Wohnbaukonto

Das Wohnbaukonto wird vorwiegend in Österreich im Zuge einer Baufinanzierung eingesetzt. Die Haupteigenschaft eines Wohnbaukontos besteht darin, als Zahlungskonto zu dienen. Über das Wohnbaukonto werden verschiedene Zahlungen abgewickelt, die im Zusammenhang mit dem Bau eines Hauses sowie der Baufinanzierung stehen. Dazu gehört auch, dass die zugesagte Kreditsumme auf dem Wohnbaukonto bereitgestellt wird.

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Welche Eigenschaften zeichnen das Wohnbaukonto aus?

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Zunächst einmal wird das Wohnbaukonto genutzt, um verschiedene Zahlungen im Rahmen der Immobilienfinanzierung zu verbuchen. Oftmals gibt es im späteren Verlauf die Möglichkeit, den auf dem Wohnbaukonto verbuchten Kontosaldo in einen Hypothekarkredit umzuwandeln (siehe auch (https://imfin.at/wohnbaukonto/). Von der Struktur her ist das Wohnbaukonto durchaus mit einem Rahmenkredit zu vergleichen, wobei das spezielle Baukonto allerdings fast ausschließlich im Zusammenhang mit einer Immobilienfinanzierung eingesetzt wird. Die Kreditsumme, die durch die Aufnahme eines Hypothekarkredites ausgezahlt wird, wird in den weitaus meisten Fällen direkt auf dem Wohnbaukonto verbucht. Das so entstandene Guthaben kann vom Kreditnehmer jederzeit abgerufen werden, es kann aber auch über Jahre hinweg auf dem Wohnbaukonto verbleiben. Eine weitere wichtige Eigenschaft besteht beim Wohnbaukonto darin, dass Kreditzinsen nur für den Betrag berechnet werden, der vom Kontoinhaber tatsächlich in Anspruch genommen wird.

Kosten des Wohnbaukontos

Zur Einrichtung eines Wohnbaukontos wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr sowie eine Besicherungspauschale fällig. Auch die Kosten der Bewertung (rund 60 Euro) durch die Bank trägt der Kreditwerber. Laufende Kosten verursachen neben den Zinsen die Kontoführungsgebühr und die Kreditbereitstellungsgebühr. Manche Banken verrechnen des Weiteren eine Rahmenprovision.

Tipp: Die Bearbeitungsgebühr beträgt in der Regel um die 0,5% des zur Verfügung gestellten Betrags und ist verhandlungsfähig.

Darüber hinaus können folgende Kosten individuell anfallen:

Grundbuch Eingabegebühr

Die Gebühr für die Eingabe Ihrer Daten ins Grundbuch wird beim Kauf einer Liegenschaft fällig.

Grundbuch Eintragungsgebühr

Dasselbe gilt für die Eintragung im Grundbuch (Verbücherung), für welche eine weitere Gebühr fällig wird.

Kreditschuldversicherung

Die Kreditschuldversicherung sichert Hinterbliebene bzw. die Bank im Ablebensfall ab. Mehr zum Thema erfahren Sie hier.

Löschungserklärung / Löschungsquittung

Die Löschungserklärung bzw. Löschungsquittung ist eine Einverständniserklärung zur Löschung des Pfandrechts im Grundbuch.

Versicherung Abtretungsgebühr

Mit der Abtretung der Versicherung (Zession) übergeben Sie alle Vertragsrechte der Kreditschuldversicherung an die Bank.

Pfandurkunde

Mit der Pfandurkunde bestätigen Sie als Besitzer der Liegenschaft, dass die Bank ermächtigt ist, das Pfandrecht ins Grundbuch eintragen zu lassen.

Mahngebühr / Verzugszinsen

Die Mahngebühren werden gemeinsam mit Verzugszinsen eingehoben, wenn der Kredit nicht nach den vertraglich vereinbarten Bedingungen zurückgezahlt wird.

Notarkosten / Sachverständigengutachten

Die Kosten für Notar und Sachverständiger dürfen nicht in den Effektivzinssatz eingerechnet werden!

Vertragsänderungen bei laufendem Wohnbaukonto

Die auf Ihren Wunsch hin getätigte vertragliche Änderungen stellt die Bank in Rechnung.

Diese Sicherheiten werden vor Abschluss eines Wohnbaukontos abgefragt

  • Abtretung von Versicherungen
  • Bürgschaften
  • Deckungswechsel und Widmungserklärung
  • Grundbücherliche Besicherung
  • Lohn- und Gehaltsverpfändungen
  • Andere Sicherheiten

Nehmen Sie zu einem Gespräch folgende Unterlagen mit:

  • Amtlicher Lichtbildausweis
  • Dokumente zu weiteren Sicherheiten (Liegenschaften, Wohnungen, …)
  • Einkommenssteuerbescheid und Bilanz bei Selbständigen
  • Fotos der Liegenschaft
  • Grundbuchauszug
  • Lohn- / Gehaltsbestätigung der vergangenen 3 Monate
  • Plan der Liegenschaft
  • Schätzgutachten

