Das Bedingungslose Grundeinkommen

Das Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommens soll allen Menschen die Sicherheit bieten, ein existenzsicherndes monatliches Einkommen vom Staat zu erhalten, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Über die Möglichkeiten der Finanzierung haben sich schon etliche große Köpfe ihrer Zeit Gedanken gemacht, und auch verschiedene Modelle dazu gefunden. Welche Ideen bereits getestet wurden, und ob sie als machbar bewertet wurden, lesen sie hier.

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Bedingungsloses Grundeinkommen: Die Idee

Jedes Mitglied einer Gesellschaft sollte an den Gesamteinnahmen eines Staates / einer Gemeinschaft gerecht beteiligt werden. Das ist der Grundgedanke, der dem Konzept vorausgeht. Dabei soll es sich nicht um eine Zuwendung aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Notstand handeln, sondern um eine gerechtfertigte Leistung des Staates, die an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Der Begünstigte geht mit dem Empfang der Leistung keinerlei Verpflichtungen ein.

Derzeit im Gespräch: Modelle zur Finanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens

Im Fokus stehen vier Modelle, welche das Bedingungslose Grundeinkommen finanzieren könnten:

  • Einkommenssteuer
  • Konsumsteuer
  • Ressourcensteuer
  • Geldverkehrssteuer

Die Negative Einkommenssteuer

Noch vor dem Konzept des Bedigungslosen Grundeinkommens gab es die Idee des Bürgergeldes, die auf die britische Beamtin Lady Juliet Evangeline Rhys-Williams und den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman zurückgeht. Sie sollte durch die Negative Einkommenssteuer von der Finanz ausbezahlt werden.

In den 70er Jahren wurden in den USA mehrere Experimente mit der Negativen Einkommenssteuer durchgeführt. Eine wichtige Erkenntnis daraus war die Tatsache, dass lediglich ein geringer Prozentanteil aufgrund des gesicherten Einkommens seine Erwerbstätigkeit reduzierte. Der größte Prozentanteil lag bei den alleinerziehenden Müttern. Auf ein ähnliches Ergebnis kam ein Experiment in Kanada: Dort reduzierten lediglich 1 % der Männer und 3 % der Frauen ihre Erwerbstätigkeit aufgrund der Sicherheit des Grundeinkommens.

Ein Rechenbeispiel dazu finden Sie in Wikipedia unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Negative_Einkommensteuer

Die Konsumsteuer

Hinter dieser Idee steckt ein Konzept, das völlig ohne weitere Besteuerung auskommt. Der Arbeitnehmer erhält das Bruttoeinkommen als Nettoeinkommen ausbezahlt, muss dafür eine hohe Umsatzsteuer beim Kauf von Waren und Dienstleistungen zahlen welche wieder als Bedingungsloses Grundeinkommen an alle ausbezahlt wird.

Ressourcensteuer

Dieses Modell würde die Nutzung von natürlichen Ressourcen besteuern. Die Einnahmen könnten dann an die einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft ausbezahlt werden.

Geldverkehrssteuer

Würde man den Zahlungsverkehr mit 0,05% besteuern, könnte das Grundeinkommen damit finanziert werden. Dieser Auffassung ist jedenfalls der Schweizer Soziologe Oswald Sigg. Dazu käme der Umstand, dass nur derjenige viele Steuern zahlen würde, der auch viel Geld bewegt. Ein weiterer Vorteil für Menschen mit weniger Einkommen.

Brasilien: Die Mumbuca-Karte für die Ärmsten des Landes

Den Ärmsten des Landes stellt der brasilianische Staat eine besondere Form des Bedingungslosen Grundeinkommens zur Verfügung. Mit der Mumbuca-Karte ist es ihren Besitzern möglich, die wichtigsten Lebensmittel einzukaufen. Das Bedingungslose Grundeinkommen wurde sogar in der Verfassung verankert.

Finnland: 560 Euro ohne Gegenleistung

2000 zufällig ausgewählte Personen können sich seit Anfang des Jahres 2017 in Finnland zu den Glücklichen zählen, die an einem Experiment zum Bedingungslosen Grundeinkommen teilnehmen

dürfen. Sie bekommen monatlich 560,- Euro. Ohne Forderung einer Gegenleistung. Einfach so. Finnland will damit der Frage auf den Grund gehen, was Menschen tun, wenn sie ein existenzsicherndes Grundeinkommen ihr Eigen nennen. Die Frage, die dabei beantwortet werden soll, ist: Welcher Prozentanteil der mit dem Grundeinkommen versorgten Personen wird seine Erwerbstätigkeit reduzieren und wie viele werden überhaupt lieber zu Hause bleiben als arbeiten zu gehen? Daher bekommen derzeit rund 2000 Teilnehmer von der Sozialversicherung steuer- und auflagenfrei Geld ausbezahlt.

