Fremdkapital

Das Wichtigste in Kürze
  • Als Fremdkapital bezeichnet man jenen Teil des Kapitals, der von einem fremden Kapitalgeber stammt.
  • Wie weit sich ein privater Verbraucher, ein Unternehmen oder ein Staat verschulden kann, wird durch die Verschuldungsgrenze geregelt.
  • Nimmt ein Unternehmen Fremdkapital in Anspruch, kann zwischen drei Varianten unterschieden werden: Verbindlichkeiten, Rückstellungen und passive Rückstellungsposten.

Der Begriff Fremdkapital beschreibt eine finanzielle Leistung eines Dritten, deren Laufzeit und Höhe schuldrechtlich definiert und fix vorgegeben ist.
Man bezeichnet also jenen Teil des Kapitals als Fremdkapital, der von einem fremden Kapitalgeber (Gläubiger) stammt. In der Regel handelt es sich beim Kapitalgeber um eine Bank oder ein Kreditinstitut.

Unternehmen können im Wettbewerb mit anderen Anbietern meist nicht auf auf Fremdkapital verzichten. Privatpersonen sind meist bei einer Finanzierung oder der klassischen Aufnahme eines Kredits mit dem Thema Fremdkapital konfrontiert.

Fremdkapital ist notwendig für die Wirtschaft

Fremdkapital
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Das Wirtschaftssystem würde ohne Fremdkapital nicht funktionieren. Das gilt für private Haushalte gleichermaßen wie für Unternehmer – aber auch für Staaten.
Länder, deren Staatshaushalt ohne die Unterstützung durch Fremdkapital auskommt, kann man wohl an einer Hand abzählen.

Wie weit sich ein privater Verbraucher, ein Unternehmen oder ein Staat verschulden kann, wird durch die Verschuldungsgrenze geregelt.

Verschuldungsgrenze: in der Betriebswirtschaft wird darunter die Grenze verstanden, bis zu der sich ein Kreditnehmer verschulden darf. Im Alltag kommt man vor allem bei einem Dispositionskredit mit der Verschuldungsgrenze in Berührung. Das bedeutet, dass die Höhe eines Dispokredits durch einen vereinbarten Kreditrahmen begrenzt ist.

Für Unternehmen stellt die Verschuldungsgrenze ebenfalls die maximale Summe, die das Unternehmen in Form eines Kredits nutzen kann.
Bei Staaten der Europäischen Union sollte die Verschuldung 60% des Bruttoinlandsproduktes übersteigen.

Fremdkapital bei Privathaushalten

Das Fremdkapital bezeichnet die Differenz zwischen dem Kaufpreis eines Guts und den vorhandenen Eigenmitteln. Dies ist beispielsweise bei einer Immobilienfinanzierung der Fall. Der Verbraucher nimmt Geld bei der Bank auf, um sich etwas zu finanzieren.
Es besteht auch die Möglichkeit, Kredite mit gänzlicher Kostendeckung durch Fremdkapital aufzunehmen, diese werden jedoch kaum gewährt, da sie mit einem größeren Risiko und höheren Kosten verbunden sind.

Fremdkapital bei Unternehmen

Nimmt ein Unternehmen Fremdkapital in Anspruch, kann zwischen drei Varianten unterschieden werden:

1. Verbindlichkeiten

Unter Verbindlichkeiten versteht man finanzielle Verpflichtungen eines Unternehmens gegenüber dem Gläubiger.

    Anleihen

    Durch den Verkauf von Wertpapieren entstehen bei der Ausgabe von Anleihen Verbindlichkeiten. Während man beim Aktienkauf Unternehmensanteile erhält, leiht der Käufer sein Kapital – er gibt einen Kredit.

    Erhaltene Anzahlungen

    Begleichen Kunden bereits vor Abnahme der Bestellung Teilbeträge der Rechnung, entstehen Anzahlungen.

    Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten

    Eine Verbindlichkeit dieser Art entsteht beispielsweise bei der Aufnahme von Krediten, Darlehen, Lieferantenkrediten und Obligationen.

