauschale. Dazu gibt es schon eigene Pendlerrechner, mit denen man sich seinen eigenen Anspruch ausrechnen kann.

Man kann sich auch helfen lassen.

Eine Arbeitnehmerveranlagung kann kompliziert sein und Zeit kosten.
Um nicht den Überblick zu verlieren oder ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, sollte man sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für grundsätzliche Informationen zu Steuern und der Steuererklärung kann man zum Beispiel bei der Arbeiterkammer nachfragen, für komplexeres sollte man den Kontakt zu einem Steuerberater suchen. Hierbei muss man sich auch nicht vor den Kosten fürchten, da der erste Beratungstermin bei einem Steuerberater meist kostenlos angeboten wird.

Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.

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Der Artikel wurde sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte und weiterführenden Links übernommen werden.

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