Kreditzinsen berechnen

Die monatliche Rate eines Kredits setzt sich (bis auf wenige Ausnahmen) immer aus Tilgung, also Kreditrückzahlung, und Zinsen zusammen. Den aktuellen Anteil der Zinsen kann man zu jedem Zeitpunkt selbst sehr leicht errechnen. Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, wie das geht, welche Art von Zinsen es gibt und wie sich fixe und variable Kredite unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der „Zinssatz“ ist ein Prozentsatz, während die „Zinsen“ für einen Euro-Betrag stehen, der sich aus dem Zinssatz und dem Kreditbetrag errechnet.
  • Die aktuellen Zinsen lassen sich mit der Formel (offener Restbetrag x aktueller Zinssatz) / (100 x 12) berechnen
  • Der Tilgungsanteil im aktuellen Monat ist Monatsrate minus Zinsen
  • Die Gesamte Zinsbelastung über die Laufzeit lässt sich nur für Fixzinskredit genau berechnen, indem man die im Tilgungsplan ausgewiesenen Zinsen summiert.
  • Der Sollzinssatz setzt sich immer wie folgt zusammen: Referenzzinssatz + Bankenaufschlag
  • Der Effektivzinssatz inkludiert zusätzlich die Kreditnebenkosten: Sollzinssatz + Kreditnebenkosten = Effektivzinssatz

Unterscheidung Zinsen und Zinssatz

Um die entsprechenden Zinsrechnungen durchführen zu können, muss man erst einmal zwischen den beiden Größen Zinsen und Zinssatz unterscheiden können. Umgangssprachlich werden diese beiden Begriffe oft wie Synonyme behandelt.

  • Zinssatz: Ist ein Prozentsatz (vorab vereinbart)
  • Zinsen: Ist ein Euro-Betrag, der sich aus dem Zinssatz und der Referenzgröße errechnet. Die Referenzgröße ist der (noch offene) Kreditbetrag.

Zinsen berechnen bei einem Annuitätenkredit

Der Annuitätenkredit ist die gängigste Form der Kreditrückzahlung. Dabei einigen sich Bank und Kreditnehmer auf eine fixe monatliche Rate, die sich aus Tilgung und Zinsen zusammensetzt.

Da sich die Zinsen immer aus dem noch offenen Restbetrag errechnen, werden mit der Laufzeit die Zinsen immer weniger, während der Tilgungsanteil zunimmt. Wenn wir von „fixer monatlicher“ Rate sprechen, so ist die nur wirklich fix, wenn es sich um einen Fixzinskredit handelt oder wenn der 3-Monats-Euribor konstant bleibt. Ansonsten kann es natürlich zu Schwankungen kommen – auch eine Neuberechnung der Laufzeit ist in manchen Fällen nötig.

Aber unabhängig von Zinsschwankungen können Sie jederzeit Ihre aktuellen Zinsen mit einer ganz einfachen Formel berechnen:
Aktuelle Zinsen = (offener Restbetrag x aktueller Zinssatz) / (100 x 12)

Rechenbeispiel

Familie Ulz hat einen Kredit mit einem offenen Restbetrag von € 186.000,-. Ihr Fixzinssatz liegt bei 1,2%. Die Berechnung der Zinsen lautet also:
(186.000 x 1,2) / (100 x 12) = € 176

Tilgungsanteil berechnen beim Annuitätenkredit

Obige Rechnung kann man direkt weiterführen und aus diesen Zahlen und der aktuellen Kreditrate den Tilgungsanteil errechnen.

Familie Ulz zahlt Monat für Monat € 541,- für Ihren Wohnkredit.

Die Rechnung lautet:
Tilgung = Monatliche Rate – aktuelle Zinsen
€ 541 – € 176 = € 365,-
Familie Ulz zahlt daher im aktuellen Monat € 365,- vom Kreditbetrag zurück.

Gesamte Zinsen berechnen

Wie hoch die gesamten Zinsen sind, die Sie zu bezahlen haben, können Sie am leichtesten aus Ihrem Tilgungsplan herausrechnen, indem Sie die monatlichen Zinsen, die darin gelistet sind, summieren. Aber Achtung: Bei variablen Zinsen geht dies natürlich nicht so leicht, da sich der Zinssatz mit dem 3-Monats-Euribor verändert und sich somit weder die Zinsen noch die genaue monatliche Rate vorhersagen lassen. Auch Fixzinskredite kommen nach einiger Zeit häufig in eine variable Periode. Dann gilt für diese Kredite dasselbe.

