Bausparvertrag

Ein Bausparvertrag ist die klassischste Sparform für mittlere Laufzeit und hohe Sicherheit. Doch wie sieht es heute mit dem Ertrag aus? Lohnt sich der Bausparvertrag noch und worauf sollte man beim Abschluss achten?


Unter einem Bausparvertrag versteht man einen Sparvertrag, der von Anlegern (Bausparern) mit einer Bausparkasse abgeschlossen wird. Meist werden Bauspardarlehen zur Finanzierung von Immobilien verwendet. Es handelt sich ebenfalls um eine staatlich geförderte Geldanlage, diese gilt über einen längeren Zeitraum und zu fixen Konditionen.

Am Ende der Ansparphase durch einen Bausparvertrag besteht die Möglichkeit, ein zinsgünstiges Darlehen, meist für Bauzwecke, in Anspruch zu nehmen.
Entscheidet man sich für das Bausparen zur Immobilienfinanzierung, unterzeichnet man einen Bausparvertrag mit einer Bausparkasse.
Der Bausparvertrag enthält alle Absprachen der Vertragspartner. Es handelt sich dabei um Bestimmungen bezüglich des Sparzins, des späteren Darlehenszins, der Tilgungszeiträume und weiteren Konditionen der Bausparkasse wie beispielsweise der Abschlussgebühren.

Als langfristige Geldanlage läuft ein Bausparer meist länger als 10, eher 15 Jahre.
Abhängig vom Anbieter sind jedoch auf Sondertarife wie zum Beispiel Schnellspartarife oder variable Tarife möglich.

Bausparverträge können sich in der Art der Verzinsung, den Konditionen der Bausparkasse und dem Alter des Anlegers unterscheiden. Man sollte diese Punkte daher beim Vergleich von möglichen Angeboten dringend berücksichtigen. Im besten Fall zieht man bei der Suche des richtigen Vertragspartners einen unabhängigen Experten zurate.

Was ist ein Bausparvertrag?

Bausparvertrag
Ein Bausparvertrag ist eine beliebte Sparform

Bei einem Bausparvertrag handelt es sich vom Grundgedanken her um den Eigenmittelanteil einer Bausparfinanzierung. Das Prinzip geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Damals hatten sich einige Bürger zusammengeschlossen da es für einzelne kaum möglich war, die Geldmittel für ein Haus ohne fremde Hilfe zu sparen. So zahlten also eine Gruppe von Bürgern monatlich in einen gemeinsamen Topf ein. Das gesparte entspricht einem Bausparvertrag. Als genug Geld für den Bau des ersten Hauses zusammen kam, erfolgte die Zuteilung an einen Sparer. Dies erfolgte meist nach einem Zufallsprinzip und wurde ausgelost. Zu diesem Zeitpunkt geht der Bausparvertrag für den neuen Hausbesitzer in ein Bauspardarlehen über. Er zahlt also weiterhin in den gemeinsamen Topf ein, um seine Schuld für das gebaute Haus zu begleichen. Sobald wieder genug Geldmittel für ein Haus angehäuft waren, erfolgte die nächste Zuteilung.

Hinweis: Die heutige Wartezeit bei der Bewilligung von Bauspardarlehen geht immer noch auf dieses Prinzip zurück.

Trotz dieser langen Geschichte würde ohne zwei wesentliche Änderungen der Bausparvertrag bestimmt nicht die aktuelle Popularität in unserer heutigen Zeit genießen:

  • Im Jahr 1973 kam der Zuschuss des Staates hinzu.
  • Das angesparte Kapital muss nicht mehr zwangsläufig für den Hausbau verwendet werden.

Die Förderung vom Staat wird jedes Jahr neu ausgeschrieben und beträgt zwischen 1,5 und 4%. 2017 beträgt die Prämie aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus 1,5%. Diese Prämie steht jedem österreichischen Staatsbürger für bis zu € 1.200,- pro Jahr zu . Deshalb werden Bausparverträge meist mit einer Höchstsumme von monatlich € 100,- angeboten. Es besteht die Möglichkeit mehr einzuzahlen, aber die staatliche Prämie gilt aber nur für diesen Anteil, wodurch die Privatinvestoren zusätzliches Kapital eher anders anlegen sollten.

