Überstunden

Das Wichtigste in Kürze
  • Überstundenarbeit liegt in Form des Arbeitszeitgesetzes dann vor, wenn in einer gesetzlich festgelegten Situation die täglich- und wöchentlich festgelegte Arbeitszeit überschritten wird
  • Die Verpflichtung zur Leistung von Überstunden muss im Dienstvertrag geregelt sein
  • Unter Überstundengrenzen versteht man Überstundenarbeit, die eine Tagesarbeitszeit von 12 Stunden sowie die Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden überschreitet.

Wie sind Überstunden definiert?

Eine Überstundenarbeit liegt in Form des Arbeitszeitgesetzes dann vor, wenn in einer gesetzlich festgelegten Situation die täglich- und wöchentlich festgelegte Arbeitszeit überschritten wird. Denn wird die Normalarbeitszeit überschritten, fallen entsprechende Überstunden an. So sieht das Arbeitszeitgesetz eine tägliche Normalarbeitszeit von acht Stunden sowie eine wöchentliche Normalarbeitszeit von 40 Stunden vor.

Allerdings sehen sogenannte Gesetz- und Kollektivverträge viele Ausnahmeregelungen vor. Damit legt der Gesetzgeber zum Beispiel fest, dass der Arbeitnehmer für eine erbrachte Leistung von geleisteten Überstunden demnach vergütet werden muss. Ebenso sollte man auch beachten, dass sich Gleitzeitguthaben übertragen lassen können, die wiederum nicht als Überstunden gelten. Zeitguthaben, die sich bei einer Durchrechnungsperiode entsprechend übertragen lassen, sind auch nicht als Überstunden zu bewerten.

Aber Achtung: 40 bzw. 8 Stunden Normalarbeitszeit können – natürlich im Rahmen der ge­setzlichen Möglichkeiten -unterschiedlich verteilt oder verlängert werden.

Kollektivvertrag und Arbeitsvertrag

Grundsätzlich gibt es vertragliche Verpflichtungen für die Leistung von Überstunden. Somit besteht nach der Rechtsprechung sowie der Lehre aus den gesetzlichen Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes in Österreich, mit der Ausnahme eines betrieblichen Notstandes, keinerlei Pflicht des Arbeitnehmers zu einer entsprechenden Leistung von Überstunden. Damit kann die Verpflichtung des Arbeitnehmers für die Leistung von Mehrstunden nur aus einer vertraglichen Pflicht heraus ergeben, die wiederum sowohl im Dienstvertrag, in einer entsprechenden Betriebsvereinbarung als auch in einem Kollektivvertrag enthalten sind.

Eine ordnungsgemäße Anordnung von einer Überstunde ist daher nicht nur voner einer vertraglichen Verpflichtung eines Arbeitnehmers für eine Überstundenleistung abhängig.

Hierbei sollte man unbedingt darauf zu achten, dass Mehrstunden:

  • rechtzeitig angeordnet sind
  • gesetzlich auch zulässig sind und daher nicht gegen festgelegte Höchstgrenzen im Rahmen der Arbeitszeit oder auch gegen Beschäftigungsverbote, wie zum Beispiel bei Schwangeren, verstoßen
  • für den Arbeitnehmer auch zumutbar sind und zum Beispiel nicht aufgrund familiärer Betreuungspflichten abgelehnt werden können
  • in Form vereinbarter Regelung auch geändert werden können. Hierbei sollte der Arbeitnehmer jedoch das Gespräch mit seinem Arbeitgeber suchen und eben nicht umgekehrt

Hierbei lohnt sich stets ein Blick in den Kollektiv- oder Dienstvertrag. Wenn man sich unsicher ist, kann ein Gespräch mit dem Arbeitgeber auch helfen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, angefallene Mehrstunden schnellstmöglich geltend zu machen, bevor ein Anspruch bezüglich der Verfallsfrist plötzlich erlischt.

