EURIBOR

Das Wichtigste in Kürze
  • Der EURIBOR ist der wichtigste Zinssatz im europäischen Interbankenhandel.
  • Bei variabel verzinsten Darlehen ziehen ihn Banken als Referenzzinssatz heran.
  • Es gibt mehrere Referenzzinssätze, darunter den €STR.
  • Der €STR macht Referenzzinssatzberechnungen manipulationssicher.
  • Kaum zu glauben: Seit Beginn Corona-Krise ist der Zinssatz weiter im Sturzflug.

EURIBOR- Was ist das?

Der EURIBOR ist die Kenngröße schlechthin im Euroraum. Er entscheidet über die Höhe eines variabel verzinsten Privatkredites und über die Verzinsung der Einlagen auf Ihrem Sparkonto.

EURIBOR ist eine Abkürzung, die den Wortlaut Euro Interbank Offered Rate enthält. Der EURIBOR ist seit 1. Jänner 1999 der Zinssatz im Interbankenhandel.

Euribor
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Genauer betrachtet handelt es sich beim EURIBOR nicht um einen, sondern um fünf Zinssätze. Jeder dieser fünf Zinssätze spiegelt den Durchschnitt der Zinssätze wider, zu denen sich ausgewählte Banken Europas untereinander Kredite gewähren. Möchte man einen Kredit zur Immobilienfinanzierung aufnehmen oder ein Anlageprodukt erwerben, wirkt sich der EURIBOR auf die Konditionen aus.

Der Euribor ist der wichtigste Zinssatz im europäischen Interbankengeschäft

Kreditinstitute handeln untereinander mit verschiedenen Finanzprodukten. Damit sichern sie ihre eigene Liquidität, die wiederum die Einlagen ihrer Kunden absichert.

Die wichtigsten Kenngrößen für Privatanleger sind vor allem der 3-Monats-Euribor und der 6-Monats-Euribor. Die Berechnung des Zinssatzes erfolgt dabei für mehrere Laufzeiten (zwischen eine Woche und zwölf Monate).

Die Veröffentlichung des EURIBOR Referenzzinssatzes erfolgt an Bankenarbeitstagen jeweils um 11.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit bei Reuters. Publiziert werden dabei folgende fünf Referenzzinssätze:

  • 1 Woche
  • 1 Monat
  • 3 Monate
  • 6 Monate
  • 12 Monate

Bevor es den EURIBOR gab, wurden Referenzzinssätze auf nationaler Basis berechnet. Galt in Österreich als ATS-Referenzzinssatz der Vibor (Vienna Interbank Offered Rate), war der DM-Referenzzinssatz in Deutschland der Fibor (Frankfurt Interbank Offered Rate). Zur Berechnung des Vibor wurde der Durchschnitt der Zinssätze von 8 Wiener Banken herangezogen.

3-Monats- und 6-Monats-EURIBOR

Diese Begriffe beziehen sich lediglich auf die Zeiträume, in welchem sich die bestimmten Banken das Geld leihen. Maximal können das zwölf Monate sein. Demnach ist der 12-Monats- EURIBOR der längst Mögliche.

Am Üblichsten sind jedoch der 3- oder 6-Monats-EURIBOR. Ermittelt wird der Wert außerdem ebenfalls für eine Woche, für ein Monat und auch für zwölf Monate.

Möchte man einen Kredit zur Immobilienfinanzierung mit variabler Verzinsung aufnehmen, ist es vorteilhaft, sich für eine kürzere Laufzeit zu entscheiden (sofern die finanziellen Möglichkeiten dafür vorhanden sind). Eine kurze Laufzeit senkt das Zinsänderungsrisiko. Je länger nämlich der Zeitraum, desto eher setzt man sich dem Risiko aus, dass der EURIBOR (und damit auch der Zins) steigt.

Bei einem fix verzinsten Kredit ist es besser, sich niedrige Zinsen für eine möglichst lange Laufzeit zu sichern.

Andere Referenzzinssätze

Der €STR

Seit 01. Januar 2020 ist der €STR (Euro Short-Term Rate) der Standardzinssatz für Finanzprodukte. Er gilt sowohl für den Interbankenhandel als auch für private Haushalte.

