Krankenstand

Das Wichtigste in Kürze
  • Im Krankheitfall ist der Arbeitnehmer verpflichtet seinen Arbeitgeber unverzüglich (sobald er merkt, dass er nicht arbeiten gehen kann) darüber zu informieren.
  • Es reicht wenn der Arbeitgeber telefonisch oder per Mail über den Krankenstand informiert wird.
  • Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet dem Arbeitgeber den Grund seiner Arbeitsunfähigkeit mitzuteilen.

Krankenstand

Jeden Arbeitnehmer überkommt im Laufe seines Arbeitslebens ein eventuelles Unwohlsein, eine Grippe, oder auch eine ernstere Erkrankung, die es unmöglich macht, seiner beruflichen Tätigkeit nachzugehen. In diesem Fall ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinen Arbeitgeber unverzüglich über die Arbeitsverhinderung zu informieren. Im Anschluss sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen und sich krankschreiben lassen.

Mit „unverzüglich“ ist der Zeitpunkt gemeint, an dem der Arbeitnehmer merkt, dass er nicht im Unternehmen erscheinen, bzw. seiner Tätigkeit nachgehen kann. In der Regel ist das am Morgen des Arbeitstages, an dem er nicht arbeiten kann.

Wie muss eine Krankenstandsmeldung erfolgen?

Es reicht aus, seinen Arbeitgeber telefonisch oder per Mail über die Arbeitsverhinderung in Kenntnis zu setzen. Wie man seinen Vorgesetzten informiert, hängt dabei auch von den Gepflogenheiten im jeweiligen Unternehmen ab. Wichtig ist jedoch, dass der Arbeitnehmer im Streitfall nachweisen kann, dass er seinen Arbeitgeber umgehend informiert hat.

Der Arbeitgeber hat das Recht, eine Bestätigung des Krankenstands zu verlangen – selbst wenn man sich nur einen Tag im Krankenstand befindet. Man sollte daher auf jedem Fall gleich zu Beginn des Krankenstands – wenn möglich am ersten Tag – zum Arzt gehen.

Auch wenn in der Krankenstandsbestätigung die Ursache der Arbeitsunfähigkeit angeführt sein muss, bedeutet das nicht, dass man seinem Arbeitgeber den genauen Grund seiner Krankheit (Diagnose) mitteilen muss! Dieser muss lediglich darüber informiert werden, ob man krank ist oder einen Unfall hatte.

Krankmeldung/ Bestätigung vom Arzt- Wann ist sie nötig?

In Österreich ist es verpflichtend, seinem Arbeitgeber spätestens am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit eine vom Arzt bestätigte, schriftliche Bescheinigung vorzulegen, auf der man den genau definierten Beginn der Arbeitsunfähigkeit erkennt. Ebenso muss der voraussichtliche Zeitraum, in welchem der Krankenstand fortbesteht bzw. welchen die Erkrankung bis zur Genesung und Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit benötigt, ersichtlich sein.

Genaueres zum gesundheitlichen Zustand oder über die Krankheit des Arbeitnehmers muss dem Arbeitgeber lauf österreichischer Gesetzgebung nicht mitgeteilt werden.

Nach angemessener Zeit kann der Arbeitgeber erneut eine Krankenstandsbestätigung verlangen, in der Beginn, voraussichtliche Dauer und Ursache der Verhinderung angeführt sein müssen.

Unbedingt der Meldepflicht nachkommen

Kommt man seiner Melde- und Nachweispflicht bezüglich des Krankenstands nicht nach, so verliert man für die Dauer seiner Säumnis den Anspruch auf Entgelt. Das bedeutet, der Arbeitgeber muss keinen Lohn bezahlen, solange man nicht krank gemeldet wurde. Ein Arbeitgeber darf das Arbeitsverhältnis jedoch nicht fristlos beenden wenn der Arbeitnehmer seiner Meldepflicht nicht nachkommt.

Kündigung im Krankenstand

Als Arbeitnehmer ist man während der Zeit im Krankenstand nicht davor geschützt, entlassen zu werden. Dies ist einer der Gründe dafür, warum viele Arbeitnehmer auch krank zur Arbeit gehen. Im Falle einer Kündigung im Krankenstand sind jedoch dieselben Fristen einzuhalten, wie sonst auch.

Der Arbeitgeber muss aufgrund gesetzlicher Bestimmungen das Entgelt weiterzahlen, sofern von Seiten des Arbeitnehmers Anspruch besteht. Dieser Umstand führte in der Praxis häufig dazu, dass das Unternehmen einvernehmliche Lösungen mit dem erkrankten Arbeitnehmer suchte, um sich von der Verpflichtung der Lohnfortzahlung zu befreien. Seit 2018 ist es jedoch so, dass der Arbeitgeber auch im Falle einer einvernehmlichen Lösung das Entgelt weiterzahlen muss.

Bei einer einvernehmlichen Lösung erhält man zwar ab dem vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit Krankengeld von der Krankenkasse ausgezahlt, dieses ist mit einem Höchstausmaß von 60% des letzten vollen Einkommens allerdings kein voller Lohnersatz.


Verhalten im Krankenstand

Im Krankenstand darf all das gemacht werden, was einer schnellen Genesung dienlich ist. Ob eine Erkrankung vorliegt, entscheidet letztlich immer der behandelnde Arzt und ist daher seitens des Arbeitgebers nicht in Frage zu stellen. Dennoch ist der Arbeitnehmer dazu verpflichtet, nichts zu tun, was die Genesung verzögern oder gar verhindern könnte.

