Generationenkredit

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Generationenkredit ist ein tilgungsfreier Kredit mit einer sehr langen Laufzeit.
  • Eine höhere Eigenmittelquote und die Ausschicht auf einen Geldeingang zur Tilgung des Kreditbetrags am Ende der Laufzeit sind Vorraussetzungen für den Generationenkredit
  • Es gibt keine Verpflichtung dazu, den Kredit an die nächste Generation weiterzugeben, ebenso sind Kinder in keinem Fall dazu gezwungen, das Erbe anzutreten.

Der Ausdruck Generationenkredit (oft auch Generationskredit) ist ein wenig irreführend, weil er den Eindruck erweckt, er müsse über mehrere Generationen weitergegeben werden. Dies ist tatsächlich nur in Ausnahmen der Fall. Der Name bezeichnet viel mehr einen tilgungsfreien Kredit mit sehr langer Laufzeit.

Generationenkredite für Immobilienfinanzierungen

Der Generationenkredit ist eine der Möglichkeiten, die einem beim Kauf einer Immobilie zur Verfügung stehen. Er wird hier in Österreich nicht gleich häufig vergeben wie der klassische Hypothekarkredit, der monatlich sowohl Zinsen als auch Tilgungsraten inkludiert. Die beiden Kreditformen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten

Der tilgungsfreier Generationenkredit

Der Generationenkredit ist ein tilgungsfreier Kredit in Euro. Schauen Sie sich gerne auch unseren Artikel zum Thema endfälliger Kredit an, um sich mit dem Prinzip vertraut zu machen.

Es funktioniert folgendermaßen: Sie zahlen über die gesamte Laufzeit des Kredits lediglich Zinsen. Die Rückzahlung der Kreditsumme ist endfällig, sprich am Ende der Laufzeit muss (für gewöhnlich mit einer Rate) die Finanzierung getilgt werden.

Anders als die Fremdwährungskredite, die früher einmal „endfällig“ vergeben wurden, ist diese Form der Fremdfinanzierung jedoch ein Euro-Kredit. Ein zusätzlicher Tilgungsträger wie bei endfälligen Krediten ist nicht nötig. Dadurch fallen beim Generationenkredit die beiden hoch-spekulativen Elemente des endfälligen Kredits weg.

Vorteile eines Generationenkredits

Die Vorteile des Generationenkredits liegen in der geringen monatlichen Belastung während der gesamten Laufzeit. Da ausschließlich Zinsen zurückbezahlt werden, sind die monatlichen Fixkosten niedriger als beim Annuitätenkredit, der sich aus Zins- und Rückzahlungsraten zusammensetzt. Eine Begriffserklärung erhalten Sie wieder im Artikel zum endfälligen Kredit.

Außerdem wird diese Art der tilgungsfreien Kredite mit sehr langen Laufzeiten vergeben. Teils sind Laufzeiten von bis zu 100 Jahren möglich. Eine solch lange Kreditdauer würde dann dem ursprünglich angenommenen Begriff des Generationenkredits entsprechen, bei dem die Erben den Kredit nach Ableben der Eltern „übernehmen“.

Nachteile des Generationenkredits

Dadurch, dass der Finanzierungsbetrag über die gesamte Laufzeit unverändert hoch bleibt, zahlt man auch Monat für Monat Zinsen für den Gesamtbetrag. Bei einem klassischen Hypothekarkredit setzen sich die Annuitäten ja aus Tilgungsrate und Zinsen zusammen. Während also beim allgemeinen Wohnkredit die aushaftende Summe und die damit verbundenen Zinsen immer kleiner werden, bleibt die Basis zur Berechnung der Zinsen beim Generationskredit immer gleich hoch. Dadurch ist die Zinsbelastung eine höhere.

Banken vergeben Generationenkredite nur mit einer höheren Eigenmittelquote. Diese gibt das Verhältnis von Eigenmittel zum Kaufpreis plus Nebenkosten an. Wer es genau nimmt, redet vom „Verkehrswert“ der Wohnung, den die Bank ermittelt. Da gibt es oft noch einige Abschläge vom Kaufpreis, in manchen Fällen kann der Verkehrswert sogar höher sein als die aufgewandten Mittel für Kaufpreis und Nebenkosten.  Während für den Annuitätenkredit eine Eigenmittelquote von 20% oder weniger ausreicht, fordern Banken beim Generationenkredit 50% bis zu 70% Eigenmittel vom Kreditnehmer.

Wofür dient ein Generationenkredit?

Der Generationenkredit ist eine Finanzierungsform für Immobilien. Als Sicherheit für die Bank gilt die hypothekarische Belehnung der Liegenschaft.

