Mobbing am Arbeitsplatz

Das Wichtigste in Kürze
  • Mobbing jedoch beginnt an der Stelle, wo konstruktive Kritik aufhört und die Person zur Zielscheibe für Erniedrigungen und Schikanen, oder sogar Beschimpfungen wird.
  • Mobbing am Arbeitsplatz ist unter bestimmten Umständen strafbar.
  • Mobbing kann altersabhängig sein. Im Durchschnitt werden 18-44 Jährige weniger gemobbt (20,6%) als Personen im Alter von 45-55+ (27,3).

Mobbing am Arbeitsplatz gilt als Tabuthema. Welcher Mitarbeiter gibt schon gern zu, dass er sich im Betrieb aufgrund anderer unwohl fühlt? Welcher Arbeitgeber gesteht sich gern ein, dass das Arbeitsklima in seinem Betrieb schlecht ist?
Eine aktuelle Studie, in der 500 Personen befragt wurden, besagt, dass zwei von drei Österreichern bereits Mobbing am Arbeitsplatz erlebt haben. Aber wo hört Kritik auf, und wo beginnt Mobbing?

Infografik_Mobbing

Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Mobbing nicht nur unfair, sondern auch strafbar ist.

Im Folgenden wird aufgeführt, welche Rechte man als betroffener Arbeitnehmer hat, wie man auf Mobbing in seinem Unternehmen reagieren sollte und wo Betroffene Hilfe finden können.

Was versteht man unter Mobbing am Arbeitsplatz?

Natürlich kann es in jedem Betrieb zu Meinungsverschiedenheiten und Konflikten kommen. Das ist grundsätzlich auch nichts schlechtes, schließlich ist es nur verständlich, dass es bei der vielen Zeit, die man während der Arbeit miteinander verbringt, auch zu Auseinandersetzungen kommen kann.

Also wann spricht man von Mobbing? Gilt es bereits als Mobbing, wenn einen der Chef nie ausreden lässt, oder ein Kollege jemanden wie Luft behandelt, sich gegenüber anderen aber normal verhält? So manche professionelle Kritik kann ja für einen Arbeitnehmer ganz hilfreich sein.

Mobbing jedoch beginnt an der Stelle, wo konstruktive Kritik aufhört und die Person zur Zielscheibe für Erniedrigungen und Schikanen, oder sogar Beschimpfungen wird.

Nicht nur das Schikanieren mit Worten oder das Verbreiten von Gerüchten zählt zum Mobbing, ebenso das Zuteilen von nicht angemessenen und sinnlosen Aufgaben oder wenn der Mitarbeiter bewusst vom Arbeitsalltag ausgeschlossen wird. Dabei kann das Mobbing von einer Einzelperson oder einer Gruppe von Personen ausgehen.

Wen trifft’s und warum?

Mobbing am Arbeitsplatz kann Menschen aus allen beruflichen Schichten treffen. Das bedeutet, es kann sowohl den Angestellten, als auch Führungskräfte und Vorgesetzte zuteilwerden.

Wird man als Arbeitnehmer von einem Vorgesetzten gemobbt, handelt es sich um “Bossing”.
Spielen Mitarbeiter dem Arbeitgeber böse mit, so spricht man vom sogenannten “Staffing”.

Die Gründe des Mobbings werden in den seltensten Fällen ausgesprochen, und vielen Opfern ist gar nicht bewusst, warum sie so behandelt werden.
Kollegen von Mobbingopfern wissen oft nicht, wie sie darauf reagieren sollten, vor allem wenn es sich beim “Mobber” um den Chef handelt. In diesem Fall fällt es besonders schwer, dem Kollegen zu helfen und die Angst groß, selbst zum nächsten Opfer zu werden.

Infografik_Mobbing_Verhalten

Oft sind Leute verunsichert, haben Angst die Situation falsch zu verstehen und wollen sich nicht einmischen und gar blamieren. Häufig sind unklare Hierarchien oder unfaire Kompetenzverteilungen Gründe für Verunsicherung und Frustration in der Belegschaft. Diese Frustration gepaart mit Leistungsdruck oder Konkurrenzverhalten innerhalb eines Unternehmens, kann schnell zum Keimboden für unangebrachtes und schikanierendes Verhalten werden.

Österreichische Studien zeigen schockierende Ergebnisse bei Befragungen zum Thema Mobbing. So gaben beispielsweise 58,4% der Befragten an, dass Mobbing am Arbeitsplatz für sie kein Problem sei.
Gleichzeitig waren zwei Drittel der österreichischen Erwerbstätigen schon selbst Opfer oder Täter.

In vielen Fällen wird versucht, einen Mitarbeiter bewusst aus dem Unternehmen zu drängen. Geht es darum Leute loszuwerden, wird dies “wirtschaftliches Mobbing” genannt.
Studien bestätigen, dass sich diese absichtliche Vertreibung aus der Firma vor allem gegen ältere Mitarbeiter richtet und sich auf Kosteneinsparungen begründet.

