Corona-Kurzarbeit – was Arbeitnehmer und Unternehmen jetzt wissen müssen

Das Wichtigste in Kürze
  • Erste Anlaufstelle für Unternehmen ist die WKO. Der Antrag ist jedoch beim AMS einzureichen.
  • Die Corona-Kurzarbeit Beihilfe wird für drei Monate gewährt und kann bei Bedarf um weitere drei Monate verlängert werden.
  • Corona-Kurzarbeit kann vom Dienstgeber angeordnet werden und darf nicht vonseiten des Dienstnehmers abgelehnt werden.

Am 15.3.2020 hat der Nationalrat in einer Sondersitzung die gesetzlichen Grundlagen für die COVID-19 Kurzarbeit beschlossen. Sie sollen verhindern, dass betriebsbedingte Kündigungen durchgeführt werden und das Know-how der Unternehmen sichern.

Corona-Kurzarbeit – was Unternehmen jetzt wissen müssen?

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Besteht vonseiten eines Unternehmens betriebswirtschaftlich die Notwendigkeit, die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu kürzen, so kann auf der Basis einer Sozialpartnervereinbarung die Arbeitszeit der Mitarbeiter um 10 bis 90 % gesenkt werden. Phasenweisen kann es sich sogar um 100 % handeln.

Erste Anlaufstelle ist die WKO für Unternehmen.

Das AMS gleicht den Entgeltausfall in Form einer Kurzarbeitsbeihilfe aus. Je nach Einkommenshöhe ergibt sich so ein Nettogehalt zwischen 80 und 90 Prozent. Dem Dienstgeber werden ebenfalls anteilig die Sozialversicherungsbeiträge ersetzt, die er zu zahlen hätte.

Der Urlaubsanspruch vergangener Jahre und vorhandene Zeitguthaben sind vor Beginn der Kurzarbeit vollständig vom Mitarbeiter zu konsumieren. Das Dienstverhältnis muss während der Dauer der Kurzarbeit und mindestens einen Monat darüber hinaus aufrecht sein.

Wenn das Unternehmen Corona-Kurzarbeit plant

Wer von Corona wirtschaftlich betroffen ist, muss jetzt folgende Schritte gehen:

  1. Alle notwendigen Informationen bei der jeweiligen Landeskammer der WKO oder dem AMS einholen. Alternativ steht auch der Betriebsrat, so vorhanden, als Gesprächspartner zur Verfügung. Auch mit den Mitarbeitern sollten Gespräche diesbezüglich geführt werden.
  2. Es muss eine Sozialpartnervereinbarung beziehungsweise Betriebsvereinbarung zwischen dem Unternehmen und dem Betriebsrat oder dem Unternehmen und den Mitarbeitern geschlossen und unterzeichnet werden. Ein AMS-Antragsformular Corona muss ausgefüllt werden und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich durch Corona ergeben genau begründet.
  3. Als letzter Schritt müssen diese Dokumente an das AMS durch den Dienstgeber übermittelt werden. Dies muss per eAMS-Konto oder per E-Mail erfolgen.
  4. Auf die Entscheidung des AMS warten.

Die Kurzarbeit ist unabhängig von der Betriebsgröße und der Branche für jedes Unternehmen möglich.

Das AMS benötigt darüber hinaus von Unternehmen diese Angaben:

  • den Beschäftigungsstand
  • die Dauer der Kurzarbeit
  • die Anzahl der von der Kurzarbeit betroffenen Dienstnehmer
  • das Einkommen im Durchschnitt
  • die geplante Arbeitzeitreduzierung.

Gefördert werden derzeit drei Monate. Besteht darüber hinaus bedarf, kann um weitere drei Monate verlängert werden.

Anteilige Sonderzahlungen sind in den Berechnungen des AMS ebenfalls enthalten.

Bis zum 28. des Folgemonats ist für die von der Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter eine Abrechnungsliste beim AMS vorzulegen. Die Auszahlung der Förderung erfolgt nachträglich je Kalendermonat nach entsprechender Prüfung der Abrechnungsliste.

Der Antrag auf Kurzarbeitsbeihilfe Corona kann rückwirkend ab 1. März 2020 gestellt werden. Das Antragsformular wird voraussichtlich ab 19.03.2020 zur Verfügung stehen.

Wie wirkt sich Corona-Kurzarbeit auf Dienstnehmer aus?

Kurzarbeit kann vom Dienstgeber angeordnet werden. Der Dienstnehmer hat sich daran zu halten, doch er hat Anspruch auf ein ungekürztes Entgelt. Sind noch nicht verbrauchte Urlaubstage der vergangenen Jahre oder Zeitguthaben vorhanden, so sind diese vollständig zu konsumieren.

