Pflegegeld

 

Das Wichtigste in Kürze
  • Durch das Pflegegeld werden pflegebedingte Mehraufwendungen teilweise pauschal abgegolten.
  • Das Pflegegeld unterliegt NICHT der Einkommensteuer.
  • Die Höhe des Pflegegelds ist abhängig vom jeweiligen Pflegebedarf, dieser wird durch einen medizinischen Gutachter bewertet.
  • Um die Höhen der Auszahlungen einzuteilen, wird das Pflegegeld – je nach Pflegebedarf – in sieben Stufen gegliedert.

Das Pflegegeld in Österreich dient dazu, dass sich pflegebedürftige Menschen möglichst selbst nach ihren Bedürfnissen organisieren können und dabei die notwendige Betreuung erhalten. Es handelt sich um eine zweckgebundene Leistung, durch die pflegebedingte Mehraufwendungen teilweise pauschaliert abgegolten werden.

Pflegegeld
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Das Pflegegeld stellt keine Einkommenserhöhung dar, die tatsächlichen Pflegekosten übersteigen das gewährte Pflegegeld in den meisten Fällen. Man kann also behaupten, dass es sich beim Pflegegeld nur um einen pauschalierten Beitrag zur Abdeckung der anfallenden, erforderlichen Pflege handelt. Es soll betroffenen, pflegebedürftigen Menschen die Möglichkeit geben, in gewisser Weise unabhängig zu bleiben und den (längeren) Verbleib in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten.

Die Auszahlung des Pflegegeld erfolgt monatlich zwölfmal im Jahr und unterliegt nicht der Einkommensteuer.

Wie erhalte ich Pflegegeld?

Der Erhalt und auch die Erhöhung von Pflegegeld muss beim zuständigen Versicherungsträger beantragt werden.
Eine Ausnahme besteht nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit. In diesen Fällen kann die zuständige Unfallversicherungsanstalt ein Verfahren einleiten und den Antrag stellen.

Wann habe ich Anspruch auf Pflegegeld?

Ein Anspruch auf Pflegegeld kann in folgenden Fällen beantragt werden:

  • beim Beziehen einer Vollrente aus der Unfallversicherung
  • beim Beziehen einer Pension aus der gesetzlichen Sozialversicherung
  • beim Beziehen eines Ruhe- oder Versorgungsgenusses

Weiters müssen diese Voraussetzungen gegeben sein:

  • ständiger Betreuungs- und Hilfebedarf aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung oder einer Sinnesbehinderung mit einer voraussichtlichen Dauer von mindestens sechs Monaten
  • Bedarf der Pflege von mehr als 50 Stunden pro Monat
  • gewöhnlicher Aufenthalt in Österreich

Monatliche Zeitwerte für Betreuungsmaßnahmen

Im folgenden sind die zu berücksichtigenden Leistungen und deren zuerkannter Pflegebedarf aufgelistet:

  • An- und Auskleiden: 20 h
  • Zubereiten von Mahlzeiten: 30 h
  • Einnahme von Mahlzeiten: 30 h
  • Tägliche komplette Körperpflege: 25 h
  • Einnahme von Medikamenten: 3 h
  • Entleerung / Reinigung des Leibstuhls: 10 h
  • Motivationsgespräche: 10 h
  • Reinigung bei Inkontinenz: 20 h
  • Teilverrichtung Körperpflege: 4 h
  • Verrichtung der Notdurft: 30 h

Für folgende Hilfsverrichtungen werden monatlich jeweils zehn Stunden berücksichtigt:

  • Begleitung Amtswege oder Arztbesuche
  • Wohnung reinigen
  • Beschaffung von Heizmaterial
  • Wohnraum beheizen
  • Beschaffung von Nahrungsmitteln, Bedarfsgütern und Medikamenten
  • Wäsche waschen

Die Höhe des Pflegegeldes (Stand 2019)

Die Höhe des Pflegegeldes wird in Österreich je nach Pflegebedarf und unabhängig von der Ursache der Bedürftigkeit, in sieben Stufen gewährt. Das heisst, die Höhe richtet sich immer nach dem Pflegebedarf, dieser wird jedoch erst ab einem Pflegeaufwand von 65 Stunden im Monat berücksichtigt.

