Fremdwährungskredit

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei einem Fremdwährungskredit handelt es sich um einen Kredit, der in einer fremden Währung beantragt wird.
  • Die Finanzmarktaufsicht FMA und die Österreichische Nationalbank warnen ausdrücklich vor den Gefahren eines solchen Kredits und haben die Mindeststandards dafür seit der Finanzkrise 2008 massiv verschärft.
  • Die häufigsten Fremdwährungskredite in Österreich wurden in Schweizer Franken beantragt, auch Yen-Kredite waren beliebt.

Fremdwährungskredite sind für Privatpersonen heutzutage kaum mehr ein Thema. In den 1990er Jahren und bis zur Wirtschaftskrise 2008/2009 wurden Fremdwährungskredite jedoch in vielen privaten Haushalten aufgenommen. Meist waren es Kredite in Schweizer Franken, seltener auch in Japanischen Yen oder US-Dollar.

Um zu verstehen, worum es sich bei einem Fremdwährungskredit handelt, wird dieses Thema im Folgenden behandelt.

Was ist ein Fremdwährungskredit?

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Bei einem Fremdwährungskredit handelt es sich im Allgemeinen um einen Kredit, der in einer fremden Währung beantragt wird. Er wird also in einer anderen Währung als Euro vergeben. Auch die Rückzahlung des Kredits erfolgt demnach in der aufgenommenen Währungsform.

Nimmt man den Fremdwährungskredit in endfälliger Form auf, muss die gesamte Kreditsumme am Ende der Laufzeit in der jeweiligen fremden Währung zurückgezahlt werden. Da es sich um eine andere Währung handelt und man diese nicht einfach auf seinem Konto hat, muss man sie zum Laufzeitende des Kredits zum aktuellen Wechselkurs erwerben.

Da man den Wechselkurs der jeweiligen Währung zum Ende der Kreditlaufzeit nicht vorhersagen kann, besteht dadurch ein erhebliches Risiko. Unter Umständen könnte der Kredit dann nämlich teurer sein, als zu dem Zeitpunkt, an dem man ihn aufgenommen hat. Auch wenn diese Form der Finanzierung sehr lukrativ sein kann, ist sie aufgrund der vielen Risiken nur in wenigen Fällen zu empfehlen und wird Privatpersonen auch nur selten gewährt.

Beispiele für Fremdwährungskredite

Besonders beliebt ist, oder besser gesagt war in Österreich der Schweizer-Franken-Kredit.
Auch der Yen- Kredit war bei den Österreichern sehr gefragt. Beide Fremdwährungskredite waren im Vergleich zum Schilling bzw. Euro wesentlich günstiger im Bezug auf ihre Kreditzinsen.

Schweizer-Franken-Kredit

Beim Schweizer-Franken-Kredit handelt es sich um den am meisten abgeschlossenen Fremdwährungskredit in Österreich. Grund dafür ist, dass die CHF-Kreditzinsen im Vergleich zu europäischen Währungen und vor allem im Gegensatz zum Schilling und Euro, damals im Schnitt zwischen 1,5 und zwei Prozent günstiger waren.

Das Risiko erschien beim Schweizer-Franken-Kredit geringer als bei Krediten in anderen Währungen, da man der Schweiz als Nachbarland Vertrauen schenkte.

Auch wenn man die Wertentwicklung einer Währung nicht genau prognostizieren kann, gingen selbst Experten davon aus, dass der CHF eine geringe Schwankungsbreite im Vergleich zu anderen europäischen Währungen hat.

Leider stellten sich diese Überlegungen als falsch heraus – ganz zum Nachteil der Kunden. Kreditnehmer, die aktuell noch an einen CHF-Kredit gebunden sind, verzeichnen Kursverluste von bis zu 40 Prozent.

Yen- Kredit

Ab der Jahrtausendwende konnte sich neben dem Schweizer-Franken-Kredit auch der Fremdwährungskredit mit Yen bei den österreichischen Kunden etablieren. Dessen Kursrisiko war bzw. ist jedoch weit höher als des CHF-Kredits.

Da der Yen-Kredit jedoch im Vergleich zum Schilling und Euro noch größere Differenzen an Kreditzinsen aufweisen konnte als der Schweizer-Franken-Kredit, wurde dessen Kursrisiko teilweise kompensiert. Im Schnitt konnte man von einer Zinsersparnis von 2,5 bis 3,5 Prozent p.a. ausgehen. Diese vermeintliche Ersparnis reizte viele Kunden einen Yen-Fremdwährungskredit aufzunehmen, ohne sich dessen Risiken bewusst zu sein.

Aus Gründen wie diesen spricht man bei einem Fremdwährungskredit auch oft von einem Spekulationsgeschäft.

Was sind Spekulationsgeschäfte?

Bekannt sind Spekulationsgeschäfte an der Börse, wenn beispielsweise auf den Absturz des Euro gewettet wird. Gleich wie bei einem Pferderennen wettet man auf ein in der Zukunft liegendes Ereignis, das man nicht genau vorhersagen kann.
Auch im Bankengeschäft kennt man Spekulationsgeschäfte, da man Geld mittels Fonds und Aktien für sich arbeiten lässt, in der Hoffnung daraus einen Vorteil zu ziehen.