Überstundengrenzen

Unter Überstundengrenzen versteht man Überstundenarbeit, die eine Tagesarbeitszeit von 12 Stunden sowie die Wochenarbeitszeit von mehr als 60 Stunden überschreitet. Hortet zum Beispiel ein Arbeitgeber wegen  erhöhtem Arbeitsbedarf entsprechende Überstunden an, die wiederum dazu führen, dass eine Tagesarbeitszeit mehr als insgesamt 12 Stunden- oder Wochenarbeitszeit in Summe mehr als 60 Stunden beträgt, darf wiederum ein Arbeitnehmer diese Überstunden ohne eine Begründung ablehnen.

Grundsätzlich darf die wöchentliche Arbeitszeit im Durchschnitt von insgesamt 17 Wochen 48 Stunden dabei nicht überschreiten.

Sollte eine Überschreitung der oberen Stundengrenze stattfinden, ist dies trotzdem unter gewissen Voraussetzungen, sowie auch nur in Ausnahmefällen möglich. Diese Zustimmung ist jedoch nur in Zusammenhang mit einer Bereitschaft des Mitarbeiters und durch eine Genehmigung des Arbeitsinspektorats möglich.

Wenn auf Grund von dringenden Bedürfnissen ein Zusatz an Arbeitskräften besteht, kann der Arbeitgeber einen bestimmten Antrag bei einem Arbeitsinspektorat auf eine Zulassung von Überstunden stellen. Dabei ist es für den Arbeitnehmer sehr wichtig, absolut sicher zu sein, wann gewisse Überstunden geleistet werden und in welcher Form diese im gesetzlichen Rahmen grundsätzlich zulässig sind.

Dabei ist es empfehlenswert, das Gespräch mit der Arbeiterkammer oder auch einem Rechtsberater zu suchen, um sich exakt über dieses Thema zu erkundigen und dabei auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Überstundenauszahlung oder Zeitausgleich

Grundsätzlich werden Überstunden bezahlt. Wenn man jedoch etwas anderes vereinbart hat, bekommt man statt mehr Lohn entsprechend Freizeit dafür. Ebenso ist auch eine Kombination möglich, wie zum Beispiel, dass eine Grundstunde bezahlt wird. Für den Zuschlag wiederum bekommt man dann einen Zeitausgleich. So kann die Vereinbarung, ob es am Ende Geld oder Freizeit ist, auch schriftlich oder mündlich fixiert werden.

Sollte man beispielsweise ein Jahr lang einen Zeitausgleich für vorhandene Überstunden bekommen haben, kann man für den Ausgleich nicht plötzlich eine Bezahlung verlangen. Das hätte man vorher mit dem Arbeitgeber ausmachen müssen. Wenn man bereits zehn Stunden pro Tag oder auch 50 Stunden pro Woche gearbeitet hat und dazu noch weitere Mehrstunden an dem jeweiligen Tag der Woche leistet, kann für diese Mehrstunden einseitig festgelegt werden, ob man Zeitausgleich oder Geld haben möchte.

Wichtig ist, dass man seinem Arbeitgeber die richtige Wahl sehr frühzeitig mitteilt. Spätestens jedoch zum Ende eines Abrechnungszeitraums.

Wie wird eine Überstunde ausgezahlt und gibt es steuerliche Nachteile?

Für jede Überstunde erhält man in der Regel einen Zuschlag von 50 Prozent. Dabei ist es vollkommen egal, ob ein Zeitausgleich stattfindet oder eine Überstunde ausbezahlt wird. Bei einem Zeitausgleich bekommt man daher pro Überstunde insgesamt 1,5 Stunden Zeitausgleich. In sehr vielen Kollektivverträgen sind zum Beispiel für Feiertags-, Nacht- und Sonntagsarbeit deutlich höhere Zuschläge vorgesehen.

Eine Vereinbarung, dass Mehrstunden in einem Verhältnis von 1:1 abzugelten sind, ist dabei verboten. Hat man eine solche Vereinbarung dennoch geschlossen, muss der Arbeitgeber trotzdem den gesetzlichen Überstundenzuschlag entsprechend bezahlen oder mehr Zeitausgleich zulassen.