Am 02. Oktober 2019 publizierte die EZB zum ersten Mal in der Geschichte der Finanzmärkte den neuen Tagesgeldsatz €STR (Euro Short-Term Rate). Er wurde nach Verabschiedung der EU-Benchmark-Verordnung im Jahr 2016 geschaffen, und dient als repräsentativer Referenzzinssatz, der die Berechnung anderer Referenzzinssätze (wie dem EURIBOR) zukünftig transparenter und manipulationssicherer machen soll. Vorausgegangen war dieser Entwicklung die Erkenntnis, dass der EONIA-Zinsbenchmark wesentliche Anforderungen der Benchmark-Verordnung nicht erfüllt.

Privatanleger achten auf die Entwicklung des €STR und leiten davon die Entwicklung der Tagesgeldkonten ab.

Der EONIA (Euro OverNight Index Average)

Der EONIA wurde am 01. Januar 2020 durch den €STR ersetzt. Mit diesem Stichtag darf er in Neuverträgen nicht mehr als Referenzzinssatz herangezogen werden.

Den EONIA (oder eintägige EURIBOR) verwendeten Banken im Interbankenhandel als Referenzzinssatz zur Zinsberechnung von Tagesgeldern in Euro. Dort galt er als Basis für Anlageprodukte wie Zinszertifikate, Indexfonds oder Geldmarktfonds.

Der LIBOR

Der LIBOR (London Interbank Offered Rate) dient im Interbankenhandel als Referenzzinssatz zur Berechnung von Termingeldern in Fremdwährung. Er wird an Bankarbeitstagen in mehreren Währungen und Laufzeiten durch die British Bankers‘ Association publiziert.

Entwicklungen und Prognosen des EURIBOR: Wovon ist die Zinsentwicklung abhängig?

Die Entwicklung von Zinsen ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Das macht eine sichere Vorhersage schwierig bis unmöglich. Ausschlaggebend sind unter anderem die wirtschaftlichen Entwicklungen im Euroraum und die als Reaktion darauf getroffenen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Aber auch globale Entwicklungen und politische Faktoren nehmen Einfluss auf die Zinshöhe.

Nach der Weltfinanzkrise 2007 entschied die die EZB in den Jahren 2008/2009, die Zinsen zu senken. Diese Maßnahme sollte das Wirtschaftswachstum ankurbeln, da durch die niedrigen Zinsen ein Anreiz gegeben wurde, mehr zu investieren und zu konsumieren.

Ereignisse wie die Corona-Krise, der Brexit, die Handelskrise zwischen den USA und China oder die Unberechenbarkeit der Handelspolitik von Donald Trump erschweren die Prognosen. Auch die Auswirkungen dieser globalen Aspekte auf die Zinssätze von Euro-Krediten sind schwer definierbar.

Auf Prognosen, die in ferner Zukunft liegen, sollte man sich niemals verlassen, da wirtschaftliche und politische Entwicklungen nicht planbar sind.

Zinsen in Österreich

Will man als Unternehmer oder Privater einen Kredit aufnehmen, profitiert man aktuell von den günstigen Zinsen. Und zwar noch mehr als jemals zuvor! Seit Beginn der Corona-Krise ist das Unvorstellbare wahr geworden: Die ohnehin schon mickrigen Zinsen stürzen noch weiter in den Keller. Das macht Baugeld für frisch gebackene Bauherren noch attraktiver, ist aber auch für Immobilienbesitzer mit Anschlussfinanzierungsbedarf von Vorteil.

Während sich die einen über den niedrigen EURIBOR- Referenzzins freuen und einen Vorteil daraus ziehen, haben andere damit keine Freude. Für Sparer lohnen sich die niedrigen Zinssätze nicht.

Wer bereits einen konkreten Plan zur Aufnahme eines Immobilienkredits hat, sollte sein Vorhaben jetzt in die Tat umsetzen. Denn eines lässt sich auf jeden Fall prognostizieren: Der EURIBOR wird früher oder später wieder steigen und die Immobilienfinanzierung damit erschweren.

Wichtig zu wissen ist, dass sich die Zinsen für einen Privat- oder Unternehmenskredit mit variabler Verzinsung nicht allein vom EURIBOR ableiten. Der EURIBOR dient als Leitzins. Zu diesem Zinssatz kommen jedoch noch der Bankenzinssatz bzw. der Bankenaufschlag hinzu. Durch geschickte Verhandlung (und gute Bonität) kann man die Kreditverzinsung positiv beeinflussen.

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Claudia Felbermayer

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