Geht das Spekulationsgeschäft auf, kann man damit eine Menge Gewinn einfahren. Dazu muss das Risiko jedoch richtig eingeschätzt werden. Man würde ja auch im Glücksspiel nur so viel setzen, wie man auch bereit ist zu verlieren.

Tilgungsträger beim Fremdwährungskredit

Beim Tilgungsträger handelt es sich um eine Ansparform, mit der die Kreditsumme eines endfälligen Kredits am Ende dessen Laufzeit beglichen wird.

Meist wird der Tilgungsträger während der Laufzeit angespart, es kann sich jedoch auch um eine Immobilie handeln, die vor Kreditfälligkeit verkauft wird. In vielen Fällen handelt es sich um Fonds, eine Lebensversicherung oder ein Wertpapier, das mit Kreditende aufgelöst wird. Wichtig ist nur, dass der gewählte Ansparform rechtzeitig zur Zahlung des Kredits aufgelöst werden kann und die Kreditsumme dann komplett abdeckt. Man sollte daher nur auf Tilgungsträger setzen, bei denen das Risiko eines Wertverlustes nicht vorhanden ist.

Auch hierbei gibt es natürlich ein Risiko, dieses ist jedoch in erster Linie abhängig von der Wahl des Anlageprodukts und dessen Schwankungs- und Verlustrisiko.

Vorteile eines Fremdwährungskredits

  • zumindest kurzfristig niedrigere Zinsbelastung
  • Kursgewinne, wenn Fremdwährung gegenüber Euro verliert
  • schnelles Reagieren auf Kursschwankungen möglich (jedoch mit Kosten verbunden)

Risiken eines Fremdwährungskredits

Die Finanzaufsichtsbehörde FMA und die Österreichische Nationalbank warnten bereits bei der Einführung von Fremdwährungskrediten vor dessen Risiken. Erst durch die Finanzkrise wurden dann die Auswirkungen sicht- und spürbar.

Um Risiken wie diese in Zukunft nicht mehr zu gewähren, wurden die Vergaberichtlinien und Vorschriften sehr streng eingeschränkt.

Die Finanzaufsichtsbehörde FMA betont auf ihrer Website, dass die bestehenden Mindeststandards für die Vergabe von Fremdwährungskrediten und Finanzierungen mit Tilgungsträgern massiv verschärft wurden.

Fremdwährungskredite dürfen demnach nicht mehr als standartisiertes Massenprodukt angeboten werden. Es wird außerdem ausdrücklich festgehalten, dass sich diese Kreditform nicht zur Finanzierung von Wohnraumbeschaffung eignet.
Auch wurde es gänzlich untersagt, eine Fremdwährungsfinanzierung in Form eines endfälligen Kredits mit kapitalaufbauendem Tilgungsträger zu vergeben.

Banken mussten sich gegenüber der Aufsicht verpflichten, eigene Strategien zu entwickeln, um aushaftende Volumina nachhaltig und vor der Fälligkeit abzubauen. Damit sollen die Risiken von bestehenden Fremdwährungskrediten für Banken sowie den Kreditnehmer begrenzt werden.

Banken müssen aufgrund ihrer Verpflichtung

  • die Risikoentwicklung jedes Kredits mit Fremdwährung – einschließlich der Entwicklung des Tilgungsträgers – laufend beobachten und den Kunden über eine eventuelle Verschlechterung informieren
  • ein Informationsschreiben an den Kunden ab einer Restlaufzeit von sieben Jahren schicken, sowie ein Gespräch suchen um gemeinsam ein Lösung zur Risikovermeidung zu erarbeiten
  • jederzeit Alternativ-Angebote für einen Umstieg in eine Euro-Finanzierung bieten

Beantragen und Umschulden eines Fremdwährungskredits

Durch die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA wurde bestimmt, dass seit Oktober 2008 in Österreich nur mehr Euro- Kredite vergeben werden dürfen. Die Vergabe von endfälligen Krediten wurde auch stark beschränkt, da die Gefahren für Kreditnehmer zu hoch sind. Kreditnehmer, die noch einen laufenden Fremdwährungskredit besitzen, können diesen konvertieren.

Die Kreditwährung wird dann beispielsweise von CHF in EUR umgewandelt.
Beabsichtigt man, seinen Fremdwährungskredit umzuwandeln, sollte man auf folgende Punkte achten:

  • Was kostet die Umwandlung?
  • Welche Konditionen und Kreditmodelle gibt es in Euro?
  • Wie hoch ist die neue monatliche Belastung?
  • Kann man in Euro auch einen Kredit mit fixen Zinsen abschließen?
  • Was passiert mit dem Tilgungsträger, wird dieser in die neue Finanzierung eingebracht?
  • Welche Fristen gibt es für Kredit und angesparten Vermögenswert?

Durch die Konvertierung kann man eventuell Kosten sparen, man sollte daher nicht zögern und sich beraten lassen.

Zum Abschluss lässt sich zusammenfassen: Die Zeit der Fremdwährungskredite ist vorbei. Die negativen Auswirken waren zu groß und viele Menschen haben noch heute mit den Verlusten zu kämpfen.

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Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Gründer der OPTIFIN und Geschäftsführer einer Agentur hat er tagtäglich mit den Themen Immobilienfinanzierung und Finanzen zu tun. Er betreut und erstellt daher die Inhalte zu diesen Themen.

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