Die Zuordnung zu einer Stufe erfolgt durch einen medizinischen Gutachter. Ein Arzt beurteilt bei einem Hausbesuch bei der pflegebedürftigen Person den Schweregrad der Einschränkung.

PflegestufePflegebedarfPflegegeld
Stufe 1über 65 Stunden/Monat€ 157,30
Stufe 2über 95 Stunden/Monat€ 290,00
Stufe 3über 120 Stunden/Monat€ 451,80
Stufe 4über 160 Stunden/Monat€ 677,60
Stufe 5außergewöhnlicher Pflegeaufwand€ 920,30
Stufe 6über 180 Stunden/Monat und zeitlich unkoordinierbare Betreuungsmaßnahmen und dauernde Anwesenheit einer Pflegeperson€ 1.285,20
Stufe 7Bewegungsunfähigkeit€ 1.688,90

Bestimmte Personen erhalten auch ohne Prüfung des Pflegebedarf eine Mindesteinstufung:

  • Rollstuhlfahrer (Stufe 3-5)
  • Personen mit einer hochgradigen Sehbehinderung (Stufe 3)
  • blinde Personen (Stufe 4)
  • taubblinde Personen (Stufe 5)

Pflegegeld für behinderte Kinder

Nicht nur alte, betreuungsbedürftige Menschen werden durch das Pflegegeld in der Betreuung unterstützt. Die Sozialleistung gilt auch für die Pflege und Betreuung eines behinderten Kindes.

Pflegeleistungen werden bis zum 15. Lebensjahr nur berücksichtigt, wenn diese über das Ausmaß von gleichaltrigen, gesunden Kindern hinausgehen.
Ein von der Entwicklung abhängiger Pflegebedarf (beispielsweise das Anziehen eines dreijährigen Kindes) wird bei der Beurteilung dementsprechend nicht berücksichtigt.

Altersgrenzen für den anzunehmenden natürlichen Pflegebedarf:

  • Mobilitätshilfe ab dem vollendeten 18. Lebensmonat
  • Einnehmen von Mahlzeiten ab dem vollendeten 3. Lebensjahr
  • Verrichtung der Notdurft ab dem vollendeten 4. Lebensjahr
  • An- und Auskleiden ab dem vollendeten 5. Lebensjahr
  • Tägliche Körperpflege ab dem vollendeten 7. Lebensjahr
  • Zubereitung von Mahlzeiten ab dem vollendeten 12. Lebensjahr

Pauschale Erschwerniszulage für schwerstbehinderte Kinder:

  • 50 Stunden: vom 1. bis zum 7. Lebensjahr
  • 75 Stunden: vom 7. bis zum 15. Lebensjahr
  • 20 Stunden: ab dem vollendeten 15. Lebensjahr

Liegen zumindest zwei Funktionsstörungen vor, wird ein pauschaler Erschwerniszuschlag in der Höhe von 50 Stunden pro Monat für die Pflege eines schwerstbehinderten Kindes bis zu dessen siebten Geburtstag gewährt. Im Anschluss werden 75 Stunden bis zum 15. Geburtstag berücksichtigt.

Christina Weiß

Christina Weiß

Als ausgebildete Marktkommunikatorin befasst sich Christina seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von optimalen Inhalten. Im Besonderen spezialisierte sie sich dabei auf das Texten von Finanz- und Rechtstexten, bei welchen ihr das wirtschaftliche Interesse, eine schnelle Auffassungsgabe und ihre klar strukturierte Arbeitsweise zugute kommen.

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