Arbeitnehmer

Als Arbeitnehmer oder Dienstnehmer werden in Österreich natürliche Personen bezeichnet, die ihre Arbeitskraft als unselbstständige Beschäftigte im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses gegen Entgelt zur Verfügung stellen.
Zusammen mit den Selbstständigen und der mithelfenden Familienangehörigen gehören Arbeitnehmer zur volkswirtschaftlichen Kennzahl der Erwerbstätigen.

2018 waren rund 4,3 Millionen Personen in Österreich erwerbstätig.
Damit wurde ein neuer Höchststand der Erwerbstätigkeit erreicht.

Arbeitnehmer sind hinsichtlich der Arbeitszeit, des Arbeitsinhaltes und des Arbeitsortes ihrem Vorgesetzten unterworfen. Die Rechte und Pflichten eines Arbeitnehmers sind, gleich wie die des Arbeitgebers, im Arbeitsvertrag (Dienstvertrag) festgehalten und verbindlich. Ebenso im Arbeitsvertrag finden sich Punkte wie die Art der Beschäftigung (Vollzeit, Teilzeit, geringfügige Beschäftigung), der Urlaubsanspruch, Überstunden-Regelungen, oder Dienstreisebestimmungen.

Erwerbstätigkeit in Österreich

In Österreich zeigt sich im Langzeitverlauf der Erwerbstätigkeit ein zunehmender Trend zu Dienstleistungsgesellschaften. Im Bereich Industrie und Landwirtschaft gibt es einen Rückgang.
Die meisten Erwerbstätigen findet man in den Branchen des verarbeitenden Gewerbes, dem Handel sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren ist gleich wie die Zahl der Erwerbstätigen stetig gestiegen und lag vor der Krise 2020 bei 73%. Es zeigen sich jedoch große Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Bundesländern.

Institutionen und Einrichtungen für Arbeitnehmer

Die Arbeiterkammer

Die Kammer für Arbeiter und Angestellte ist die gesetzliche Interessenvertretung aller Arbeitnehmer in Österreich. Das Pendant zur AK ist die Wirtschaftskammer. Sie vertritt die Interessen der Wirtschaftstreibenden. Die Arbeiterkammer untersteht der staatlichen Aufsicht durch das Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend.

So wie für Unternehmer eine verpflichtende Mitgliedschaft bei der WKO besteht, gilt auch für Dienstnehmer eine Pflichtmitgliedschaft bei der AK. Der monatliche AK-Mitgliedsbeitrag beträgt dabei 0,5 Prozent der ÖGK-Beitragsgrundlage.

Als Gegenleistung stehen den Mitgliedern zahlreiche Services zur Verfügung. So steht es etwa allen Arbeitern und Angestellten frei, sich bei Fragestellungen zum Thema Arbeitsrecht an ihre AK Bezirksstelle zu wenden. Neben der Beratung besteht im Bedarfsfall auch die Möglichkeit einer rechtlichen Vertretung vor Gericht.

Die Themen, auf welche die Arbeiterkammer ihren Fokus richtet, hängen immer von der aktuellen wirtschaftlichen Situation, der Lage am Arbeitsmarkt und den KammerrätInnen des Parlaments der ArbeitnehmerInnen ab. Festgesetzt werden die Fokus-Themen in der AK Vollversammlung, die zwei Mal jährlich stattfindet. Die Vollversammlung im November 2019 legte ihr Hauptaugenmerk unter anderem auf die Attraktivierung der Pflegeberufe und die steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit.

Ein weiterer Leistungsbereich der Arbeiterkammer ist die Beratung und Vertretung im Bereich Konsumentenschutz. Mitglieder, die als Verbraucher Opfer unseriöser Praktiken geworden sind, holen sich schnell und formlos einen Beratungstermin bei ihrer AK. Die Arbeiterkammer hat bereits gegen zahlreiche Unternehmen Verbandsklagen eingebracht, und vor Gericht gewonnen. Noch mehr Beratung und Vertretung im Ernstfall erhalten Sie nur mit Abschluss einer privaten Rechtsschutzversicherung.

Andere beliebte Services der Arbeiterkammer sind die online abrufbaren Musterbriefe, der Abfertigungsrechner und die digitale Bibliothek.

Die Gewerkschaften

Gemeinsam mit der Arbeiterkammer vertreten auch die Gewerkschaften die Interessen der Dienstnehmer. Sie bieten individuelle, dem Fachgebiet entsprechende Hilfe an, und sind neben dem Betriebsrat Ansprechpartner bei Fragen und Problemen rund um das bestehende Arbeitsverhältnis.