Fixzins oder variabler Zins

Prinzipiell gilt für beide Varianten die oben genannte Formel, um die aktuelle Zinsbelastung zu berechnen. Dazu müssen Sie eben die Restschuld und den Zinssatz kennen. Beim Fixzinskredit bleibt der konstant, beim variablen Kredit müssten Sie diesen anfragen oder selbst errechnen.

Für beide gilt folgendes:
Zinssatz = Referenzzinssatz + Bankenaufschlag

Beim Fixzinskredit erhalten Sie meist einen Zinssatz, der sich zwar auch aus diesen beiden Komponenten zusammensetzt, jedoch nicht so direkt ausformuliert wie beim variablen Kredit. Beim variablen Kredit ist die Aufschlüsselung deshalb notwendig, weil sich der Bankenaufschlag konstant verhält, der Referenzzinssatz jedoch der 3-Monats-Euribor ist und daher Schwankungen unterliegt.

Rechenbeispiel
Familie Muster hat einen variablen Kredit mit der Bank vereinbart, der sich so liest:
3-Mo 0,9% + 0,02% = 0,92%
Ihre offene Restschuld beträgt € 232.000,-. Wenn die Familie Muster wissen möchte, wie viele Zinsen sie im aktuellen Monat zahlen, so kann wieder die oben genannte Formel herangezogen werden.
(232.000 x 0,92) / (100 x 12) = € 177,87
Im aktuellen Monat zahlen sie also € 177,87 an Zinsen.

Effektivzinssatz eines Kredits berechnen

Was die Definition von Effektivzins und Effektivzinssatz angeht, verhält es sich genauso wie mit Zinsen und Zinssatz im Allgemeinen: Das eine ist der Euro-Betrag, während das andere der Prozentsatz ist, der dem Betrag zugrunde liegt.

Der Effektivzinssatz ist der aussagekräftigere Wert als der Soll- oder Nominalzinssatz. Die oben angeführte Formel Zinssatz = Referenzzinssatz + Bankenaufschlag inkludiert nur die tatsächliche Zinsbelastung. Es gibt aber noch sogenannte Kreditnebenkosten, die teils einmalig, teils über die gesamte Laufzeit hinweg anfallen. Dazu zählen Kontoführungsgebühren, Bearbeitungsgebühren, Eintragung ins Grundbuch, Schätzung der Immobilie und so weiter. Die Summe all dieser Nebenkosten wird auf die gesamte Laufzeit aufgeteilt und ebenfalls in einem Prozentsatz dargestellt. Dieser wird zum Sollzinssatz dazugezählt – so erhält man den Effektivzinssatz.

Effektivzinssatz = Sollzinssatz + Kreditnebenkosten

Den Effektivzinssatz selbst zu berechnen, ist jedoch sehr schwierig, weil man die einzelnen Bankgebühren nicht abschätzen kann. Die variieren sehr stark und sind von Bank zu Bank unterschiedlich. Sie hängen auch von der Bonität des Kreditnehmers ab. Seit 2016 sind Banken daher verpflichtet, den Effektivzinssatz anzugeben. Nur dadurch werden Kreditangebote überhaupt vergleichbar.

Zinsen berechnen – so geht’s

Jeder Kreditnehmer kann zu jedem Zeitpunkt seine Kreditzinsen selbst berechnen. Die Formel dazu ist ganz einfach: Zinsen = (offener Restbetrag x aktueller Zinssatz) / (100 x 12). Bei variablen Krediten muss man bedenken, dass sich der Zinssatz jederzeit verändern kann. Er setzt sich aus dem 3-Monats-Euribor und dem Bankenaufschlag (Marge) zusammen. Auch der Fixzinssatz besteht aus Referenzzinssatz und Bankenmarge, allerdings ist hier der Referenzzinssatz konstant, wodurch immer der mit der Bank ausverhandelte Zinssatz zur Berechnung herangezogen werden kann. Der aktuelle Tilgungsanteil = monatliche Rate – Zinsen. Zusätzlich zum Sollzins fallen bei einem Kredit auch noch Nebenkosten an. Diese sind im Effektivzinssatz dargestellt. Es ist schwer möglich, diesen selbst zu berechnen, da die Nebenkosten der Banken immer unterschiedlich und auch von der Bonität des Kreditnehmers abhängig sind. Um Kreditangebote vergleichen zu können, ist der Effektivzinssatz die aussagekräftigste Größe.

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