Kreditvertrag

Das Wichtigste in Kürze
  • Während Kreditverträge zwischen Privatpersonen, beispielsweise innerhalb der Familie, auch mündlich abgeschlossen werden können, muss ein Kreditvertrag zwischen einem Kreditinstitut und einem Verbraucher laut dem Bankwesengesetz zwingend schriftlich erfolgen.
  • Kreditverträge können jedoch seit 2011 gebührenfrei abgeschlossen werden.
  • Bereits vor Vertragsabschluss ist der Kreditgeber dazu verpflichtet, kostenlose Informationen zur Verfügung zu stellen.
    Hierfür gibt es ein verpflichtendes EU- Standardformular (Europäische Standardinformationen für Kredite nach dem Verbraucherkreditgesetz).

Muss ein neues Auto her, ist die Wohnung neu einzurichten oder benötigt man Kapital um sich eine Weiterbildung zu finanzieren – gewisse Situationen im Leben können oftmals nur die Aufnahme eines Kredits gemeistert werden.

Da es sich bei einem Kredit jedoch um eine meist längerfristige finanzielle Verpflichtung handelt, sollte man sich im Vorhinein Gedanken machen und die mit dem Kreditgeber festgelegten Rahmenbedingungen in einem Kreditvertrag festhalten.

Was ist ein Kreditvertrag?

Beim Kreditvertrag handelt es sich um nichts anderes als eine Urkunde, in der die festgelegten Bedingungen zwischen dem Kreditgeber und Kreditnehmer geregelt sind.
Ein Kreditvertrag stellt somit die Rechtsgrundlage eines Kreditgeschäfts dar.

In welcher Form muss der Kreditvertrag abgeschlossen werden?

Kreditvertrag
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Während Kreditverträge zwischen Privatpersonen, zum Beispiel innerhalb der Familie, auch mündlich abgeschlossen werden können, muss ein Kreditvertrag zwischen einem Kreditinstitut und einem Verbraucher laut dem Bankwesengesetz zwingend schriftlich erfolgen.
Es empfiehlt sich jedoch aus Beweisgründen in jedem Fall einen schriftlichen Vertrag abzuschließen, um beide Vertragspartner so gut wie möglich zu schützen.

Informationspflichten vor Vertragsabschluss

Bereits vor Vertragsabschluss ist der Kreditgeber dazu verpflichtet, kostenlose Informationen zur Verfügung zu stellen.
Hierfür gibt es ein verpflichtendes EU- Standardformular (Europäische Standardinformationen für Kredite nach dem Verbraucherkreditgesetz).

Diese Informationen müssen daher (auch in Werbung) angegeben werden:

  • Der Gesamtkreditbetrag
  • Der Sollzinssatz
  • Der effektive Zinssatz
  • Die Laufzeit und
  • Die Gesamtbelastung

Mithilfe dieser vorvertraglichen Informationen können Kreditangebote miteinander verglichen werden.

Das sollten Sie vor Vertragsabschluss beachten

Der Abschluss eines Kredits geht stets mit einer finanziellen Verpflichtung einher, die den Kreditnehmer oftmals mehrere Jahre begleitet. Ein Kredit sollte daher niemals leichtfertig aufgenommen werden. Im Vorfeld gilt es einige Punkte zu berücksichtigen.

Haushaltsplan

Ein Haushaltsplan bildet die solide Basis einer jeden Finanzierung. Durch die Erstellung eines Haushaltsplans, in dem die Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt werden, lässt sich die persönliche, finanzielle Situation realistisch einschätzen. Der Haushaltsplan ist außerdem wichtig, da durch ihn bestimmt werden kann, wie viel Geld monatlich für die Zahlung einer Kreditrate zur Verfügung steht.

Anbietervergleich

Vor jedem Kreditantrag sollten die Angebote mehrerer Anbieter miteinander verglichen werden. Kleine Unterschiede in den Kreditkonditionen können bereits große Auswirkungen auf die Kosten eines Kredits haben.

Prüfung des Kreditvetrags

Bei Erhalt des Kreditvertrags sollte dieser auf die Richtigkeit der Angaben geprüft werden.

Inhalts eines Kreditvertrags

Ein Kreditvertrag beinhaltet neben den allgemeinen Informationen zu den Vertragspartner und der Kreditart auch weitere Details zum Kredit selbst. Wir werden die Bestandteile eines seriösen Kreditvertrags im Folgenden näher betrachten.

Die Kreditart
Die Definition der Kreditart ist entscheidend über den Verwendungszweck und die Verfügbarkeit.

Der Kreditbetrag
Im Kreditvertrag wird der Auszahlungsbetrag sowie der Gesamtkreditbetrag angegeben. Der Gesamtkreditbetrag beinhaltet alle Kosten, die durch den Kredit entstehen, also die Kreditsumme selbst plus aller Kreditnebenkosten (Zinsen, Gebühren).
Diese gesamten Kosten müssen vom Kreditnehmer insgesamt bezahlt werden.Der Auszahlungsbetrag hingegen ist die reine Kreditsumme ohne anfallende Kreditnebenkosten.

Die Währung
Natürlich muss auch die Währung, in der die Kreditsumme gewährt wird, im Kreditvertrag angegeben werden. In Österreich werden Kredite in der Regel nur mehr in Euro vergeben.

Die Vertragspartner
Beide Vertragspartner, also Kreditgeber und Kreditnehmer müssen mit genauem Wortlaut und der Anschrift im Vertrag angeführt sein.
Handelt es sich um ein Unternehmen, muss der Firmenwortlaut genau dem Firmenbuchauszug gleichen.

