Bildungskarenz

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Arbeitgeber muss der Nutzung der Bildungskarenz zustimmen
  • Die Aus- und Fortbildung muss in der Woche mindestens 20 Stunden umfassen.
  • In Abhängigkeit von der gewünschten Aus- und Fortbildung, kann die Karenz zwischen 2 und maximal 12 Monate betragen.
  • Weitere Informationen zum Thema Voraussetzungen für die Bildungskarenz

Was ist eine Bildungskarenz?

Die Bildungskarenz ist ein Angebot, das jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer nutzen kann, der eine Aus- oder Fortbildung absolvieren möchte. Während der Bildungskarenz wird man von seinem Arbeitgeber freigestellt und erhält in dieser Zeit keinen Lohn oder Gehalt, dafür aber ein Weiterbildungsgeld. Mit der Bildungskarenz kann man eine notwendige berufliche Aus- und Fortbildung absolvieren.

Infografik_Bildungskarenz

Vorteile

Um auf dem heutigen Arbeitsmarkt bestehen zu können, ist eine stetige Aus- und Weiterbildung für einen jeden Arbeitnehmer unerlässlich. Neue Techniken und Qualifizierungen erfordern stets ein Auffrischen vom Wissen. Für die Absolvierung einer Aus- und Weiterbildung bietet sich die Bildungskarenz an.

Natürlich stellt sich bei der Bildungskarenz die Frage, was sind die Vorteile dadurch? Die Vorteile sind vielfältig, zum einen bietet die Bildungskarenz Vorteile für die Unternehmen, aber auch für den Arbeitnehmer. So kann man sich unter Beibehaltung seines Arbeitsplatzes fortbilden. Man hat während der Fortbildung ein sicheres Einkommen. Für das Unternehmen hat es die Vorteile, dass man Mitarbeiter mit stets aktuellen Qualifikationen hat. Zudem verliert man durch die Bildungskarenz seine Mitarbeiter nicht, da die weiter im Unternehmen sind.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein?

Die Nutzung der Bildungskarenz ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. So muss zum einen der Arbeitgeber der Nutzung der Bildungskarenz zustimmen. Für diesen Zweck muss zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber eine sogenannte Bildungskarenzvereinbarung geschlossen werden.

Neben dieser Voraussetzung muss man mindestens seit 6 Monaten beim Arbeitgeber beschäftigt sein. Zu dieser Mindest-Beschäftigungsdauer gibt es eine Ausnahme, nämlich für Saisonbetriebe. Wer in einem Saisonbetrieb arbeitet, kann bereits nach 3 Monaten durchgehender Beschäftigung die Bildungskarenz nutzen, vorausgesetzt, dass man in den letzten vier Jahren mindestens 6 Monate beim gleichen Arbeitgeber angestellt war.

In diesem Zusammenhang gibt es noch eine wichtige Bedingung:
es muss sich um eine Tätigkeit handeln bei der man arbeitslosenversichert ist. Generell muss man nämlich einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Eine Tätigkeit unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze führt zum Versagen der Karenz. Und als letztes muss man die Weiterbildung, aber auch die Weiterbildungsstunden schriftlich in einem Antrag erklären und nachweisen.

Was gilt als Aus- und Weiterbildung?

Was eine Aus- und Fortbildung ist und wie diese mit der Karenz durch ein Weiterbildungsgeld gefördert wird, ist genau umschrieben. So muss die Aus- und Fortbildung einen beruflichen Bezug haben.

Die Absolvierung von Ausbildungen ohne einen beruflichen Bezug, zum Beispiel Hobbykurse werden nicht gefördert. Eine Ausbildung mit beruflichen Bezug kann eine fachliche Schulung sein, zum Beispiel zu bestimmten Arbeitsverfahren, aber auch eine Ausbildung in einer Fremdsprache, wenn man diese für den Beruf zukünftig benötigt.
Zudem kann auch die Absolvierung von Schul- oder Studien-Abschlüsse als Aus- und Fortbildung anerkannt werden.

Wo die Aus- und Fortbildung gemacht wird, ob im In- oder Ausland spielt hinsichtlich der Bewilligung keine Rolle. Wobei man beachten muss, dass man die Ausbildung in der Regel nicht bei seinem Arbeitgeber absolvieren darf. Eine Ausnahme davon ist nur möglich, wenn eine Ausbildung woanders nicht möglich ist.