Je nach gewissen Voraussetzungen kann eine Bezahlung von Überstunden ebenso auch steuerfrei erfolgen, was jedoch auch abhängig von einem Jahreseinkommen sein kann. Sollte dabei ein Jahresbruttoeinkommen nach Abzug von den Sozialversicherungsbeträgen die Summe von insgesamt 11.000 Euro dabei nicht übersteigen, sind damit auch Mehrstunden und bezahlte Überstundenzuschläge komplett steuerfrei. Ist ein Lohn höher als 11.000 Euro, sind wiederum die ersten zehn Überstundenzuschläge pro Monat steuerfrei. Für mehr Details rund um das Thema Steuern sowie Überstunden sollte man einen Steuerberater befragen oder man erkundigt Sie sich bei dem Betriebsrat. Man kann ebenso vorenthaltene Zuschläge nachfordern, sofern die Forderung nicht verfällt oder sogar verjährt.

Überstundenpauschale

Die Pauschale von Mehrstunden soll eine durchschnittlich anfallende Überstunde komplett abdecken. Wenn man im Schnitt in einem längeren Zeitraum mehr Mehrstunden gearbeitet hat, als eine Pauschale möglicherweise abdeckt, muss dafür gesondert Freizeit oder Geld gegeben werden. Wenn man jedoch im Durchschnitt viel weniger Überstunden leistet, darf daher eine Überstundenpauschale in keiner Weise gekürzt werden, da die Überstundenpauschale ein gewisser Bestandteil eines Entgelts ist. Die Pauschale darf von einem Arbeitgeber weder einseitig gekürzt noch annähernd aufgehoben werden, sofern auch nichts Weiteres vereinbart wurde.

Ebenso ist es wichtig, die Arbeitszeiten und Pausen genau zu dokumentieren, wenn keine andere Zeitmessung, wie zum Beispiel eine Stechuhr, vorhanden ist. So ist es der Sinn und Zweck einer Überstundenpauschale, die durchschnittlichen Überstunden einfach abzudecken. Das ist vor allem dann sinnvoll und erforderlich, wenn ein Arbeitnehmer innerhalb eines längeren andauernden Zeitraums über einige Monate hinweg deutlich mehr Mehrstunden geleistet hat und damit die Pauschale von den geleisteten Überstunden in keiner Weise abdeckt. Bei solchen Fällen muss ein Arbeitnehmer mit mehr Geld oder auch Freizeit gut belohnt werden. Dieses folgt aus der jeweils getroffenen Absprache in Bezug auf entgeltliche Vergütung oder einen Zeitausgleich. Alternativ wäre auch eine Kombination möglich. Dabei ist für den Arbeitnehmer besonders interessant, dass in der Regel weniger Arbeitsstunden geleistet werden, sofern auch eine Kürzung von Überstundenpauschalen vorgenommen werden.

Grundsätzlich ist die Pauschale Bestandteil von dem Entgelt. Denn nur auf diese Weise kann man kontrollieren, ob Überstunden richtig bezahlt wurden. So ist eine Arbeitszeitaufzeichnung vor Gericht immer ein Beweismittel. Damit es wiederum mit einer Zeitaufzeichnung deutlich leichter geht, gibt es bezüglich der Zeiterfassung mittlerweile viele kostengünstige Alternativen.

Um als Arbeitnehmer am Ende wirklich genau prüfen zu können, ob ein Arbeitgeber seiner Pflicht einer entsprechenden Mehrvergütung von 50 Prozent für Mehrstunden in der Tat nachkommt, sollte ein er dringend dokumentieren, wann mögliche Überstunden geleistet wurden. Das Notieren der Arbeitszeit sowie der Pausen ist oftmals noch sicherer, wenn diese regelmäßig aufgeschrieben werden. Gerade wenn es im Zweifelsfall wischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu Streitigkeiten kommt, ist eine Aufzeichnung der Zeiten ein sicheres Beweismittel.


Weitere Informationen: https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitszeit/SonderformenderArbeitszeit/Ueberstunden.html
https://www.derstandard.at/story/2000052547498/resturlaub-und-ueberstunden-was-wenn-der-arbeitgeber-nicht-bezahlt
Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.

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