Mitglieder haben die Möglichkeit, sich von ihrer Gewerkschaft rechtlich beraten und vor Gericht vertreten zu lassen. Im Unterschied zur AK besteht bei der Gewerkschaft keine verpflichtende Mitgliedschaft.

Das Arbeitsmarktservice

Das Arbeitsmarktservice kümmert sich österreichweit um die Belange von Arbeitssuchenden, und fördert Bedienstete in Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit durch die Auszahlung von Weiterbildungs- oder Bildungsteilzeitgeld.

Zudem hält das AMS Beihilfen für die Kinderbetreuung sowie Aus- und Weiterbildungshilfen oder Qualifizierungsförderungen bereit, und kümmert sich um Eltern, die einen Berufseinstieg nach der Karenz planen. Die Einstellung von älteren Arbeitnehmern ab 50 fördert das AMS mit einer Eingliederungsbeihilfe.

Die österreichische Gesundheitskasse

Seit 01. Jänner 2020 umfasst die österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) die Gebietskrankenkassen der neun Bundesländer sowie weiterer vier Betriebskrankenkassen. Die ÖGK stellt die gesetzliche Krankenversicherung der Arbeitnehmer dar, und bezahlt das Kinderbetreuungsgeld in der Elternkarenz aus.

Die an die ÖGK abgeführten Sozialversicherungsbeiträge setzen sich aus der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung zusammen. Dienstnehmer führen 18 Prozent ihres Bruttoeinkommens an die österreichische Gesundheitskasse ab, einen weiteren Teil bezahlt der Arbeitgeber.

Die Pensionsversicherungsanstalt

Die Pensionsversicherungsanstalt ist der Pensions- und Sozialversicherungsträger und die Pension auszahlende Stelle in Österreich. Zu den begünstigten Personen gehören neben all jenen, die das Pensionsantrittsalter erreicht haben auch Menschen, die krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten können. Die Höhe der Pensionsleistung ist unter www.neuespensionskonto.at für alle Versicherten, die ab 1. Jänner 1955 geboren sind, einsehbar.

Unser Pensionssystem baut auf dem Prinzip des Umlageverfahrens auf, und ist damit nichts anderes als ein Generationenvertrag: Die Jungen bezahlen die Pension der Alten. Aufgrund des derzeitigen demografischen Wandels stehen der wachsenden Zahl an Pensionisten eine geringere Zahl an jungen Arbeitnehmern gegenüber. Berechnungen zufolge steht schon im Jahr 2030 ein Arbeitnehmer jeweils einem Pensionisten gegenüber. Das heißt, dass bis dahin ein jeder Dienstnehmer mit seinem Einkommen die Gesamtzuwendung für einen Pensionisten bezahlen muss. Es ist daher absehbar, dass schon in einigen Jahren eine Lücke zwischen der staatlichen Pensions-Zuwendung und Ihrem letzten Einkommen entstehen wird.

Schon längst besteht die Pensionsvorsorge nicht mehr nur aus einer einzigen, staatlichen Säule. Vielmehr setzt sich eine sichere Pensionsvorsorge aus drei Säulen zusammen: Der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Vorsorge. Die private Vorsorge kann aus unterschiedlichen Finanzprodukten, beispielsweise aus einer Erlebensversicherung, einer Fondsversicherung oder privaten Sparplänen bestehen.

Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern

Die Rechte und Pflichten von Beschäftigten, von der Kündigungsfrist bis zur Arbeitszeit, werden in Österreich sowohl durch Gesetze (z.B.: Urlaubsgesetz, Arbeitsplatzsicherungsgesetz, Arbeiterabfertigungsgesetz, Angestelltengesetz) als auch durch den Kollektivvertrag geregelt. Weitere Rechte und Pflichten, die nicht oder nur teilweise gesetzlich oder kollektivvertraglich geregelt sind, setzt der Arbeitsvertrag fest. Dazu gehört unter anderem die Homeoffice-Vereinbarung.

Der Kollektivvertrag stellt eine der wichtigsten Vereinbarungen im Bereich des Arbeitsrechts dar. Dienstnehmer finden darin eine Auflistung der Mindestlöhne und Grundgehälter nach Branche, Stufe und Verwendungsgruppe. Auf der Seite der WKO stehen die Kollektivverträge aller Branchen zum Download bereit.