Wieviele Stunden muss die Ausbildung betragen?

Die Aus- und Fortbildung muss in der Woche mindestens 20 Stunden umfassen. Von dieser Regelung gibt es eine Ausnahme, nämlich wenn man ein Kind hat. Ist das Kind unter 7 Jahre alt und damit betreuungspflichtig, verringert sich die wöchentliche Stundenzahl auf 16 Stunden.

Gerade bei notwendigen Stunden für eine Aus- und Fortbildung muss man sehr aufpassen. Denn wird hier die Vorgabe nicht erfüllt, kann dies zum Versagen von einem Antrag auf Karenz führen. Eine typische Falle ist oft die Definition der Stunde. Während der Gesetzgeber unter einer Stunde 60 Minuten versteht, handelt es sich bei den Anbietern von Aus- und Fortbildungen in der Regel um eine Schulstunde. Diese beträgt dann nur 45 Minuten. Ein solches Angebot mit 20 Stunden zu jeweils 45 Minuten würde die Anforderungen an die wöchentliche Stundenzahl zum Beispiel nicht erfüllen und würde dementsprechend nicht gefördert werden.

Für welchen Zeitraum kann die Bildungskarenz gewährt werden?

In Abhängigkeit von der gewünschten Aus- und Fortbildung, kann die Karenz zwischen 2 und maximal 12 Monate betragen. Wobei hier auch eine Kombination mit der Bildungsteilzeit möglich ist, dazu im nächsten Abschnitt mehr.

Wie viel Geld erhalten Sie monatlich?

Die Höhe des Weiterbildungsgeldes entspricht dem Arbeitslosengeld. Die genaue Höhe wird vom AMS festgelegt, entspricht aber mindestens 14,53 Euro täglich. Etwaige Vergütungen, die man sonst von seinem Arbeitgeber bisher erhalten hat, wie zum Beispiel Weihnachtsgeld oder andere Sonderzahlungen, entfallen während der Karenz.

Neben dem Weiterbildungsgeld, das man monatlich erhält, besteht aber auch die Möglichkeit von einem Zusatzverdienst. Man kann also neben der Weiterbildung auch noch arbeiten, zum Beispiel im Unternehmen in dem man angestellt ist. Hinsichtlich dem Zusatzverdienst, den man zum Weiterbildungsgeld verdienen darf, muss man auf die Höhe achten.

Hier darf man nämlich die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreiten. Für 2019 liegt diese bei 446,81 Euro im Monat. Aber Achtung: bei Überschreiten der Grenze kann dies unter Umständen zum Verlust vom Weiterbildungsgeld führen. Daher sollte man hier besonders aufpassen. Natürlich können sich aber auch durch die Ausbildung noch Einkünfte ergeben. Erhält man durch die Ausbildung Einkünfte, so gilt ein anderer Wert als die Geringfügigkeitsgrenze. In einem solchen Fall dürfen die Einkünfte das 1.5 fache der Geringfügigkeitsgrenze betragen, ohne dass man seinen Anspruch auf das Weiterbildungsgeld verliert.

An dieser Stelle noch der Hinweis: Man kann die Bildungskarenz und damit das Weiterbildungsgeld auch kombinieren, nämlich mit der Bildungsteilzeit. So kann man die Bildungszeit und die Bildungskarenz innerhalb von vier Jahren auch verbinden. Im Vergleich zur Bildungskarenz, werden bei der Bildungsteilzeit nur die Arbeitsstunden im Unternehmen reduziert. Durch die reduzierte Anzahl an Stunden, kann man eine Aus- oder Fortbildung besuchen. Diese muss wöchentlich mindestens 10 Stunden betragen. Der daraus resultierende fehlende Lohn wird bei der Bildungsteilzeit durch das Bildungsteilzeitgeld ersetzt. Die Höhe vom Geld bei der Bildungsteilzeit ist abhängig von der reduzierten Anzahl an Arbeitsstunden. Grundsätzlich beträgt die Entschädigung bei der Bildungsteilzeit 0,82 Euro pro Stunde.

Hier finden Sie eine Checkliste mit allen Wichtigen Punkten rund um das Thema Bildungskarenz.

Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.