Außergewöhnliche Belastungen

Das Wichtigste in Kürze
  • Damit außergewöhnliche Belastungen im Steuerausgleich Berücksichtigung finden können, müssen sie zwangsläufig sein und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Die außergewöhnlichen Belastungen werden unterteilt in Belastungen mit und ohne Selbstbehalt.
  • Außergewöhnliche Belastungen, die durch eine tatsächliche Krankheit entstanden sind, sind steuerlich absetzbar.

Außergewöhnliche Belastungen sind ganz bestimmte Kosten der Lebensführung. Sie können im Rahmen des Steuerausgleichs geltend gemacht werden, wenn sie aus einem Zwang heraus entstanden sind und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dadurch beeinträchtigt wird.

Wann außergewöhnlich und zwangsläufig

Ist die Belastung des Steuerpflichtigen höher, als die anderer Personen in gleichen oder ähnlichen Einkommensverhältnissen, so ist sie außergewöhnlich.

Zwangsläufig ist die Belastung, wenn der Steuerpflichtige ihr nicht ausweichen kann. Der Grund dafür kann rechtlich, sittlich oder tatsächlich vorhanden sein.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist beeinträchtigt, wenn die Belastung den persönlichen Selbstbehalt übersteigt. Wie hoch der Eigenbedarf ist, ist vom Gesetzgeber festgelegt und richtet sich nach den Einkommens- und Familienverhältnissen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass außergewöhnliche Belastungen Berücksichtigung im Steuerausgleich finden, wenn die drei folgenden Merkmale erfüllt sind:

  • Die Ausgaben müssen außergewöhnlich sein, das bedeutet, dass die Kosten deutlich über dem Durchschnitt der anderen Steuerpflichtigen liegen.
  • Die Ausgaben müssen zwangsläufig sein. Das heißt, unterstützt man die eigenen Eltern, obwohl diese ein ausreichendes Einkommen haben, so ist diese Unterstützung nicht zwangsläufig.
  • Die Ausgaben müssen die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mindern. Das ist der Grund, warum es für einige außergewöhnliche Belastungen den Selbstbehalt gibt. Nur wenn der Selbstbehalt überschritten wird, sind die außergewöhnlichen Belastungen absetzbar.

Mit oder ohne Selbstbehalt

Die außergewöhnlichen Belastungen werden, wie bereits gesagt, in mit und ohne Selbstbehalt unterschieden. Zu den außergewöhnlichen Belastungen mit Selbstbehalt zählen:

  • die Krankheits- und Kurkosten
  • die Kosten für ein Begräbnis
  • die Kosten für eine Adoption
  • die Kosten für eine künstliche Befruchtung
  • die Kosten für die Pflege eines Angehörigen zu Hause
  • die Kosten für ein Pflege- und Altersheim
  • die Entbindungskosten

Zu den außergewöhnlichen Kosten ohne Selbstbehalt zählen:

  • die Kosten für die Beseitigung von Katastrophenschäden
  • die Kinderbetreuungskosten
  • Kosten, die aufgrund einer Behinderung entstanden sind
  • die Kosten für die Verpflegung aufgrund einer Diät

Die Höhe des Selbstbehalts der außergewöhnlichen Kosten hängt vom Einkommen des Steuerpflichtigen ab.

Einkommen pro Jahr (€)Selbsbehalt
bis 7.3006 %
von 7.300 bis 14.6008 %
von 14.600 bis 36.40010 %
über 36.40012 %
aussergewoehnliche_belastungen
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Der Selbstbehalt reduziert sich um 1 Prozent, für jedes Kind, für das man mehr als sechs Monate pro Jahr Anspruch auf Familienbeihilfe hat oder einen Unterhaltsabsetzbetrag geltend machen kann.

Steht der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag zu, vermindert sich der Selbstbehalt ebenfalls um ein Prozent. Das gleiche gilt, wenn man im Kalenderjahr mehr als sechs Monate verheiratet war oder in einer eingetragenen Partnerschaft gelebt hat und der Partner über nicht mehr als 6.000 Euro Einkünfte verfügt.

Sind alle Kosten bei Krankheit absetzbar?

Kosten, die durch eine tatsächliche Krankheit entstanden sind, sind generell von der Steuer abzugsfähig. Wellness- und Fitnessangebote, Impfungen, Schönheitsoperationen oder Verhütungsmittel jedoch nicht.

Diese Kosten sind absetzbar:

  • die Kosten zur Linderung und Heilung von Allergien
  • alle Arzthonorare und die Spitalskosten
  • die Ausgaben für Heilbehandlungen und Medikamente (auch die der alternativen Medizin)
  • die Rezeptgebühr
  • die Kosten für Psychotherapie und Akupunktur
  • die Kosten für Kontaktlinsen, Brillen, Prothesen, Hörgeräte und Gehhilfen
  • die eigenen Kosten für Fahrten zum Arzt und ins Spital
  • alle Fahrtkosten von Angehörigen, die einem Erkrankten einen Besuch abgestattet haben, als diese krank waren
  • die eigenen Beiträge für einen Kur- und Krankenhausaufenthalt
  • bei einem Krankenhausaufenthalt von Kindern, die Kosten für die Unterkunft der Begleitperson
  • die Kosten für den Zahnarzt und den Zahnersatz, allerdings nicht die Mundhygiene

Sind die Kosten für eine Kur außergewöhnliche Belastungen?