Mobbing kann altersabhängig sein. Im Durchschnitt wurden 18-44 Jährige weniger gemobbt (20,6%) als Personen im Alter von 45-55+ (27,3).

Bossing – wenn der Vorgesetzte mobbt

Insbesondere wenn einen der Arbeitgeber ungerecht behandelt, ist es für die Betroffenen schwer, sich dagegen zu wehren. Dabei ist es völlig normal, dass man mit seinem Vorgesetzten nicht immer einer Meinung ist.

Hat man aber über einen längeren Zeitraum das Gefühl, nicht ernst genommen und ungerecht behandelt zu werden, oder verhält sich der Chef im Beisein anderer nicht professionell oder gar erniedrigend, ist das nicht nicht in Ordnung und muss auf jeden Fall angesprochen werden.

Rund 40% aller Mobbingfälle werden vom Vorgesetzten verübt.

Vor allem wenn die Schikane Auswirkungen auf die tägliche Arbeit hat, wird es problematisch. In vielen Fällen werden andere Mitarbeiter auffallend bevorzugt, interessante Aufgaben werden grundsätzlich an andere vergeben, oder dem Opfer sogar weggenommen. Stattdessen wird der Mitarbeiter mit sinnlosen oder sogar unangenehmen Aufgaben eingedeckt.

Ereignen sich solche Demütigungen von Seiten des Chefs auf täglicher Basis über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, handelt es sich auf jeden Fall um Mobbing.

Warum tut der Chef das?

In den seltensten Fällen ist der Grund persönliche Antipathie. Vielmehr muss man bedenken, dass es sich beim Vorgesetzten auch nur um einen Menschen handelt, mit eigenen Problemen, Frustrationen und Verunsicherungen. Keiner kann in einen anderen hineinsehen, und so kann es auch sein, dass es überhaupt nichts mit dem Opfer an sich zu tun hat, sondern dieses vielmehr als (Frust-) Ventil herhalten muss.

Auch in der Chefetage kann es nämlich häufig zu Verunsicherungen oder Ängsten aufgrund von Leistungsdruck kommen. Wer möchte beruflich denn keine gute Figur machen? Manche Arbeitgeber wollen mit ihrem Verhalten auch nur garantieren, dass sie in ihrem Unternehmen ernst genommen (oder sogar ein wenig gefürchtet) werden.
Auffällig ist, dass insbesondere die “High-Potentials” ein hohes Risiko haben, an Burnout zu leiden.

Kommt man in die Situation, als Opfer oder Beobachter, dass ungerechtes Verhalten vom Arbeitgeber ausgeht, sollte dies also nicht nur auf einen selbst bezogen werden. Vielmehr sollte man daran denken, dass hinter dem Vorgesetzten auch ein Mensch steckt, dem man aufzeigen muss, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist.

Mobbing erkennen

Mobbing kann sich auf verschiedenen Ebenen äußern. Es kann damit beginnen, ständig unterbrochen oder ignoriert zu werden, und damit enden, dass einem körperliche Gewalt angedroht oder angetan wird.

Als Mobbing betrachtet man z.B.:

  • Behindern der Kommunikation → z.B. nicht ausreden lassen
  • Schädigung des sozialen Ansehens → z.B. durch Verbreitung von Gerüchten zur Rufschädigung
  • Angriffe der Menschenwürde → z.B. durch sexuelle Belästigung oder anzügliche Bemerkungen
  • Schädigung der Gesundheit → z.B. durch Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Berufliche Erniedrigung → z.B. durch das Zuteilen von sinnlosen Aufgaben oder das Ausschließen von interessanten Projekten
  • Schädigung von sozialen Beziehungen → z.B. durch konsequentes Ignorieren

Gesundheitliche Folgen von Mobbing

Mobbing kann grundsätzlich ernsthafte Folgen für die Gesundheit mit sich ziehen. Meist fängt es damit an, dass der Betroffene nur mehr ungern in die Arbeit geht. Daraus kann sich eine regelrechte Angststörung entwickeln, diese gehen sehr oft mit körperlichen Leiden wie Magenproblemen, Kopfschmerzen oder sogar Herz-Kreislauf-Beschwerden einher.

Insbesondere auf der seelisch-psychischen Ebene kann Mobbing zu massiven Auswirkungen führen. Viele Betroffene entwickeln Schlafstörungen oder fallen durch die permanente Belastung in eine Depression. Im schlimmsten Fall wird der Leidende arbeitsunfähig oder reagiert auf entsprechende Situationen mit Panikattacken.

Neben der Flucht in den Krankenstand wissen sich viele Betroffene auch nur mehr mit dem Verlassen der jeweiligen Firma zu helfen.

75,4% der Befragten meinen, sie würden das Unternehmen verlassen wenn sie gemobbt werden würden oder ein schlechtes Arbeitsklima aufgrund einer Mobbingkultur herrscht.

