Bürgschaft

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei der Bürgschaft handelt es sich um einen einseitig verpflichtenden Vertrag, in dem sich ein Bürge gegenüber eins Gläubigen verpflichtet, die Schuld eines Dritten im Fall einer Nichtaufbringung dessen Schuld, zu begleichen.
  • Der Gläubige kann im Fall einer Zahlungsunfähigkeit des Hauptschuldners entscheiden, ob er diesen oder den Bürgen dafür belangt (oder beide).
  • Da Bürgschaften Risiken mit sich bringen können, muss sehr gut überlegt werden, für welche Bürgschaftsform man sich entscheidet.

Begriffserklärung

Bei einer Bürgschaft handelt es sich in Österreich um einen einseitig verpflichtenden Vertrag, in dem sich ein Bürge gegenüber eines Gläubigen verpflichtet, die fremde Schuld eines Dritten (des Hauptschuldners) zu übernehmen, falls dieser seiner vereinbarten Verpflichtung nicht nachkommt.

Buergschaft
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Meist handelt es sich beim Gläubigen um ein Kreditinstitut bzw., das ein Darlehen gewährt und beim Dritten um einen Kreditnehmer.
Bürgschaften sind in Österreich ausführlich im ABGB geregelt und werden meist als Kreditsicherheit verwendet, sollte der Hauptschuldner nicht ausreichend Sicherheiten vorweisen können. Wird der Kreditnehmer zahlungsunfähig, besteht von Seiten des Kreditgebers (Bank) die Möglichkeit, die Schuld vom jeweiligen Bürgen einzufordern.

Grundsätzlich gilt bei einer Bürgschaft das Prinzip der Akzessorietät. Dieser Begriff aus dem Kreditwesen bedeutet, dass zur Gültigkeit einer Kreditforderung immer eine Kreditsicherheit gegeben sein muss. In diesen Fällen verlangt das Gesetz stets die Verknüpfung der Kreditsicherheit mit einem Kredit und umgekehrt.

Umfang einer Bürgschaft

Der Umfang einer Bürgschaft kann sich von der Verpflichtung eines Hauptschuldners unterscheiden. Durch eine Bürgschaft kann beispielsweise auch nur ein Teil der Schuld durch den Bürgen übernommen werden. Außerdem ist es möglich, die Bürgschaft zu begrenzen, in dem man einen Höchstbetrag festlegt. Meist wird von einer Bank die Bürgschaft als Bürge und Zahler verlangt (=Solidarbürgschaft).

Der Kreditgeber kann dabei im Falle der Zahlungsunfähigkeit oder Verzugs des Schuldners entscheiden, ob er diesen oder den Bürgen dafür belangt. Es können jedoch auch beide belangt werden.

Altersabhängig

Insbesondere bei jüngeren Kunden sind Banken aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht gesetzlich dazu verpflichtet, zu überprüfen, ob eine Bürgschaft eine Gefährdung der Lebensbedürfnisse für die junge Person darstellen würde.

Handelt es sich um mündige Minderjährige, welche bereits regelmäßige Einkünfte aus ihrer Erwerbstätigkeit vorweisen können (Lehrlingsentschädigung oder Lohn), können diese eine Bürgschaft übernehmen, ohne vorher eine Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter einzuholen. Dies gilt jedoch nur, wenn die Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse durch die Kreditraten nicht gefährdet sind.

Kurz zusammengefasst haftet man als Bürge also für eine fremde Schuld. Bürgschaften dienen in den meisten Fällen dem Zweck, einen Kredit abzusichern (Kreditbürgschaft).
Wenn der eigentliche Schuldner in finanzielle Schwierigkeiten gerät, und nicht mehr zahlen kann, muss man als Bürge dafür “einspringen”.

Die vier Bürgschaftsformen

1. Die Bürgschaft als „Bürge und Zahler“

Diese Form der Bürgschaft wird meist zur Absicherung von Bankkrediten verwendet und kann für einen Bürgen schwerwiegende Folgen haben. Bei Zahlungsunfähigkeit haftet dieser nämlich als ungeteilter Mitschuldner für die gesamte Schuld. Das Kreditinstitut hat bei Zahlungsverzug des Kreditnehmers die freie Wahl, wer zuerst belangt wird, oder ob es beide trifft.

2. Die „normale“ Bürgschaft

In der Praxis spielt diese Bürgschaftsform nur eine untergeordnete Rolle.
Der Bürge kann erst belangt werden, nachdem der Hauptschuldner erfolglos vom Gläubiger ermahnt wurde. Zwischen der Mahnung des Schuldigen und der Inanspruchnahme des Bürgen liegt ebenfalls ein angemessener Zeitraum.

3. Die Ausfallbürgschaft

Bei der Ausfallbürgschaft handelt es sich um die mildeste Form einer Bürgschaft. Um eine Zahlung des Hauptschuldners zu erlangen, muss der Gläubiger zunächst alles zumutbaren Schritte setzen. Das bedeutet, die Forderung wird eingeklagt und eine Exekution wird geführt, außer der Hauptschuldner ist nicht auffindbar oder die Exekution ist aussichtslos.

4. Die Bürgschaft bei Ehescheidung

Nach erfolgter Scheidung besteht innerhalb eines Jahres die Möglichkeit, die Form der Solidarbürgschaft umzuwandeln in eine weniger belastende Ausfallbürgschaft. Man muss diese Umwandlung jedoch fristgerecht bei Gericht beantragen.

Probleme und Risiken bei Bürgschaften

Oftmals werden Bürgschaften unter fragwürdigen Umständen vereinbart.
Familienangehörige übernehmen immer wieder persönliche Haftungen und übersteigen damit ihre finanziellen Verhältnisse.
Ist im Ernstfall ein fälliger Kredit zu begleichen, sind Bürgen oft nicht in der Lage die Schuld zu begleichen und sehen sich mit hohen Schulden konfrontiert.

Christina Weiß

Christina Weiß

Als ausgebildete Marktkommunikatorin befasst sich Christina seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von optimalen Inhalten. Im Besonderen spezialisierte sie sich dabei auf das Texten von Finanz- und Rechtstexten, bei welchen ihr das wirtschaftliche Interesse, eine schnelle Auffassungsgabe und ihre klar strukturierte Arbeitsweise zugute kommen.

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