Ein leichter Spaziergang an der frischen Luft bei einer viralen Erkältung ist der Heilung sicher zuträglich und seitens der Gesetzgebung erlaubt. Ist jemand krankgeschrieben und geht stattdessen ins Schwimmbad und wird dabei von Kollegen gesehen, stärkt das sicher nicht das Vertrauensverhältnis und er kann im schlimmsten Fall sogar durch den Arbeitgeber entlassen werden. Ist derjenige jedoch aufgrund einer seelischen Erkrankung arbeitsunfähig, so kann ein Besuch im Schwimmbad durchaus der Genesung zuträglich sein.

Grundsätzlich ist das Verlassen des Hauses auf die der zur Genesung beitragenden Aktivitäten zu beschränken, wie beispielsweise der Gang zum Arzt oder zur Apotheke. Ebenso gibt es keinen Anlass dazu, einen Einkauf von Lebensmitteln zu untersagen.

Schlussendlich entscheidet der behandelnde Arzt, was der Arbeitnehmer im Zweifelsfall tun darf, um sich möglichst zeitnah von seinem Krankenstand zu erholen und seine Arbeit wieder aufzunehmen.

Möchte man sich abseits seines Hauptwohnsitzes erholen, dann ist man verpflichtet, dies seinem Arzt mitzuteilen.
Bei einem Aufenthalt während eines Krankenstands in einem anderen Bundesland oder gar im Ausland ist der Arbeitnehmer dazu angehalten und verpflichtet, die Zustimmung seiner Krankenkasse einzuholen.

Was tun, wenn das Kind krank ist?

Bei einer Vielzahl an möglichen Erkrankungen, ist es dem Arbeitnehmer erlaubt, sein Kind zuhause zu pflegen. Es handelt sich dabei um eine Pflegefreistellung, die man bis zum 12. Lebensjahr des Kindes für einen Zeitraum von bis zu 12 Wochen in Anspruch nehmen kann.

Auch danach besteht die Möglichkeit, sein Kind zuhause oder im Spital gesund zu pflegen. Dazu müsste man jedoch seinen Urlaub verwenden oder mit dem Arbeitgeber eine unbezahlte Freistellung aushandeln.

Auch in diesem Fall ist der Arbeitnehmer dazu verpflichtet, seinen Arbeitgeber unverzüglich über seinen Ausfall aufgrund der Erkrankung seines Kindes zu unterrichten und gegebenenfalls eine Vertretung zu organisieren.

Krank im Urlaub

Erkrankt man als Arbeitnehmer während des Urlaubs, wird der Urlaub durch die Krankheit unterbrochen. Dies gilt allerdings nur bei Krankheiten, die länger als drei Tage dauern, nicht durch eigenes Verschulden herbeigeführt wurden und die ein Arzt diaognostiziert hat.
Auch hier hat der Arbeitnehmer die Pflicht, seinen Arbeitgeber spätestens am dritten Tag darüber in Kenntnis zu setzen.
Man darf die Urlaubstage, die man durch eine Erkrankung nicht verbraucht hat, jedoch nicht eigenmächtig hinten an seinen Urlaub hängen, um ihn zu verlängern.

2017 wurden insgesamt 4,26 Millionen Krankenstandsfälle erfasst – 30,6% mehr als 2007. Ein ausgeprägter Zuwachs ist unter Frauen ersichtlich.
Zum Teil ist diese hohe Zahl aber auch auf die gestiegene Anzahl der erwerbstätigen Personen zurückzuführen.

Wie hoch ist das Krankengeld?

Die Höhe des Krankengelds bei Arbeitsunfähigkeit hängt zunächst von der Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Entscheidend ist es außerdem, ob es sich um eine Erkrankung oder einen Arbeitsunfall handelt, da diese beiden Varianten unterschiedlich gehandhabt werden.

In den ersten fünf Jahres im Betrieb ist das Unternehmen dazu verpflichtet, über einen maximalen Zeitraum von sechs Wochen das volle Entgelt zu zahlen. Danach gilt die Regel einer 50%igen Lohnfortzahlung über einen weiteren Zeitraum von vier Wochen.
Im Falle eines Arbeitsunfalls zahlt das Unternehmen acht Wochen lang das volle Entgelt und im Anschluss vier weitere Wochen 50%.

Bei einer Betriebszugehörigkeit von 15 Jahren sind es sogar 10 Wochen volle Entgeltfortzahlung und anschließenden vier Wochen mit 50%.
Ab dem 26. Jahr Betriebszugehörigkeit, steigt die Lohnfortzahlung auf insgesamt 12 Wochen, im Anschluss werden 50% weitere vier Wochen ausgezahlt. Sollte es innerhalb der darauffolgenden sechs Monate erneut zu einer Arbeitsunfähigkeit kommen, dann ist der Arbeitgeber lediglich zu einer 50% Entgeltfortzahlung verpflichtet.

Im Jahr 2017 waren die häufigsten Ursachen für eine Arbeitsunfähigkeit- wie schon in den Jahren davor – vor allem Erkrankungen des Atmungssystems (471 von je 1000 Erwerbstätigen), Infektionskrankheiten (211 von 1000), Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (172 von 1000) und Verletzungen (108 von 1000).

Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.