Finanzierung des Grundeinkommens

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Zugegeben. Auch, oder gerade, in Finnland kann niemand von 560 Euro leben. Das durchschnittliche Einkommen liegt hier bei rund 2.000 Euro brutto. Zu diesem kleinen Betrag kommt aber noch ein Wohngeld in der Höhe von 210,- Euro dazu. Und die Teilnehmer haben die Freiheit, so viel dazuzuverdienen, wie sie möchten, ohne dabei mit Einbußen oder Abzügen beim Grundeinkommen rechnen zu müssen.

Wie das Experiment letztendlich bewertet wird, das werden wir erst noch erfahren. Erste Zwischenergebnisse sprechen jedoch eine eindeutige Sprache. Das Handelsblatt titelt in seiner Online-Ausgabe „560 Euro Grundeinkommen macht Finnen glücklich“, und berichtet von den Vorteilen, die sich durch das kleine Grundeinkommen herauskristallisieren: Arbeitslose finden schneller wieder zurück in den Beruf, weil sie schneller einen Nebenjob annehmen. Außerdem sinkt der Stresspegel aufgrund von Zukunftsangst: Denn sie müssen nicht den nächstbesten Job annehmen. Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen haben sie die Möglichkeit, sich eine Arbeit zu suchen, die wirklich zu ihnen passt, und die sie dann auch gerne ausführen. Mehr dazu lesen Sie in der Online-Ausgabe des Handelsblattes unter: https://orange.handelsblatt.com/artikel/26668

Über noch mehr positive Ergebnisse berichtet die Huffingtonpost in ihrer Online-Ausgabe mit dem Titel: „Finnland testet das Bedingungslose Grundeinkommen – und widerlegt das wichtigste Argument der Kritiker“ vom 28.06.2017. Darin werden noch weitere positive Punkte beschrieben, die das Experiment zu Tage gebracht hat: Die Teilnehmer haben, im Gegensatz zu dem, was Kritiker gerne meinen, mehr Lust, sich einen geeigneten Arbeitsplatz zu suchen. Sie sind motivierter, auch wenn es darum geht, die eigenen Geschäftsideen umzusetzen. Kritiker waren bisher der Meinung, dass ein Grundeinkommen zu sinkender Leistungsmotivation führen würde.

Was für das Bedingungslose Grundeinkommen spricht

Der bekannte deutsche Philosoph Richard David Precht spricht sich deutlich für das Bedingungslose Grundeinkommen aus, und liefert dafür auch gleich einige einleuchtende Argumente. Einer der wichtigsten Themen, die er derzeit in den Medien bespricht, ist die Industrie 4.0. Mit ihr werden viele Berufe verschwinden. Und das wird schneller gehen, als allgemein angenommen. Ein großer Teil der Berufe, die es derzeit noch gibt, werden von Computern ersetzt. Was dann mit den Menschen passiert, ist folgendes: Einige werden einen Job bekommen, in dem sie einen Computer bedienen müssen. Die meisten jedoch werden keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen. Entweder, weil sie nicht genügend Fähigkeiten mitbringen, oder – und das wird wohl noch öfter der Fall sein: Weil es einfach zu wenig Arbeitsplätze mehr geben

wird. Precht schätzt, dass rund die Hälfte der Berufe bald verschwunden sein wird. Einige Wirkungskreise bleiben natürlich erhalten. Unsere Kinder beispielsweise werden wir weiterhin von Menschen betreuen lassen. Handwerk wird weiterhin einen hohen Stellenwert für gut betuchte Menschen einnehmen. Aber einen Postboten beispielsweise, oder einen Zugführer wird man einfach nicht mehr brauchen. Um die Menschen nicht im Stich zu lassen, spricht sich Precht eindeutig für das Bedingungslose Grundeinkommen aus. Und er ist bei weitem nicht der Einzige.

Richard David Precht im Interview: https://www.youtube.com/watch?v=p5pIovnAW6A



Lesen Sie mehr über das Bedingungslose Grundeinkommen hier:
http://www.grundeinkommen.at

Mario Schantl

Mario Schantl

Mario Schantl kann bereits jahrelange Erfahrung in der Finanz- und Immobilienbranche aufweisen. Als Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur ist er mit dem Unternehmertum und wirtschaftlichen Aspekten bestens vertraut und der ideale Ansprechpartner wenn es sich um Steuern, Finanzen und Wohnraumfinanzierung handelt.

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Der Artikel wurde sorgfältig recherchiert. Dennoch kann keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte und weiterführenden Links übernommen werden.

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