Der Dienstnehmer erhält für die erbrachte, wenn auch verkürzte Arbeitsleistung weiterhin anteilsmäßig das Gehalt oder den Lohn vom Dienstgeber. Darüber hinaus zahlt das AMS. Addiert ergibt das die sogenannte Nettoersatzrate, welche entsprechend der Einkommenshöhe gestaffelt ist.

Das sieht dann wie folgt aus:

  • 80 Prozent Nettoersatzrate, wenn das Bruttoeinkommen vor der Kurzarbeit über 2.685 Euro lag.
  • 85 Prozent Nettoersatzrate, wenn das Bruttoeinkommen vor der Kurzarbeit zwischen 1.700 Euro und 2.685 Euro lag.
  • 90 Prozent Nettoersatzrate, wenn das Bruttoeinkommen bis 1.700 Euro betrug.

Bevor die Kurzarbeit beginnt und während der Kurzarbeit müssen die Dienstnehmer alle Zeitguthaben und die Urlaubstage vergangener Jahre verbrauchen. Wird die Kurzarbeit über die drei Monate hinaus verlängert, müssen weitere drei Wochen Urlaub verbraucht werden.

Wichtig zu wissen ist, dass in Zeiten von Urlaub und Krankheit während der Corona-Kurzarbeit auf der Basis der Arbeitszeit vor der Kurzarbeit das Entgelt ausbezahlt wird.

Ein Anrecht auf Corona-Kurzarbeit besteht jedoch nicht. Das Unternehmen muss die Kurzarbeitsbeihilfe beim AMS beantragen. Dazu müssen Vereinbarungen mit dem Betriebsrat oder den Mitarbeitern getroffen werden. Die WKO und die Gewerkschaften sollten möglichst innerhalb von 48 Stunden zustimmen.

Für Geschäftsführer ist Kurzarbeit nicht möglich, wenn sie über die GSVG versichert sind. ASVG versicherte hingegen schon.

Die Corona-Kurzarbeit darf nicht abgelehnt werden, da sie zur Bewältigung der Krise ins Leben gerufen wurde, damit Kündigungen nicht ausgesprochen werden müssen. Lehnt der Dienstnehmer ab, kann eine Kündigung drohen.

Rein rechtlich kann der Dienstgeber das Dienstverhältnis auch einvernehmlich oder betriebsbedingt während der Coronakrise lösen. Die Formvorschriften und Fristen sind jedoch einzuhalten.

Es wird jedoch an die Dienstgeber appelliert andere Möglichkeiten, wie Homeoffice, Teleworking und Kurzarbeit Corona zu nutzen. Der einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses sollte vor Rücksprache mit dem Betriebsrat oder der Arbeiterkammern nicht zugestimmt werden.

Während der Zeit der Kurzarbeit und noch einen Monat später darf der Dienstgeber nicht kündigen. In manchen Fällen wird aber darüber zu verhandeln sein.

Lehrlinge und Corona Kurzarbeit

Nach einer weiteren Anpassung können nun auch Lehrlinge zur Kurzarbeit angemeldet werden, dabei erhält das Unternehmen 100% Entschädigung der ausfallenden Zeit.

 

Rückfragen

Wer als Dienstnehmer Fragen hat, sollte sich an den Betriebsrat des Unternehmens oder den Österreichischen Gewerkschaftsbund wenden. Auch die Arbeiterkammer steht zur Verfügung.

Telefon-Hotline 0800/22 12 00 80 (Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr)

Fazit:
Mit der Kurzarbeit in Zeiten des Coronavirus sollen Arbeitsplätze gesichert und Kündigungen vermieden werden. So bleiben Fachkräfte dem Unternehmen erhalten. Nach der Corona-Krise werden sie wieder gebraucht. Das finanzielle Loch der Unternehmen wird verkleinert.

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Birgit Wichmann

Birgit Wichmann

Birgit verfügt, neben ihrer Erfahrung als Texterin, über eine jahrzehntelange Erfahrung als kaufmännische Leiterin, Controllerin, Bankmitarbeiterin, Steuerberaterin und in der Entwicklung von Rechnungswesensoftware. Frankreich ist ihre große Liebe, nicht nur aufgrund des sagenhaften "Le savoir-vivre". In der Freizeit tourt sie mit dem Rad durch Kärnten, Slowenien und Italien oder versinkt in Büchern. Derzeit lebt Birgit in einem kleinen Herrenhaus am Dobratsch in Villach, aber auch in Frankreich in den sagenumwobenen Cevennen.

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