Inflation leicht erklärt

Egal ob man sich mit Wirtschaftsthemen, Immobilienkrediten oder der Geldanlage beschäftigt, Inflation ist ein Begriff der einem ständig begegnet. Für viele Finanzvorgänge ist es wichtig, den Mechanismus hinter der Inflation zu verstehen. Außerdem gibt es einige Mythen die sich hartnäckig halten. Wir gehen diesem Thema auf den Grund und erklären möglichst einfach, was Inflation bedeutet und was man als Anleger oder Kreditnehmer wissen sollte.

Was bedeutet Inflation?

In aller Kürze:

„Inflation bedeutet, das Geld verliert seinen Wert oder anders gesagt, die Preise steigen.“

Aber was bedeutet das konkret? Versuchen wir es anhand eines vereinfachten Beispiels:

In einem Dorf leben 1.000 Menschen die arbeiten und konsumieren.

Einer davon ist Milchbauer. Er verkauft zur Zeit einen Liter Milch für einen Euro.

In einer gesunden Wirtschaft herrscht immer etwas mehr Nachfrage als Angebot. Der Milchbauer schafft maximal 500 Liter Milch pro Woche. Er kann also nicht jedem Einwohner Milch verkaufen.
Kunden sind nun bereit, mehr für Milch zu bezahlen, damit sie noch etwas davon bekommen.

Da der Milchbauer weiß, dass die Nachfrage auch zukünftig hoch sein wird, erhöht er den Preis.
Im folgenden kostet Milch also bspw. 2 Euro. Wir hätten also 100% Inflation auf die Milch gerechnet.

Damit sich aber weiterhin die Mehrheit Milch leisten kann, müssen die Einwohner mehr verdienen. Von der Zentralbank wird daher zusätzliches Geld an das Dorf ausgeschüttet.

Die Einwohner erhalten nun von ihren Arbeitgebern Lohnerhöhungen, weil diese, wie der Milchbauer, wissen, dass Produkte teurer werden und sie positiv in die wirtschaftliche Zukunft blicken. Sie wissen steigende Nachfrage führt dazu, dass sie mehr Waren produzieren können und diese etwas teurer verkaufen können.

Im besten Falle gleichen die Lohnerhöhungen die Preissteigerungen aus.
Sehr vereinfacht kann man sich Inflation so vorstellen.

Eine „gesunde“ Inflation beträgt laut Europäischer Zentralbank (EZB) etwa 2% pro Jahr. Die historische Inflation für Österreich sieht so aus:

inflation-grafik
Quelle: de.inflation.eu

Euro ist teurer als Schilling?

An dieser Stelle kann man den Mythos „Der Euro hat im Vergleich zum Schilling alles verteuert“ etwas Wind aus den Segeln nehmen. Nicht der Euro war Schuld, sondern die Inflation und diese war in den Jahren vor dem Euro deutlich höher als das mittlerweile der Fall ist.

Wie man die Inflation misst klären wir weiter unten im Text.

Wie entsteht Inflation?

Im vereinfachten Beispiel oben haben wir bereits die Nachfrageinflation kennengelernt, es gibt aber verschiedene Arten der Inflation:

  1. Nachfrage Inflation
    Je höher die Nachfrage nach Produkten, desto höher werden die Preise
    . Hier gibt es zahllose plakative Beispiele wie unsere „Milchrechnung“ oben. Aktuell zum Beispiel Atemmasken die uns vor Viren oder deren Verbreitung schützen sollen. Diese kosteten vor der Corona Epidemie wenige Cent und waren zwischenzeitlich bei manchen Online Händlern auf über 20,- Euro gestiegen.
  2. Kosten Inflation
    Dies trifft zu, wenn die Ausgaben der Unternehmer steigen und diese die Preissteigerung in die Produktpreise einrechnen. Unser Milchbauer zahlt also bspw. mehr für das Futter seiner Kühe und muss daher den Preis pro Liter Milch anpassen.
  3. Geldmengengetriebene Inflation
    Hier steigen die Preise, weil die Banken (sowohl private als auch die EZB) mehr Geld in Umlauf bringen. Die Effekte auf Produktpreise sind hier verzögert und relativ komplex. Anschaulich erklärt gibt es in unserem Dorf eine exakte Menge an Geld. Sagen wir 500 Euro und es wird nur Milch verkauft um je 1 Euro. Nun wird die Geldmenge erhöht auf 1.000 Euro. Unser Produkt kostet dadurch nun je 2 Euro. Wie gesagt, hier ist es schwer mittels vereinfachten Beispielen die Realität abzubilden.
  4. Lohninflation
    Sehr ähnlich zur Kosten Inflation und wenn man so möchte die Folge von Lohnerhöhungen. Wenn Unternehmer Lohnerhöhungen ausgeben, dann hat das logischerweise auch einen Kostenanstieg für den Unternehmer zur Folge, was dann zu Preiserhöhungen bei Produkten führen kann.Man sieht sehr schnell, die Inflation ist sehr vielschichtig und hat viele beeinflussende Faktoren die auch nicht immer klar zu trennen sind.