Der Verwendungszweck
Der Verwendungszweck des Kredits darf im Kreditvertrags ebenfalls nicht fehlen.
Viele Kredite sind grundsätzlich zweckgebunden, dürfen also sowieso nur für den vereinbarten Zweck verwendet werden (Immobilienkredit, Autokredit usw.)

Die Laufzeit und Rückzahlung
Die vereinbarte Laufzeit ist abhängig von der Kreditart und der Kredithöhe. Während Immobilienkredite meist mit einer möglichst langen Laufzeit bis zum Pensionsalter abgeschlossen werden, werden kleinere Konsumkredite meist innerhalb weniger Jahre getilgt.

Die Rückzahlung des Kredits erfolgt meist in Form von regelmäßigen Raten, die monatlich fällig werden. Endfällige Kredite, bei denen während der Laufzeit nur die Zinsen, und am Laufzeitende der gesamte Kreditbetrag fällig werden, sind in Österreich eher der Ausnahmefall.

Die Zinsen und Entgelte
Zinsen sind ein fixer Bestandteil eines jeden Kredits und müssen im Kreditvertrag angeführt werden. Neben dem Nominalzins, also dem Zinssatz, mit dem die Kreditsumme verzinst wird, muss ebenfalls der Effektivzinssatz angegeben werden. Der effektive Zinssatz ergibt sich nach der Berücksichtigung aller Kreditnebenkosten.

Die Verzugs- und Überziehungszinsen
Ist der Kreditnehmer mit der Zahlung des Kredits im Verzug oder überschreitet er den vereinbarten Kreditrahmen, werden ihm Verzugs- bzw. Überziehungszinsen berechnet. Die Höhe dieser Zinsen wird im Kreditvertrag ebenfalls festgehalten.

Die Abgaben und Barauslagen
Kosten für Beglaubigungen der Unterschriften durch einen Notar, Schätzgebühren einer Immobilie oder die Eintragung der Hypothek ins Grundbuch werden ebenfalls im Vertrag angeführt.

Die Sicherheiten
Alle bereitgestellten Sicherheiten für den Kredit müssen im Kreditvertrag festgehalten werden. Es kann sich dabei um Bürgschaften oder Verpfändungen von Immobilien, Wertgegenständen oder Geldeinlagen handeln.
Je mehr Sicherheiten gegeben sind, desto weniger Risiko besteht für die Bank und der Kreditnehmer kann mit attraktiveren Konditionen rechnen.

Sonstige Bestimmungen
Im Kreditvertrag werden außerdem Bestimmungen des Konsumentenschutzes festgehalten. Dazu zählen beispielsweise das Rücktrittsrecht, die Ehegattenbestimmungen im Falle einer Trennung und die Datenschutzerklärungen.

Ort und Datum der Unterschriften
Seine Gültigkeit erhält der Kreditvertrag durch die Unterschrift beider Vertragspartner. Ebenfalls angegeben werden muss der Ort, an dem man sich zum Zeitpunkt der Kreditvertragsunterzeichnung aufhält.

Gesetzliches Rücktrittsrecht vom Kreditvertrag

Bezüglich des Rücktritts vom Kreditvertrag kommt es darauf an, ob es sich um einen nicht besicherten Konsumkredit oder einen Hypothekarkredit, also einen durch eine Hypothek besicherten Kredit, handelt.

Bei einem Konsumkredit besteht nach der Unterzeichnung des Vertrags in der Regel ein zweiwöchiges Rücktrittsrecht. Bei einem Hypothekarkredit hingegen besteht ist das Rücktrittsrecht auf zwei Tage nach Unterfertigung des Kreditvertrags beschränkt.

Kosten eines Kreditvertrags

Da 2011 die Kreditvertragsgebühr abgeschafft wurde, muss man beim Abschluss eines Kredits in der Regel mit keinen Kosten rechnen. Bis dahin musste man eine gesetzliche Gebühr in der Höhe von 0,8 bzw. 1,5 Prozent der Kreditsumme entrichten. Dadurch wurde der Kredit maßgeblich verteuert.

Kreditverträge können jedoch seit 2011 gebührenfrei abgeschlossen werden. Bei Konsumkrediten sind auch Bearbeitungsgebühren nicht zulässig. Lediglich eventuelle Kosten für Notarbeglaubigungen oder Grundbucheintragungen bei einem Immobilienkredit müssen vom Kreditnehmer getragen werden.

Sonderfall Immobilienkredite

Hypothekarisch besicherte Kredite erweisen sich als deutlich komplexer als beispielsweise Konsumkredite. Als Privatperson ohne entsprechendes Fachwissen sollte man daher unbedingt unabhängige Beratung in Anspruch nehmen. Ein bankenunabhängiger Finanzexperte kann alle wesentlichen Punkte des Vertrages erklären und steht für Fragen, aber auch bei der Kommunikation mit der Bank, zur Seite.

Christina Weiß

Christina Weiß

Als ausgebildete Marktkommunikatorin befasst sich Christina seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von optimalen Inhalten. Im Besonderen spezialisierte sie sich dabei auf das Verfassen von Finanz- und Rechtstexten, bei welchen ihr das wirtschaftliche Interesse, eine schnelle Auffassungsgabe und ihre klar strukturierte Arbeitsweise zugute kommen.

Hinweis:

Der Artikel wurde sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte und weiterführenden Links übernommen werden.

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