Vom Mobbing in den Krankenstand

Mobbing gilt zwar an sich nicht als Grund um sich krankschreiben zu lassen, die daraus entstehenden psychischen oder körperlichen Folgen für die Gesundheit jedoch schon. Es werden daher viele Mobbing-Opfer aufgrund akuter Angst- und Erschöpfungszustände in den Krankenstand geschickt.

22,2% der Befragten würden dem Mobbing-Problem aus dem Weg gehen, indem sie sich krankschreiben lassen.

Zu Bedenken ist, dass während des Krankenstand dieselben Bestimmungen und Fristen gelten wie sonst auch. Das bedeutet, dass auch in hier kein Kündigungsverbot im Krankenstand besteht! Ab dem vierten Tag im Krankenstand hat man ein Anrecht auf Krankengeld.

Mobbing ist strafbar

In Österreich ist Mobbing im öffentlichen Dienst laut Beamtendienstrecht nicht nur verboten, es ist sogar strafbar. Wird gegen das Verbot verstoßen, ist die zuständige Dienstbehörde verpflichtet, dem Vorwurf nachzugehen und entsprechende Konsequenzen in die Wege zu leiten.

Wie diese Maßnahmen aussehen, ist nicht festgelegt, es kann sich auch lediglich um eine Belehrung oder Ermahnung des Angreifers handeln. Allerdings ist Mobbing im öffentlichen Dienst auch ein ausreichender Grund um das Dienstverhältnis sofort zu beenden.

In der Privatwirtschaft können Tatbestände wie Belästigung, Diskriminierung oder üble Nachrede zwar strafrechtlich verfolgt werden, es wird aber von Einzelfall zu Einzelfall genau geprüft, ob dieses Verhalten als Mobbing einzustufen ist.

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofes besagt jedoch, dass Mobbing als Dienstpflichtverletzung zu werten ist und sehr wohl einen potenziellen Entlassungsgrund darstellt.

Was kann man gegen Mobbing tun?

Jeder kann Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz werden. Mobbingopfer sollten sich klare Grenzen ziehen. Gedanken wie “Ich bin selbst schuld” oder “Ich bin vielleicht einfach nicht gut genug” muss man aus dem Kopf streichen. Man sollte sich nicht in die Opferrolle einleben.

Stattdessen sollte Kontakt zum Arbeitgeber aufgenommen und ein Gespräch gesucht werden. Im Falle von Bossing ist es ratsam, sich an eine vertrauenswürdige Person zu wenden (Betriebsrat, Betriebsarzt oder das Personalmanagement).

Ist man nicht sicher, wie man das Verhalten des Chefs oder der Kollegen einschätzen soll und ob es sich tatsächlich um Mobbing handelt, kann einem die Mobbing-Checkliste der Arbeiterkammer möglicherweise weiterhelfen. Auch wenn dieser Test nicht beweiskräftig ist, kann er einen ersten Anhaltspunkt bieten. Spricht man das Mobbing-Thema in der Firma an, und es entstehen daraus Probleme, die zum Verlust des Jobs führen können, sollte unbedingt Kontakt zur Arbeiterkammer aufgenommen werden!

Es empfiehlt sich ebenfalls, ein Mobbing-Tagebuch zu führen. In diesem Tagebuch hält man alles fest, was man selbst als Angriff empfindet- mit dem Datum, der Uhrzeit und dem Ort des Geschehens. Mögliche Zeugen des Vorfalls sollten ebenfalls notiert werden.
Im Anschluss kann man mit einem Dritten (beispielsweise mit dem Partner) die jeweilige Situation besprechen und überprüfen, ob diese Person die Situation gleich wahrnimmt.
Das Mobbing-Tagebuch kann ebenfalls ein wichtiges Beweismittel sein. Man kann damit im Zweifel immer nachweisen, dass diese Angriffe kontinuierlich passiert sind.

Vor allem wenn eine andere Person versucht, deinen Selbstwert zu schwächen, sollte man selbst vermehrt daran arbeiten diesen zu stärken. In seiner Freizeit sollte man sich mit Personen und Dingen umgeben, die einem gut tun und Freizeitaktivitäten wählen, die einem Freude bereiten.

Ja nach dem individuellen Bedürfnis kann es erforderlich sein, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder über eine Auszeit nachzudenken. Ein Lebens- und Sozialberater kann Betroffenen helfen, besser mit Mobbing-Situationen umzugehen oder Konflikte zu lösen.
All diese Maßnahmen sind jedoch nur dann hilfreich, wenn sich auch an der Arbeitsplatzsituation etwas verändert.

Christina Weiß

Christina Weiß

Als ausgebildete Marktkommunikatorin befasst sich Christina seit einigen Jahren intensiv mit der Erstellung von optimalen Inhalten. Im Besonderen spezialisierte sie sich dabei auf das Texten von Finanz- und Rechtstexten, bei welchen ihr das wirtschaftliche Interesse, eine schnelle Auffassungsgabe und ihre klar strukturierte Arbeitsweise zugute kommen.

Hinweis:

Der Artikel wurde sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte und weiterführenden Links übernommen werden.

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