Der Neukauf einer Wohnung ist genauso möglich wie die Sanierung oder Renovierung eines Bestandsobjekts; der Hausbau oder eine Verlassenschaftsübernahme können mittels Generationenkredit finanziert werden.

Um den Ehepartner nach der Scheidung auszahlen zu können, ist diese Kreditform ebenso geeignet und in manchen Fällen ist auch die Umschuldung von der klassischen Wohnraumfinanzierung auf den Generationskredit sinnvoll.

Wann ist ein Generationenkredit die richtige Wahl?

Ein Generationskredit kann die passende Finanzierungsmethode sein, wenn der Kreditnehmer (oder seine Erben) den Eingang eines Geldbetrages erwarten, der für die Tilgung des Kredits am Ende der Laufzeit herangezogen werden kann. Das kann eine Erbschaft sein oder der Verkauf einer anderen Immobilie, oft wird auch die Abfertigung bei Pensionsantritt herangezogen oder die Auszahlung eines Sparvertrages.

Prinzipiell wird diese Kreditform nicht unbedingt an die „ältere Generation“ vergeben und sie muss auch nicht zwangsläufig für Senioren die bessere Wahl sein im Vergleich zum herkömmlichen Immobilienkredit. Gerade für junge Paare passt der Generationenkredit ganz gut, weil es nicht üblich ist, dass die Laufzeit über das Pensionsantrittsalter hinausgeht. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie sich fragen, ob diese Kreditform für Sie die richtige sein könnte.

Die Angst vor dem Erbe

Generationenkredit
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Viele Konsumenten schrecken vor dem Generationenkredit zurück, weil sie ihren Kindern keine Kreditverbindlichkeiten vererben möchten. Dabei gibt es jedoch mehr Dinge zu berücksichtigen: Erstens darf man sich nicht vom Namen täuschen lassen. Es gibt keine Verpflichtung dazu, den Kredit an die nächste Generation weiterzugeben. Unsere Finanzierungsspezialisten empfehlen ohnehin, die Laufzeit so zu wählen, dass man den Kredit noch innerhalb der aktiven Arbeitszeit (vor Pensionsantritt) tilgen kann.

Zweitens sind Ihre Kinder in keinem Fall dazu gezwungen, das Erbe anzutreten. Sollten sie durch das Erbe finanziell besser gestellt werden, werden sie dies tun und einen Teil davon zur Tilgung des Generationenkredits hernehmen. Der Kredit geht in keinem Fall rechtswirksam auf Ihre Kinder über, wenn diese sich nicht aktiv dafür entscheiden.

Sollten der Kreditnehmer vor der Kredittilgung ableben und die Kinder das Erbe nicht antreten, wird die Bank auf ihr Pfandrecht zurückgreifen und die Immobilie verkaufen. Und wenn doch, bleibt auch den Kindern die Möglichkeit, die Liegenschaft zu veräußern und vom Erlös den Kredit zu tilgen.

Was sind die Voraussetzungen für einen Generationskredit?

Natürlich sind die Voraussetzungen für einen Generationenkredit von Bank zu Bank unterschiedlich. Grob zusammengefasst gilt:

  • Die Tilgungsrate sollte vor dem Pensionsantrittsalter bezahlt werden. Dies ist kein Muss, aber eine Empfehlungen der Finanzmarktaufsicht, der viele Banken Folge leisten.
  • Außerdem wird die Liegenschaft hypothekarisch belehnt.
  • Auch der Generationenkredit kann mit Fix- oder variablen Zinsen vereinbart werden.
  • Achtung ist bei der langen Laufzeit und einer Dauer über das Pensionsantrittsalter hinaus geboten, da sich Zinssätze ja unvorhersehbar verändern können.
  • Auch ein Kredit mit anfänglicher Fixzinsphase kommt im Laufe der Zeit in die variable Verzinsung. Dadurch können die monatlichen Zahlungsraten im Verhältnis zum Pensionsbezug unverhältnismäßig hoch werden. Daher empfehlen unsere Finanzierungsspezialisten den Generationenkredit auch eher jüngeren als älteren Immobilienkäufern.

Wer sich für einen Generationenkredit entscheidet, braucht vor allem zwei Dinge: eine höhere Eigenmittelquote und die Ausschicht auf einen Geldeingang zur Tilgung des Kreditbetrags am Ende der Laufzeit!

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Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Gründer der OPTIFIN und Geschäftsführer einer Agentur hat er tagtäglich mit den Themen Immobilienfinanzierung und Finanzen zu tun. Er betreut und erstellt daher die Inhalte zu diesen Themen.

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