Die Risiken eines Wohnbaukontos

Auch, wenn es sich bei einem Wohnbaukonto in der Regel um ein sehr sicheres Finanzprodukt handelt, können bestimmte Ausnahmefälle zu schwerwiegenden Problemen führen. Dazu gehören folgende:

  • Fälligstellung des Kredits
  • Mahnkosten
  • Verzugszinsen
  • Zwangsvollstreckungsmaßnahmen

Tipp: Lesen Sie sich noch vor Unterzeichnung die Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Vertragsformblätter durch. In der Regel finden Sie hier alle Informationen zur Fälligstellung des Kredits. Grundsätzlich sollte sich darin der Passus befinden, dass die Bank nicht befugt ist, den Kredit bzw. das Wohnbaukonto nach freiem Belieben fälligzustellen. In Härtefällen, wie sie beispielsweise die Androhung auf vorzeitiges Fälligstellen bei Nichtunterzeichnung neu festgesetzter Konditionen darstellt, greifen übrigens die Konsumentenschutzgesetze.

Die Laufzeit des Wohnbaukontos

Die Laufzeit eines Wohnbaukontos kann individuell fixiert werden und beträgt zwischen ein bis drei Jahre. Spätestens am Ende der vereinbarten Laufzeit wird die Rückzahlung fällig. Manche Banken bieten Pakete mit bereits vorfixierten Laufzeiten an.

Welche Vorteile zeichnen das Wohnbaukonto aus?

Dass das Wohnbaukonto in Österreich oftmals im Zusammenhang mit einer Baufinanzierung eingesetzt wird, ist nicht zuletzt auf die diversen Vorteilen dieses speziellen Baukontos zurückzuführen. Zu den wichtigsten Vorteilen gehören:

  • relativ geringe Kosten
  • große Flexibilität
  • individuelle Handhabung
  • Zinsen werden nur vom beanspruchten Betrag berechnet

Dass das Wohnbaukonto relativ kostengünstig ist, ist sicherlich ein Hauptvorteil und führt dazu, dass sich zahlreiche Kreditsuchende bei der Immobilienfinanzierung für ein Wohnbaukonto entscheiden, anstatt einer oft teureren Zwischenfinanzierung. Die geringen Kosten kommen dadurch zustande, dass zum einen meistens nur niedrige Kontoführungsgebühren anfallen. Zum anderen sind auch die zu zahlenden Sollzinsen günstig und es werden Zinsen nur von dem beanspruchten Betrag berechnet. Aufgrund der Tatsache, dass die auf dem Konto vorhanden Beträge jederzeit abgerufen werden können, aber nicht beansprucht werden müssen, ist das Wohnbaukonto zudem äußerst flexibel und die Nutzungsmöglichkeit ist insgesamt individuell zu vereinbaren.

Welche Nachteile ist sind mit dem Wohnbaukonto verbunden?

Im Vergleich zu den vorgenannten Vorteilen gibt es nur wenige Nachteile, die im Zusammenhang mit dem Wohnbaukonto zu beachten sind. So ist das spezielle Baukonto in aller Regel nicht für besonders große Beträge geeignet. Stattdessen wird das Wohnbaukonto mit Abstand am meisten genutzt, um Einzelbeträge nach und nach – oftmals je nach Bauphase – abzurufen.

Für welche Zwecke kann es genutzt werden?

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Grundsätzlich gibt es mehrere Zwecke, für die das Wohnbaukonto genutzt werden kann, nämlich:

  • Finanzierung eines Wohnungskaufs
  • Finanzierung eines Hausbaus
  • Zwischenfinanzierung eines Bauspardarlehens
  • Zwischenfinanzierung der Wohnbauförderung
  • Zwischenfinanzierung bei anstehendem Verkauf einer Immobilie
  • Zwischenfinanzierung Hauskauf

Das Wohnbaukonto ist demnach sowohl zur ersten Finanzierung als auch zur Zwischenfinanzierung im Bereich der Baufinanzierung geeignet.

Wer kann es nutzen?

Im Grunde können alle Darlehensnehmer ein Wohnbaukonto nutzen, bei denen einer Baufinanzierung ansteht oder die bereits eine Immobilienfinanzierung durchführen. Dabei zeigt das Wohnbaukonto seine Stärken insbesondere während der Bauphase, da die benötigten Beträge nach und nach abgerufen werden können. Nicht besonders geeignet ist das Wohnbaukonto hingegen unter der Voraussetzung, dass ein Haus oder eine Eigentumswohnung gekauft werden und der fällige Kaufpreis sofort in einer Summe gezahlt wird.

Fazit:

Das Wohnbaukonto ist für viele Kreditnehmer in Österreich ein wichtiger Bestandteil der Baufinanzierung. Es dient meistens dem Abruf von Beträgen, die während der Bauphase benötigt werden. Es handelt sich um ein günstiges Konto, welches mit einer großen Flexibilität ausgestattet ist. Die Vorteile des Wohnbaukontos überwiegen deutlich, zumal es nur ganz wenige Nachteile gibt.

Weitere Informationen:

http://www.finanziert.at/wohnbaukonto/

Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.