    Verbindlichkeit aus Wechseln

    Es handelt sich dabei um schriftlich, aus sogenannten Wechseln dokumentierte Verpflichtungen, für Leistungen, die noch nicht erbracht wurden.

    Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

    Darunter versteht man die finanziellen Verpflichtungen von Unternehmen gegenüber ihren Lieferanten. Unbezahlte Rechnungen zählen beispielsweise dazu.

    Verbindlichkeiten gegenüber beteiligten oder verknüpften Unternehmen

    Eine Verbindlichkeit dieser Art entsteht zum Beispiel, wenn eine Tochtergesellschaft auf Rechnung Waren von der Muttergesellschaft kauft.

    Sonstige Verbindlichkeiten

    In diese Kategorie fallen beispielsweise Sozialversicherungsbeiträge.

2. Rückstellungen

Als Rückstellungen werden ungewisse Verbindlichkeiten bezeichnet, die zwar erwartet, deren Höhe aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht konkretisiert werden können.

    Steuerrückstellungen

    Steuerrückstellungen werden als Sicherheit für Posten wie Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und Umsatzsteuer gebildet.

    Rückstellungen für Pensionen

    Man versteht darunter die ungewissen Verbindlichkeiten von betrieblichen Altersversorgungen für Pensionen von Arbeitnehmern.

    Sonstige Rückstellungen

    Hierunter fallen zum Beispiel Provisions- oder Drohverlustrückstellungen.

3. Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Man versteht darunter Zahlungseingänge von Kunden aus dem alten Jahr, die Leistung wird jedoch erst im Folgejahr erbracht.

Fremdkapitalquote

Die Fremdkapitalquote beschreibt den Anteil der Fremdfinanzierung im Verhältnis zur Gesamtfinanzierung. Es handelt sich um eine Kennzahl, diese beschreibt das Verhältnis von Fremdkapital und Bilanzsumme in Prozent. Komplementär dazu steht der Begriff “Eigenkapitalquote”.

Vorteile von Fremdkapital

  • Gewinne und Mitbestimmung müssen im Gegensatz zum Eigenkapital nicht mit dem Fremdkapitalgeber geteilt werden.
  • Zinszahlungen können steuerlich geltend gemacht werden

Nachteile von Fremdkapital

  • Die Verfügbarkeit von Fremdkapital ist zeitlich begrenzt.
  • Das Unternehmen oder die Person muss den Zins- und Tilgungszahlungen auch nachkommen, wenn es finanziell schwieriger ist.

Vorteile von Eigenkapital

  • Höhere Gewinnerzielung möglich
  • Es ist zeitlich unbegrenzt verfügbar
  • Hoher Anteil von Eigenkapital spricht für wirtschaftliche Stabilität
  • Günstigere Kredite bei hohem Eigenkapital

Nachteile von Eigenkapital

  • Bestehende Schulden
  • Verpflichtung auf Zeit
  • Mitbestimmungsrecht der Eigenkapitalgeber (kann auch Vorteil sein)

Mezzanine-Kapital

Mezzanine-Kapital bezeichnet die Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital. Der Begriff stammt aus dem Italienischen und leitet sich von “mezzo”, zu deutsch “halb”, ab.
Bei einer Mezzazine-Finanzierung können Unternehmen einerseits Genussrechte vereinbaren oder mit dem Kreditgeber stille Beteiligungen vereinbaren.

Andererseits besteht die Möglichkeit ein partiarisches oder nachrangiges Darlehen zu vereinbaren. Das Mezzazine-Kapital wird in diesem Fall zum Fremdkapital und als Verbindlichkeit bilanziert. Mezzanine-Finanzierungen bezeichnet man ebenfalls als Hybridkapital oder Mezzaninkapital.

Christina Weiß

Christina Weiß

Als ausgebildete Marktkommunikatorin befasst sich Christina seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von optimalen Inhalten. Im Besonderen spezialisierte sie sich dabei auf das Texten von Finanz- und Rechtstexten, bei welchen ihr das wirtschaftliche Interesse, eine schnelle Auffassungsgabe und ihre klar strukturierte Arbeitsweise zugute kommen.

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