Ist der Kuraufenthalt aus medizinischen Gründen aufgrund einer Erkrankung notwendig gewesen und unter ärztlicher Aufsicht erfolgt, sind die Kosten der Kur absetzbar. Es muss die ärztliche Bestätigung oder der Bescheid der SV über den Kostenersatz dem Finanzamt vorgelegt werden. Ist das der Fall, können folgende Kosten steuerlich geltend gemacht werden:

  • die Kuraufenthaltskosten
  • alle Kosten für die medizinische Betreuung und die Kurmittel
  • die Fahrtkosten zum und vom Kurort
  • Die Aufwendungen für Begleitpersonen dürfen nur bei pflege- oder hilfs­be­dürft­igen Personen und Kindern abgesetzt werden.

Doch Vorsicht, die beantragten Kur- oder Krankenhauskosten sind um die Haushaltsersparnis zu reduzieren. Das sind derzeit 5,23 € pro Tag.

Begräbniskosten als außergewöhnliche Belastung

Sind die Kosten für ein Begräbnis nicht vollständig durch das Erbe gedeckt oder nur zu einem gewissen Teil, können die Begräbniskosten abgesetzt werden. Wichtig zu wissen ist, dass nur die aktiven Posten des Erbes zur Gegenrechnung herangezogen werden können. Das bedeutet, die Begräbniskosten gelten für das Finanzamt auch dann als gedeckt, wenn man gar nichts oder nur Schulden erbt.

Diese Kosten können bei einem Begräbnis steuerlich abgesetzt werden:

  • die Kosten, um dem Verstorbenen ein würdiges Begräbnis zu verschaffen bis zu einer Höhe von 5.000 Euro
  • die Kosten für einen einfach gehaltenen Grabstein bis zu einer Höhe von 5.000 Euro
  • darüber hinausgehende Kosten können nur abgesetzt werden, wenn sie zwangsläufig erwachsen sind, wie zum Beispiel durch höhere Überführungskosten bei einem Todesfall im Ausland, eine Über­führung vom Inland ins Ausland oder aufgrund besonderer Vorschriften zur Ge­stalt­ung des Grabsteins.

Der zu pflegende Angehörige

Alle Kosten, die im Zusammenhang mit einem Alters- und Pflegeheim oder der häuslichen Pflege und Betreuung entstanden sind, sind wie folgt als außergewöhnliche Belastung absetzbar:

  • Wenn die Person nicht nur aus Altersgründen in einem Alters- oder Pflegeheim unter­gebracht ist und ein Pflegegeld ab der Stufe 1 bezieht.
  • Erhält man kein Pflegegeld, kann der Bedarf an Pflege auch durch ein ärzt­liches Gutachten nach­gewiesen werden.

Diese Beträge müssen um die Haushaltsersparnis von 5,23 € täglich vermindert werden. Das sind im Monat 156,96 Euro. Davon ausgenommen ist allerdings die häusliche Pflege. Auch abgezogen wird, das Pflegegeld und die gewährten Zuschüsse, wie zum Beispiel die Blindenzulage.

Liegt bei der zu pflegenden Person, eine Behinderung von mindestens 25 Prozent vor, werden alle Kosten für den Pflegebedürftigen ohne Selbstbehalt berücksichtigt. Bekommt der Angehörige Pflegegeld, so ist von einer mindestens 25 prozentigen Behinderung auszugehen. Ein Nachweis ist nicht erforderlich. Übernimmt ein unterhaltspflichtiger Angehöriger die Kosten, ist generell ein Selbstbehalt abzuziehen.

Alleinerziehend?

Ein alleinerziehender Elternteil, egal ob Mutter oder Vater, kann Kinderbetreuungskosten, die 2.300 Euro übersteigen, als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Allerdings wird dieser Betrag gekürzt um den einkommensabhängigen Selbstbehalt. In einem solchen Fall gilt die Altersgrenze von zehn beziehungsweise 16 Jahren nicht.

Außergewöhnliche Belastungen können also steuerlich geltend gemacht werden. Die Höhe richtet sich jedoch nach den Einkommensverhältnissen und danach, ob ein Selbstbehalt abgezogen werden muss oder nicht.

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Birgit Wichmann

Birgit Wichmann

Birgit verfügt, neben ihrer Erfahrung als Texterin, über eine jahrzehntelange Erfahrung als kaufmännische Leiterin, Controllerin, Bankmitarbeiterin, Steuerberaterin und in der Entwicklung von Rechnungswesensoftware. Frankreich ist ihre große Liebe, nicht nur aufgrund des sagenhaften "Le savoir-vivre". In der Freizeit tourt sie mit dem Rad durch Kärnten, Slowenien und Italien oder versinkt in Büchern. Derzeit lebt Birgit in einem kleinen Herrenhaus am Dobratsch in Villach, aber auch in Frankreich in den sagenumwobenen Cevennen.

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