Wie wird die Inflation gemessen?

Hier musste man sich früher oder später auf einen gemeinsamen Nenner verständigen, nachdem die Inflation gemessen wird. Es ist kaum möglich alle Preise die am Markt sind jedes Jahr zu vergleichen.

Daher hat man den Verbraucherpreisindex geschaffen.
Dieser stellt einen Warenkorb dar, indem allgemein gebräuchliche Ausgaben zu finden sind. Diese Waren werden dann durchschnittlich jedes Jahr verglichen und so die Inflation berechnet.
Statistik Austria veröffentlicht alle 5 Jahre einen neuen, angepassten Warenkorb: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/preise/verbraucherpreisindex_vpi_hvpi/warenkorb_und_gewichtung/index.html.

Dort findet man nicht nur verschiedene Werte für diverse Regionen in Österreich und Länder auf der ganzen Welt, sondern man kann auch seinen persönlichen Warenkorb berechnen: https://www.statistik.at/persoenlicher_inflationsrechner/.

Warum ist Inflation gut?

Aus politischer Sicht hilft es langfristig, Staatsschulden abzubauen. Wenn der Staat Österreich bspw. vor 10 Jahren einen Kredit in Höhe von 1 Million Euro aufgenommen hat und die Inflation stabil jährlich 2% beträgt, sind das heute rechnerisch nur mehr 817.000 Euro. Es wäre zwar immer noch 1 Million Euro aber durch die Inflation ist die Kaufkraft gestiegen.

Auch für die Wirtschaft ist eine leichte Inflation förderlich. So ist es in Zeiten leichter Inflation sehr schwierig, gute Sparzinsen zu bekommen. Aktuell liegen Tagesgeldkonten bei höchstens 0,5% in Österreich, bei 2% Inflation verliert man hier also real  1,5% pro Jahr. So wird sparen nicht gerade schmackhaft gemacht und das Geld wird ausgegeben und kommt so der Wirtschaft zugute.

Wenn wiederum Geld in der Wirtschaft für Reisen, Eigenheim und Luxus ausgegeben wird, erzeugt das Steuern die uns allen höhere Lebensqualität sichert.

Auch für Immobilienbesitzer die einen Kredit auf ihr Eigenheim aufgenommen haben, ist Inflation eine positive Sache. Lohnerhöhungen sind meist so ausgelegt, dass sie die Inflation möglichst ausgleichen. Somit verdienen wir in 10 Jahren deutlich mehr und die Kreditrate wird in Relation betrachtet niedriger.

Was ist dann Deflation?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation, das bedeutet:

Die vorhandene Geldmenge nimmt ab und die Preise fallen.

In erster Linie versucht man das zu verhindern. Wenn eine Deflation eintritt, fehlt Unternehmen der Mut zu investieren, weil es bei fallenden Preisen sehr schwierig ist, langfristig Gewinne zu erzeugen. Die Unternehmer wissen dann schon vorher, das es schwierig wird die Preise hoch zu halten und den Verkauf zu erhöhen. Dadurch investieren sie selbst nicht mehr was wiederum Zulieferer schädigt.

Langfristig kann es zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft und damit verbundenen Lohnkürzungen und Arbeitslosigkeit kommen. Der Staat erhält weniger Steuern was auch zu knapperen Budgets im Gesundheitssystem und allen anderen Bereichen führt.

Der kurzfristig positive Aspekt der sinkenden Preise für Verbraucher, wird so schnell zur wirtschaftlichen Katastrophe.

Wie kann man der Inflation entgegenwirken?

Auf politischer Ebene versucht vor allem die EZB die Inflation in einem für die Mehrheit vernünftigen Rahmen zu halten und hat dadurch vor allem die Änderung des Leitzinssatzes aber auch das Ausschütten von neuem Geld als Instrument. Auch die privaten Banken können durch ihre Kreditpolitik beeinflussen, wie viel Geld auf den Markt kommt.

Ziel ist es immer, eine stabile Inflation von 2% zu halten. Wird diese überschritten, wird der Leitzinssatz angehoben um die Inflation etwas zu dämpfen. Kredite werden teurer und sparen attraktiver. So lässt sich in den meisten Fällen eine zu hohe oder zu niedrige Inflation vermeiden.

Auf persönlicher Ebene gelingt das für Anleger indem man sein Portfolio nicht nur mit sehr sicheren Anlagemöglichkeiten wie einem Sparbuch sondern auch mit höher verzinsten Wertpapieren oder Alternativen bestückt. Das Ziel bei der Geldanlage sollte also immer sein, über der Inflation zu liegen.

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Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Gründer der OPTIFIN und Geschäftsführer einer Agentur hat er tagtäglich mit den Themen Immobilienfinanzierung und Finanzen zu tun. Er betreut und erstellt daher die Inhalte zu diesen Themen.

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