Die Vertragslaufzeit eines Bausparvertrages beträgt 6 Jahre. Eine vorzeitige Auflösung ist möglich, bedeutet aber Zinsverluste, eine Rückabwicklung der Prämien und Bearbeitungsgebühren. Deshalb ist von der vorzeitigen Kündigung unbedingt abzuraten. Dabei wird immer weniger Kapital zurückerstattet als eingezahlt wurde. Wer jedoch die 6 Jahre klug voraus plant, kann mit einer attraktiven Verzinsung rechnen, obwohl die EZB Leitzinsen sich derzeit auf dem historischen Tiefststand von 0,00 % befinden.

Wie wird ein Bausparvertrag verzinst?

Die Verzinsung eines Bausparvertrages besteht aus zwei Teilen.

  1. Verzinsung durch die Bausparkasse
  2. staatliche Prämie für den Bausparvertrag
Bauspardarlehen
Für den Bau benötigt man angesparte Eigenmittel.

Die vier österreichischen Bausparkassen können sich hinsichtlich der Verzinsung unterscheiden, während die Prämie vom Finanzministerium jedes Jahr bindend festgelegt wird. Die Höhe der Zinsen hängt vom Hauptrefinanzierungssatz (Leitzins) ab, der wiederum den EURIBOR bestimmt. Da der Leitzins derzeit 0,00 Prozentpunkte beträgt, bieten die Bausparkassen sehr niedrige Mindestzinssätze an. Aus diesem Grund besitzt die staatliche Prämie derzeit eine viel höhere Bedeutung, da sie den Großteil der Rendite ausmacht.

Hinweis: Die Verzinsung der Bausparkassen unterliegt der österreichischen Kapitalertragssteuer (KESt). Diese beträgt 25% und wird am Ende der Laufzeit automatisch von den Bausparkassen vom Guthaben abgezogen.

Die staatliche Prämie 2017 von 1,5% p.a. wird zu der eigentlichen Verzinsung hinzu addiert und ist von der KESt. befreit. Variabel bieten die Bausparkassen in Österreich derzeit 0,2 % mit einem Zinstermin pro Jahr an. Hinzu kommen meist Bonuszinsen im ersten Vertragsjahr (zB 1,25 %), wodurch sich der effektive Zinssatz über die ganzen 6 Jahre hinweg noch um einige Zehntel erhöht. Nun kommt aber oben drauf noch die Zusatzprämie, wodurch sich eine Rechnung ergibt, die ungefähr folgendermaßen aussieht:

Effektive Jahresverzinsung: 0,7 %

Bausparprämie: 1,5 %

0,7 % – (0,25 * 0,7) + 1,5 % = 2,025 %

Diese einfache Berechnung zeigt, wie groß der Anteil des Zuschusses vom Staat an der gesamten Rendite ist. Im Vergleich zu diesem realistischen Wert wird Festgeld derzeit nur mit knapp unter 1,5 Prozent auf 6 Jahre verzinst. Dies unterstreicht, warum die Österreicher den Bausparer immer noch auf Platz 3 der beliebtesten Anlageformen (nach Wohnungen und Grundstücken) sehen. Selbst nachdem sich die Konditionen beim Bausparen in der aktuellen Niedrigzinsphase verschlechtert haben.

Hinweis: Berechnungen zu den aktuellen Bausparangeboten finden sich beim Rechner der Arbeiterkammer.

Wie sieht der Vergleich zu anderen Sparformen aus?

Die Möglichkeiten durch verschiedene Onlinesparformen sind mittlerweile sehr breit gefächert. Viele bieten bei kurzen Bindungen von 12 Monaten und weniger durchaus attraktive Zinsen an. Dennoch ist der Bausparvertrag mit der Prämie vom Staat sehr attraktiv verzinst, alleine schon durch die KESt Befreiung der Prämie. Das Problem der Niedrigzinsphase betrifft aber auch die Bausparverträge, sodass aktuell sehr niedrige Zinsen von unter 0,5% von den Bausparkassen auf variable Bausparverträge vergeben werden. Fix verzinst sind dies immerhin 2%, dazu kommt dann noch die staatliche Prämie.

Wer also sein Kapital länger als 12 Monate binden möchte, aber die langen Laufzeiten von Lebensversicherungen umgehen möchte, ist nach wie vor gut mit einem Bausparvertrag beraten.

Quellen:
www.geldmarie.at/…

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Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Gründer der OPTIFIN und Geschäftsführer einer Agentur hat er tagtäglich mit den Themen Immobilienfinanzierung und Finanzen zu tun. Er betreut und erstellt daher die Inhalte zu diesen Themen.

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